Meditation als Medizin

Neue Studien beweisen: Meditieren hilft bei Kopfschmerzen, Schlafstörungen und anderen Beschwerden, oft schneller und effektiver als gängige Behandlungsmethoden. Überraschend, was man mit Nichtstun und Besinnung erreichen kann.

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Sie hatte schon viel versucht: Kräutertees, Aromabäder, Baldrian - nichts half. Veronika Stiegeler konnte einfach nicht ausreichend schlafen. Jetzt genügt eine halbe Stunde tägliches Nichtstun: "Seit ich meditiere, kann ich endlich wieder durchschlafen", sagt die 48-jährige Geschäftsführerin aus Freiburg. "Ich kann es selbst kaum glauben, dass eine so schlichte Methode so viel bewirkt."

Konzentration

Meditieren ist tatsächlich ganz einfach und birgt wenig Mystisches. Man setzt sich bequem hin, schließt die Augen und konzentriert sich: auf den Atemfluss, auf ein vorgegebenes oder selbst ausgedachtes Bild oder Wort ("Mantra"), das man auch vor sich hin murmeln kann. Solche Motive oder Begriffe sind aber nicht zwingend nötig, sie dienen nur als Anker für abschweifende Gedanken. Denn das ist ein besonders wichtiger Aspekt bei einer Meditation: 20 bis 30 Minuten lang ganz bei sich zu sein. Das klappt auch im Liegen oder beim Gehen. "Wichtig ist nur, dass man sich völlig auf den Moment konzentriert: auf den Atem, den Körper oder auf das Gehen, das Abrollen der Füße. Dabei helfen Fragen wie: Was nehme ich wahr? Wo zwickt es? Welcher Bereich des Körpers fühlt sich besonders gut an?", sagt Susanne Kersig, Psychologin in Freiburg und erfahrene Leiterin von Meditationskursen.

Tiefe Entspannung

Meditation entspannt und beruhigt - das ist wissenschaftlich nachweisbar. So zeigen Untersuchungen mit dem Elektro- Enzephalogramm (EEG), dass während des Meditierens verstärkt solche Hirnströme auftreten, wie sie auch beim Schlafen vorkommen. Andere Messungen ergaben: Die Aktivität des Gehirns kann nachlassen, die Reizübermittlung sich verlangsamen. Im Unterschied zum regelmäßigen Nickerchen führt das konzentrierte Abschalten nach und nach dazu, dass sich auch der Stoffwechsel beruhigt, und das wiederum beeinflusst Herzschlag und Blutdruck. Bei hohem Blutdruck z. B. verringert Meditieren das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall, ganz ohne Medikamente, Ernährungsumstellung oder Operation. Nur mäßig erhöhte Blutdruckwerte (um 140 zu 90) lassen sich durch ein achtwöchiges Meditationsprogramm in den Normbereich senken, so Dr. Peter Seer von der Theresienklinik in Bad Krozingen, der dort Patienten Meditation beibringt.

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  • Text: Annette Bopp