Das tut weh! Krankschreibung schon für einen Tag

Wenn der Chef es will, darf er die Krankschreibung vom Arzt auch für einen Tag fordern. Die Ärzte werden sich freuen...

Die deutschen Hausärzte können sich freuen: Endlich kommt Leben in die Bude! Statt die Erkältung oder die unangenehme, aber unkomplizierte, Magen-Darm-Grippe zu Hause auszukurieren, treffen sich Berufstätige künftig in der Arztpraxis. Oder wie soll man das Urteil des Bundesarbeitsgerichts sonst verstehen, nachdem Arbeitgeber von ihren Mitarbeitern schon am ersten Krankheitstag ein ärztliches Attest verlangen können – statt wie üblich erst am dritten Krankheitstag? Damit bestätigen die Richter zwar lediglich die ohnehin bestehende Rechtslage, doch das macht es nicht besser.

Berufstätige Eltern können ein Lied davon singen, wie es ist, bei jedem kleinen Infekt sofort beim Arzt antreten zu müssen: Ist das Kind krank und der berufstätige Vater oder die berufstätige Mutter kann deshalb nicht zur Arbeit gehen, müssen sie ihrem Arbeitgeber vom ersten Tag an ein Attest vorlegen. Dabei wäre das fiebernde Kind im Bett sicher besser aufgehoben als im Wartezimmer, wo es die Viren praktischerweise gleich noch mit anderen Kindern austauschen kann.

Ohnehin sehen wir Deutschen mit durchschnittlich 18 Arztbesuchen im Jahr den Mediziner unseres Vertrauens rekordverdächtig oft. Müssen wir diese Zahl unbedingt noch künstlich nach oben schrauben? Zum Vergleich: Schweden gehen durchschnittlich drei Mal pro Jahr zum Arzt, Amerikaner vier Mal.

Wie wäre es stattdessen mit mehr Vertrauen statt Misstrauen von Seiten des Arbeitgebers? So oft sind die deutschen Arbeitnehmer nämlich gar nicht krank: Im vergangenen Jahr waren es durchschnittlich 9,5 Arbeitstage. Wer tatsächlich "krankfeiern" will, kann das auch trotz vorgeschriebenem Arzt-Besuch. Welcher Mediziner wird schon riskieren, eine Krankschreibung zu verweigern? Sollten sich Arbeitgeber zunehmend für die Ein-Tages-Regelung begeistern, wird das ohnehin eher ein Eigentor: Denn welcher Arzt schreibt schon für einen Tag krank? Meist werden mindestens zwei oder drei Tage daraus.

Mehr zum Thema: Krankschreiben lassen - das sollten Sie beachten!

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Text: Monika Herbst Foto: Gina Sanders/Fotolia.com

Wer hier schreibt:

Monika Herbst

Kommentare (12)

Kommentare (12)

  • Anonymer User
    Anonymer User
    Schade, dass die Simulanten und Faulen keine Erwähnung finden sowie die, die dann private Angelengenheiten regeln oder sich dadurch mehr Urlaub erschleichen - auf Kosten (Streß etc.) der anderen Mitarbeiter und des Unternehmens. Sehr einseitig. Naja eben Brigitte.
  • Anonymer User
    Anonymer User
    "ich finde es auch unangenehm, dem Arbeitgeber und seiner eventuell vorhandenen Paranoia auf Gedeih und Verderb ausgeliefert zu sein."



    andrea, ich habe 7 angestellte und bei einer ist es leider sehr angebracht, ein Attest ab dem 1. Tag anzufordern (Alternative wäre evtl. zugucken und dann eine Kündigung), bei den anderen käme ich nicht auf die Idee.

    Vielleicht auch einmal die andere Seite - und bitte nicht vergessen: die Kollegen - sehen
  • Anonymer User
    Anonymer User
    @TheQuibbler:

    "Eltern sind nicht in der Lage, ihre Kinder zu erziehen, also möchte man sie am liebsten eine Woche nach der Geburt zwangsweise in die Kita zerren"

    A propos "zerren", wo holst du denn bitte DIESES abstruse Beispiel her??? In einem Staat, der mir dieses Gefühl vermitteln würde, könnte ich es ja keine fünf Minuten aushalten, geschweige denn, ein Kind bekommen. Hat nicht unser Staat gerade ganz im Gegenteil eine Maßnahme zur Glorifizierung des Hausmutti-Daseins beschlossen?



    Aber das ist ja hier nicht das Thema, ich finde es auch unangenehm, dem Arbeitgeber und seiner eventuell vorhandenen Paranoia auf Gedeih und Verderb ausgeliefert zu sein. Man sollte sich doch lieber mal fragen, was Menschen dazu bringt, "blau" zu machen. Das macht doch NIEMAND, wenn die Arbeitsbedingungen und das Klima stimmen.
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Also der Punkt ist doch das Wort "kann" - der Arbeitgeber kann verlangen, muss aber nicht. Das steht schon jetzt so im Gesetz, das Gericht hat es nur nochmals bekräftigt und festgestellt, dass er auch nicht alle Arbeitnehmer gleich behandeln muss. Es hat sich ja daran entzündet, dass die Klägerin "zufällig" an dem Tag krank wurde, an dem ihr AG eine Dienstreise nicht genehmigt hatte und er mit Bezug auf das Gesetz gesagt hat: beim nächsten Mal Krankschreibung schon nach Tag 1. Das hätte ich an Stelle des AG auch so gemacht!
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Ein sehr guter Beitrag, der die Schizophrenie unsrer Misstrauenskultur aufzeigt. Das Urteil: Gut gemeint (für die Arbeitgeber), aber der Schuss wird nach hinten los gehen. Schikane zahlt sich auf Dauer nämlich nicht aus, sonder gebiert genau das, was man verhindern wollte : Es wird die Regel sein, nicht nur ein, zwei Tage daheim zu bleiben, sondern eine Woche. Es ist schon eine besondere Zumutung, von Menschen, die sich z.B. in einem Migräneanfall, nur noch nach ihrem Bett sehnen, zu verlangen, stattdessen im überlaufenen Wartezimmer zu sitzen, von den Erkälteten u. deren Virenverteilung mal abgesen. Und: Kein Arzt schreibt rückwirkend krank. Und was macht der Patient, wenn er akuten Durchfall hat? Er schleppt sich zum Arzt und blockiert die Toilette, nachdem er sich schon bei der Anfahrt in die Hose machte und infinziert u.U.munter die anderen? Was ist mit seinem Schamgefühl? Meint der gnadenlos neurotische Chef, dass er gefälligst genauso wenig davon besitzen sollte wie er?
Bild Montagsnl

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