Vorbeugen bei Kälte
So meidet ihr typische Erkältungsfallen

Kaum fallen die Temperaturen, seid ihr ständig erkältet? Mit diesen Tipps gegen die häufigsten Erkältungsfallen könnt ihr gegensteuern und vorbeugen.

Foto: lithian / shutterstock

  • Aufpassen beim Anfassen
    Vorsicht beim Anfassen von Türgriffen, Telefonhörern, Kopiergeräten, Tastaturen und beim höflichen Handschlag: Erkältungsviren überleben auf der Haut, in der Luft und auf fast allen Materialien locker drei Stunden. Da sich jeder Mensch ganz unbewusst mehrmals in der Stunde an die Nase fasst oder die Augen reibt, gelangen die Viren direkt oder über den Tränenkanal in die Nase - dorthin, wo sich die Erkältung entwickelt.

    Küssen ist dagegen weniger gefährlich, denn Erreger kommen dabei erstaunlich schlecht zum Zuge. Das hat eine Untersuchung des amerikanischen Schnupfen-Forschers Elliot Dick mit verschnupften und gesunden Studenten gezeigt. Von 16 Geküssten steckte sich nur einer an. Wissenschaftler vermuten, dass die Erreger mit dem Speichel in das für sie tödliche Säuremilieu des Magens gelangen. Frisch verliebte Küsser sind ohnehin gut dran: "Ihr Immunsystem ist stark", so Dr. Helmut Uphoff von der "Arbeitsgemeinschaft Influenza" in Marburg.
  • Viele Menschen, viele Viren
    An die 160 Stundenkilometer schnell und bis zu vier Meter weit fliegen Viren beim Niesen. Das bedeutet: Bei dichtem Gedränge in Bus und Bahn, im vollen Wartezimmer, Restaurant oder Theater ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass euch einer mit Schnupfen zu nahe ist. Zumal schon zehn bis 30 Viren in der Nase genügen, um eine Infektion in Gang zu setzen.

    Der amerikanische Schnupfen-Forscher Professor Jack Gwaltney von der University of Virginia ist sicher, dass auch Menschen mit vollkommen intaktem Immunsystem sich infizieren, wenn es einigen Viren gelingt, sich auf der Nasenschleimhaut in der Region zwischen Nase und Rachen festzusetzen. Es dauert dann nur acht bis zwölf Stunden, bis man erste Erkältungssymptome spürt.

    Jeder Fünfte tut das nach einem zweistündigen Flug, ergab eine Untersuchung mit 1000 Teilnehmern von der University of California in San Francisco. Und zwar unabhängig davon, ob während des Fluges die Klimaanlage lief (und mit der wiederverwendeten Luft Viren in der Kabine verteilen konnte) oder das Flugzeug mit Frischluft versorgt wurde. Entlastung also für die Klimaanlage: Auch beim Fliegen scheinen die enge Nachbarschaft zu Mitreisenden und der Schlafmangel auf Reisen die eigentliche Ansteckungsursache zu sein.
  • Schlecht dran mit wenig Schlaf
    Vier bis fünf Stunden Schlaf braucht das Immunsystem, um sich vollständig zu regenerieren. Wer weniger bekommt, ist schlecht dran: Schon nach einer einzigen durchgemachten Nacht reduzieren sich Killer- und Helferzellen um die Hälfte, so Dr. Frank Käßner, Internist und Pneumologe aus Cottbus.
    Bei der Disconacht kommen oft die Immunkiller Alkohol und Zigaretten dazu, bei einer schlaflosen Nacht aus Kummer der immunschwächende Faktor Stress.
  • Gefährlich: kalte Füße
    Nicht jeder hat eine Fußbodenheizung im Bad. Und Hausschuhe sind auch nicht immer parat. Also endet das Zähneputzen vor dem Badezimmerspiegel leicht mit eisigen Füßen.
    Wenn der Körper das Signal "Unterkühlung" empfängt, werden die Blutgefäße enger gestellt. Das bedeutet geringere Durchblutung, auch im Nasen-Rachen-Raum, und damit schlechter funktionierende Nasenschleimhaut: weniger angewärmte Luft, weniger Befeuchtung, verminderte Abwehrkraft.
  • Zu viel Fast-Food schwächt die Abwehr
    Currywurst und süße Snacks enthalten viel Fett und wenig gesunde Nährstoffe. Wer sich überwiegend davon ernährt, bekommt einfach zu wenig Vitamine ab. Mögliche Folge: Die Schleimhautzellen werden geschädigt, die Virenabwehr bricht allmählich zusammen, so Dr. Bernhard Uehleke vom Lehrstuhl für Naturheilkunde der Freien Universität Berlin.
  • Wenig trinken macht es Viren leicht
    Damit die Schleimhäute Erreger optimal abhalten können, müssen sie immer schön feucht sein. Und das sind sie nur mit ausreichend Flüssigkeit (etwa zwei Liter pro Tag). Doch während der kalten Monate trinken die meisten Menschen viel zu wenig, weil das Durstgefühl fehlt.
  • Überheizte Räume schaden den Schleimhäuten
    Über 90 Prozent der Zeit verbringen wir in geschlossenen Räumen. Heizungsluft bedeutet trockene Luft und damit trockene Schleimhäute. Der feucht-schleimige Schutzschild, an dem Viren normalerweise abprallen, funktioniert nicht mehr richtig.

    Besonders problematisch sind sommerliche Raumtemperaturen im Winter: Wer den ganzen Tag im bullig warmen Arbeitszimmer und abends im T-Shirt vor dem Fernseher sitzt, womöglich noch neben der Heizung schläft und kaum frische Luft schnappt, schwächt sein Immunsystem.
  • Abwehrkiller Rauchen
    Zigaretten sind echte Abwehrkiller, denn sie vermindern die Reinigungsfunktion der Schleimhäute, so dass Erreger schlechter abtransportiert werden. "Schon der erste Zug verlangsamt die Bewegungen der Flimmerhärchen", sagt Dr. Uehleke.

    Sogar bei Passivrauchern lässt sich dieser Effekt feststellen, wenn auch abgeschwächt. Zudem heften sich Viren an die Rauchpartikel, deswegen atmet man in verrauchter Luft mehr Erreger ein, so der Naturheilkundler.
  • Obacht bei Outdoor-Sport!
    Selbst stundenlanges schweißtreibendes Laufen durch kühlen Nebel macht nicht krank - im Gegenteil, Sport und Bewegung sind ein gutes Immuntraining. Aber: sofort danach umziehen. Herumstehen in nassen Kleidern, mit nassen Haaren strapaziert die Abwehr. Besonders belastend für das Immunsystem ist auch der mehrfache Wechsel von eisig und bullig warm, z. B. beim Skifahren von der Piste in die Hütte und wieder in den Lift.

    Außerdem schlecht ist übermäßiges Training. Es laugt das Immunsystem aus, deswegen sind Leistungssportler sehr anfällig für Infekte.
  • Erreger mögen Dauerstress
    Negativ erlebter Stress belastet und schwächt das Immunsystem. Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass Gestresste auf vorhandene Erkältungserreger schneller mit Schnupfen reagieren als Nichtgestresste.

    Das gilt vor allem für Dauerstress, der mit Gefühlen wie Trauer, Angst oder Hilflosigkeit einhergeht, zum Beispiel bei Liebeskummer oder in Prüfungssituationen. Aber, so eine Studie der Universität von Pittsburgh, das höchste Erkältungsrisiko bringt Stress, der durch familiäre Probleme oder Arbeitslosigkeit verursacht wird.

Schnelle Hilfe gegen Viren

  • Kalte Füße aufwärmen: Ein 15- bis 20-minütiges Fußbad bei ca. 40 Grad regt die Durchblutung an, über Reflexwege auch die der oberen Atemwege.
  • Schutz in Bus und Bahn: Nicht durch den Mund atmen, denn die Nasenschleimhaut kann Viren abfangen. Nicht dumm, aber bei uns belächelt, ist ein Mundschutz wie in Japan üblich.
  • Händewaschen nicht vergessen: 45 Prozent weniger Erkältungen unter den Rekruten brachte der Befehl "Fünfmal täglich Hände waschen" in einem US-Militärausbildungslager.
  • Feuchte Luft für die Nasenschleimhaut - am besten durch regelmäßiges Lüften oder feuchte Tücher über den Heizkörpern. Die Temperatur sollte im Wohnbereich nicht über 20 Grad liegen, im Schlafzimmer genügen 16 bis 18 Grad, nur im Bad dürfen es mollige 22 Grad sein.
  • Salzwasser in die Nase: Bei Erkältungsgefahr unterstützt die Salzspülung die Selbstreinigungskräfte der strapazierten Nasenschleimhaut, indem Erreger und Schmutzpartikel schnell abtransportiert werden.
  • Virenbremse Badewanne: Ein heißes Bad tut gut und kann die Virenvermehrung drosseln. Erkältungen klingen schneller ab.

  • Text: Petra Apfel

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