Gebärmutter: Was ist da unten los?

Ich habe Schmerzen beim Sex

Das könnte dahinterstecken: ein Myom

Entdeckt werden die knubbeligen Auswüchse der Gebärmutterwand meist zufällig bei einer Ultraschalluntersuchung. Sie variieren in Form, Größe und Anzahl, wachsen unter dem Einfluss von Hormonen und finden sich ab dem 30. Lebensjahr bei jeder vierten Frau. Und das Wichtigste: "Myome sind gutartig", erklärt die Gynäkologin Barbara Ehret. "Aus ihnen können auch keine bösartigen Tumoren entstehen." Trotzdem: Allein das Wissen, dass da etwas ist und bis zu den Wechseljahren auch bleiben wird, beunruhigt. Um die Aufregung nach der Diagnose zu entschärfen, rät Ehret dazu, sich zu informieren und ein Mal im Jahr zur Früherkennungsuntersuchung zu gehen.

Gehandelt werden muss grundsätzlich erst, wenn die Myome Beschwerden verursachen. Nur bei einem Viertel der betroffenen Frauen ist das der Fall. Manchmal werden die Geschwulste so groß, dass sie auf Blase oder Darm drücken oder Schmerzen beim Sex verursachen. Auch Blutungsstörungen - die Regel tritt verstärkt und verlängert auf - sind möglich. Obwohl die meisten betroffenen Frauen trotz der Myome ohne Problem schwanger werden, können diese bei ungünstiger Lage eine Schwangerschaft verhindern. Bevor deswegen jedoch operiert wird, sollten zunächst alle anderen Ursachen der Kinderlosigkeit ausgeschlossen werden.

Muss ein Myom entfernt werden, kann dies laparoskopisch, das heißt durch Bauchspiegelung, erfolgen. Die Methode wird vor allem bei Myomen von weniger als fünf Zentimetern Größe angewandt. Bei größeren Myomen birgt eine direkte Operation weniger Komplikationen. Allerdings sind nur wenige Ärzte zu einem solchen Eingriff bereit. Die meisten raten dazu, gleich die ganze Gebärmutter herausnehmen zu lassen, was umstritten ist.

Eine Alternative zur Operation bietet die Embolisation. Dabei wird die Blutzufuhr des Myoms durch Injektion winziger Kunststoffteilchen geblockt, sodass es sich zurückbildet. "Viele meiner Patientinnen sind damit sehr glücklich", berichtet Gynäkologin Ehret. Denn das Verfahren dauert nur etwa eine Stunde, wird ambulant durchgeführt und bringt für die Frauen darüber hinaus meist keine weiteren Einschränkungen. Umstritten ist allerdings, ob es auch bei Frauen mit Kinderwunsch gefahrlos eingesetzt werden kann.

Die Fruchtbarkeit unbeeinflusst lässt dagegen eine neue Technik: Unter MRT-Kontrolle zerstören fokussierte Ultraschallwellen das Myom. In Deutschland ist dies aber bisher nur in wenigen radiologischen Zentren möglich, so in Bochum, am Marienhospital Bottrop und in den Kliniken Dachau und Witten-Herdecke. Doch nur einige der gesetzlichen Krankenkassen bezahlen das bislang. Und für alle Methoden der Myom-Entfernung gilt leider, dass sich danach neue entwickeln können. Allerdings müssen die dann nicht zwangsläufig wieder Beschwerden auslösen.

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  • Text: Antje Kunstmann, Irene Stratenwerth
    Foto: Josii / photocase.com
    Ein Artikel aus BRIGITTE Balance 04/2010
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