Schnupfen: Neue Infos über einen alten Bekannten

Schnupfen? Schon x-mal gehabt, ein alter Bekannter quasi. Dennoch gibt es einiges, was wir nicht über ihn wissen. Wir haben interessante Fakten rund um Schnupfen zusammengetragen.

Bei Schnupfen kann man sich Antibiotika angeblich sparen. Aber bei Nasennebenhöhlenentzündung sind sie doch hilfreich, oder?

Erkältungen werden in den meisten Fällen durch Viren verursacht und gegen die helfen keine Antibiotika. Oft heißt es, dass zumindest hinter Komplikationen wie der Nasennebenhöhlenentzündung Bakterien stecken, so dass Antibiotika zum Einsatz kommen sollten.

Eine aktuelle US-Studie stellt allerdings fest, dass die Medikamente auch dann keine Linderung bringen. Im Gegenteil: Der massive Einsatz von Antibiotika führt dazu, dass sich immer mehr Resistenzen entwickeln – also widerstandsfähige Bakterien, gegen die kaum ein Mittel mehr hilft. Außerdem haben Antibiotika oftmals unangenehme Nebenwirkungen, wie etwa Durchfall.

Viele Leute sagen ja, sie hätten eine Grippe, sobald die Nase läuft. Aber ist das nicht eher eine schnöde Erkältung?

Wenn sich das charakteristische Kribbeln in der Nase oder das Kratzen im Hals über Tage hinzieht, ist das praktisch immer der Vorbote einer Erkältung bzw. eines grippalen Infekts. Das ist eine Erkältung mit Fieber, die ebenfalls durch die typischen Erkältungserreger (sie heißen Rhinoviren, Corona- und Adenoviren) hervorgerufen wird.

Bei einer echten Grippe fühlt man sich typischerweise von einem Moment auf den anderen nur noch hundeelend, wie ausgeschaltet und bekommt meist hohes Fieber und einen trockenen Husten. Erreger ist das gefährliche Influenzavirus.

Ein weiterer Unterschied zwischen Grippe und einem ganz normalen Schnupfen: Gegen erstere kann man sich impfen lassen, gegen die Vielfalt der über 200 verschiedenen Erkältungsviren nicht.

Wie werden Viren übertragen - und wie kann man sie daran hindern?

Erkältungs- und Grippeviren gelangen über den Mund, die Nase oder über die Augen in den Körper: Wir atmen virenbeladene Spucke- und Schleimtröpfchen ein, die der Typ am anderen Ende des Raumes ausgeniest hat. Oder wir fassen die Türklinke (den Telefonhörer, das Buch, die Banknote ... hier geht fast alles) an, die ein Erkälteter berührt hat, kurz nachdem er sein Taschentuch weggeworfen hat - und greifen uns dann ins Gesicht.

Während sich der Erreger aus den Nasenlöchern in rund 10 bis 15 Minuten in den Nasenrachenraum (dort nimmt jede Erkältung ihren Anfang) vorkämpfen muss, wird er vom Auge aus mit einem Wimpernschlag dorthin geschwemmt. Gelangen Viren in den Mund, haben sie weniger Chancen: Sie können heruntergeschluckt und von der Magensäure vernichtet werden.

Am schlechtesten sind Erreger dran, die in den Ausguss gespült werden, bevor wir uns Nase oder Augen reiben - indem wir sie uns mit Seife gründlich von den Händen waschen.

Wie schaffen es Viren, sich im Körper zu vermehren - und wie kann man sie daran hindern?

Ist das Erkältungs- oder Grippevirus einmal auf der Schleimhaut im Nasenrachenraum angelangt, dockt es an die passenden Rezeptoren an. Dann läuft ab, worauf alle Viren programmiert sind: Sie dringen in die Zelle ein, öffnen sich, setzen ihr Erbgut und schließlich neue Viren frei.

Dazu brauchen Influenzaviren bestimmte Enzyme, und genau die blockieren moderne Grippemittel (sogenannte Neuraminidase-Hemmer), allerdings nur zu Beginn, wenn noch nicht so viele Viren im Körper sind. Ist dieser Zeitpunkt verstrichen, gibt es keine Möglichkeit mehr, das Virus direkt anzugreifen, dann kann man nur noch die Symptome lindern. Bei Erkältungen ist das von Anfang an so, die Neuraminidase-Hemmer wirken hier überhaupt nicht.

Wie lange dauert das Ganze?

Von dem Augenblick an, in dem das Erkältungsvirus im Nasen-Rachen-Raum andockt, dauert es acht bis zwölf Stunden, bis neue Viren ausgeschüttet werden - das ist die sogenannte Inkubationszeit. Dass sich in der Nase etwas tut, spüren wir früh, vom Beginn der Infektion bis zur vollen Symptomatik sind es dagegen 36 bis 72 Stunden.

Wenn die Erkältung voll da ist, nimmt die Ansteckungsgefahr oft schon wieder ab: Sie ist in den ersten drei Tagen, in denen am meisten Viren ausgeschüttet werden, am größten. Wenn Sie sich also fragen, bei wem Sie sich angesteckt haben könnten, ist es sehr oft jemand, der noch gar nicht sichtbar krank war. Das gilt auch für die echte Grippe, hier dauert es ein bis zwei Tage, bevor sich die ersten Symptome zeigen.

Können zwei Menschen, von denen einer nur leicht verschnupft ist, der andere mit Fieber darniederliegt, ein und dasselbe Erkältungsvirus haben?

Ja, das können sie. Wie sich eine Erkältung zeigt, hängt gar nicht nur vom Virus selbst ab, sondern auch von den körpereigenen Botenstoffen, die sie auf den Plan ruft und die erst dann die typischen Erkältungssymptome hervorrufen. Also nicht das Virus, sondern das Immunsystem ist für die Schniefnase verantwortlich. Wie stark die Nase läuft oder ob Fieber hinzukommt, ist individuell sehr verschieden.

Wie kann es sein, dass mein Freund immer total krank ist, ich mich aber fast nie anstecke?

Warum einer krank wird und der andere nicht, das ist ein großes Geheimnis des Infektionsgeschehens. Es gibt aber ein paar Erklärungsmöglichkeiten: Könnte sein, dass Sie die Erreger jeweils schon hatten - womöglich ohne es zu bemerken, aber Ihr Immunsystem hat sich die Keime natürlich gemerkt und kann nun schnell reagieren.

Es könnte sein, dass Sie einfach alles richtig machen und so Infektionen immer wieder verhindern. Könnte aber auch sein, dass Sie zu den glücklichen 25 Prozent der Menschen gehören, die sich zwar infizieren, aber dennoch keinerlei Symptome zeigen.

Schließlich ist es möglich, dass Ihr Erbgut Sie völlig vor einer Ansteckung schützt. Dass es genetische Varianten gibt, die eine Infektion praktisch ausschließen, ist für den HI-Virus bewiesen. Auch bei der Grippe befassen sich Wissenschaftler damit, wie Erbgut und Ansteckungen miteinander zusammenhängen: Ein Team um Prof. Thomas F. Meyer vom Berliner Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie fand kürzlich heraus, welche Gene in den Wirtszellen aktiv sein müssen, damit sich Influenzaviren überhaupt vermehren können.

Stecken sich Bus- und U-Bahnfahrer eigentlich häufiger an als Rad- oder Autofahrer?

Das ist zwar nicht untersucht worden, man kann aber davon ausgehen. Denn je mehr Menschen an einem Ort zusammenkommen, umso wahrscheinlicher ist es, dass man eine Infektion bekommt. Bekannt ist ja, dass Kinder, die sich beim Spielen näher kommen als Erwachsene im Büro, häufiger erkranken. Kälte, zum Beispiel beim Radfahren, ist übrigens kein Grund für eine Erkältung.

Was ist das gefährlichste Virus, das es gibt?

Kommt drauf an, worauf man guckt. Das tödlichste ist das Tollwutvirus, es führt innerhalb weniger Wochen oder Monate immer zum Tod, wenn es nicht behandelt wird. Die Tollwut gilt aber hierzulande als ausgerottet, HIV dagegen ist allzu lebendig und führt unbehandelt innerhalb von durchschnittlich zehn Jahren ebenfalls fast immer zum Tod. Mittlerweile haben aber Medikamente dem HI-Virus einen Teil seines Schreckens genommen.

Für das am stärksten unterschätzte Virus hält das Robert-Koch-Institut (die in Deutschland für Krankheitsüberwachung und Prävention zuständige Bundesbehörde) das Grippe-Virus: Viele Menschen machen sich nicht bewusst, dass man, gerade wenn man älter ist oder eine chronische Krankheit hat, daran sterben kann.

Volkswirtschaftlich betrachtet, muss man auch Erkältungsviren sehr fürchten: Drei von zehn Krankschreibungen gehen laut "DAK-Gesundheitsreport " auf grippale Infekte und deren Komplikationen (Sinusitis, Bronchitis) zurück.

Welche Erreger sind gefährlicher - Viren oder Bakterien?

Schwer zu sagen. Die Erreger, die in der jüngsten Vergangenheit weltweit für Aufsehen gesorgt haben, waren allesamt Viren: HIV, SARS, das Vogel- und das Schweinegrippevirus. Das liegt daran, dass man Viren nur schlecht behandeln kann, unter anderem, weil sie keinen eigenen Stoffwechsel haben, den man blockieren könnte, so wie Antibiotika das bei Bakterien tun.

Gefährlich werden Bakterien aber dann, wenn man sie mit Antibiotika nicht erreichen kann: weil sie sich einkapseln (z. B. bei Tuberkulose) oder weil sie resistent geworden sind wie etwa bei vielen Krankenhausinfektionen.

Wie kommt es, dass man auf manche Viren beim ersten Kontakt anders reagiert als bei den folgenden?

Das liegt daran, dass manche Viren (z. B. Windpocken) nach der Infektion im Körper zurückbleiben. Sie nisten sich im Körper ein und können dort jahrzehntelang warten. Wenn der Wirt (also der Mensch) Stress hat oder sein Immunsystem aus anderen Gründen weniger gut in Form ist, beginnen die Viren wieder sich zu vermehren. Weil das Virus dann nicht über die Atemwege in den Körper eintritt, sondern für gewöhnlich viel Zeit hatte, sich u. a. in den Nervenbahnen zu verteilen, kommt es dann zu anderen Symptomen, bei Windpockenviren zu Gürtelrose.

Ein anderes Beispiel ist das Herpes-Simplex-Virus: Der erste Kontakt im Kleinkindalter löst die sogenannte Mundfäule (zahlreiche Bläschen auf der ganzen Mundschleimhaut, Fieber) aus, später zeigt sich das Virus meist nur noch an der Lippe.

Um sich vor einer Infektion zu schützen:

Händewaschen. Das ist das Allerwichtigste, wie inzwischen zahlreiche Studien zeigen. Und zwar so: Seife auch zwischen den Fingern 20 bis 30 Sekunden verreiben, dann sorgfältig abspülen und abtrocknen. Wer das fünf Mal am Tag tut, ist Untersuchungen zufolge nur halb so oft erkältet. Am besten, man macht es sich zur Routine, immer gleich die Hände zu waschen, wenn man zu Hause oder im Büro ankommt.

Weniger an Nase und Augen greifen. Alle vier Minuten fasst man sich ins Gesicht. Wer es schafft, das zu reduzieren, vermindert auch die Angriffsmöglichkeiten der Viren.

Häufig lüften. Je feuchter die Luft, desto schneller nehmen ausgenieste Schleim- und Speicheltröpfchen Wasser auf und sinken durch dessen Gewicht zu Boden. Dort sind sie ungefährlich. Die Feuchtigkeit tut auch der Nasenschleimhaut gut. Zudem enthält Luft von draußen natürlich viel weniger Viren. Das Robert-Koch-Institut empfiehlt drei bis vier Mal am Tag mindestens zehn Minuten Frischluftzufuhr, am besten mit einer Stoßlüftung.

Spülen. Alles, was Erreger, die gerade im Nasen-Rachen-Raum angelangt sind, wegspült, mindert deren Chancen. Neben Nasenspülungen bringen auch Heißgetränke, Suppen und scharfes Essen die Nase zum Laufen.

Genug schlafen. Kürzlich zeigte eine Studie, dass Erkältungen drei Mal so häufig auftreten, wenn die Probanden weniger als sieben Stunden schliefen. Noch wichtiger als die Dauer scheint aber die Qualität des Schlafs zu sein: Hatten die Studienteilnehmer das Gefühl, schlecht geschlafen und sich nicht richtig erholt zu haben, war das Erkältungsrisiko sogar um das Fünffache erhöht.

Um andere vor einer Infektion zu schützen:

Händewaschen. Insbesondere vor dem Kochen.

Nachts ausweichen. Wenn es einen erwischt hat, sollte man nach Möglichkeit in einem separaten Zimmer schlafen.

Richtig schnäuzen. Ein Einmaltaschentuch nehmen und es sofort entsorgen, zum Beispiel in einer am Bett bereitliegenden Plastiktüte.

Richtig husten und niesen. In den Ärmel, sich vom Gegenüber abwenden und Abstand nehmen.

Wenn der Hals anfängt zu kratzen:

Sich schonen: Jetzt sollte man nichts tun, was das Immunsystem schwächt.

Viel lutschen: Alles, was den Speichelfluss anregt, sorgt auch dafür, dass Erreger weggespült werden. Halstabletten enthalten zusätzlich desinfizierende oder schmerzstillende Wirkstoffe.

Den pH-Wert senken. Erkältungs- und Grippeviren gehen in saurem Milieu zugrunde. Das Problem dabei: Säure auf der Schleimhaut tut weh, auch wenn sie nicht als Spülung, sondern nur per Spray verabreicht wird, z.B. in Schnupfen-Abwehrsprays.

Wenn die Erkältung voll da ist:

Das Übliche. Gesund ernähren, viel schlafen, zwei Mal täglich inhalieren. Die Symptome, wenn nötig, mit Nasenspray und Schmerztabletten bekämpfen. Wenn ein rascher Beginn und hohes Fieber auf eine Influenza hindeuten, sollten vor allem chronisch Kranke zum Arzt gehen.

Text: Diana Helfrich Foto: Corbis Ein Artikel aus BRIGITTE Balance

Kommentare (1)

Kommentare (1)

  • Anonymer User
    Anonymer User
    ich liege gerade mit Erkältung (Schnupfen, Halsweh und der Rest eines Infektes) zu Hause rum und blättere durch BRIGITTE Online.

    Aber neue Erkenntnisse hat das Lesen des Artikels nicht gebracht.
Bild Montagsnl

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