Prävention
Impf-Chaos: Soll ich mich trotzdem gegen Grippe impfen lassen?

Nach wie vor fehlt in manchen Arztpraxen der Grippe-Impfstoff. Und jetzt wurden auch noch Impfdosen zurückgerufen. Soll ich mich trotzdem gegen Grippe impfen lassen? Die zehn wichtigsten Fragen und Antworten.

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Die "echte Grippe" fängt- im Gegensatz zum grippalen Infekt – gleich mit hohem Fieber und heftigem Krankheitsgefühl an. Sie kann für Menschen mit schwacher Abwehr gefährlich werden. Soll ich mich gegen Grippe impfen lassen? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.

  • 1. Soll ich mich gegen Grippe impfen lassen?
    Empfohlen wird die Grippe-Impfung in Deutschland für alle Personen ab 60 Jahren, für chronisch Kranke (z.B. Asthma, Herz-Kreislaufkrankheiten, Diabetes) und seit Mitte 2010 für Schwangere nach dem dritten Monat. Darüber hinaus gilt die Empfehlung für Personen, die alte oder kranke Menschen betreuen – wie Mitarbeiter in Senioren- und Pflegeheimen oder Krankenhäusern. Es mehren sich zudem Stimmen, die eine generelle Impfempfehlung für Kinder befürworten, da diese in Schulen und Kindergärten viele andere Kinder anstecken können.
  • 2. Ich gehöre nicht zur Risikogruppe, soll ich mich trotzdem gegen Grippe impfen lassen?
    Bei gesunden Menschen verläuft die Grippe-Erkrankung in der Regel ohne schwerwiegende Komplikationen. Trotzdem kann sich jeder impfen lassen, der das Risiko einer Ansteckung minimieren will. Die Krankenkassen zeigen sich bei der Übernahme der Kosten zunehmend großzügig. Viele Kassen übernehmen die Impfung inzwischen für alle Versicherten. (Hier finden Sie eine Liste mit Krankenkassen, die die Kosten definitiv übernehmen: www.impfkontrolle.de.) Ihre Krankenkasse ist nicht dabei? Dann fragen Sie am besten direkt dort nach. Alternativ können Sie die Impfung selbst bezahlen (etwa 20 bis 30 Euro). Tipp: Preiswerter ist es, wenn Sie den Impfstoff direkt über den Arzt bestellen. Oder Sie fragen bei Ihrem Arbeitgeber nach. Größere Unternehmen bieten die Impfung oft kostenlos an, um Erkrankungen und damit verbundene Fehlzeiten zu vermeiden.
  • 3. Kann ich bzw. mein Arzt/ meine Ärztin den Impfstoff selbst auswählen?
    Nein. Bislang konnten die Ärzte den gewünschten Impfstoff für ihre Patienten einfach in der Apotheke bestellen. Das ist in diesem Jahr erstmals nicht der Fall. Um Kosten zu senken, haben die Krankenkassen mit den Pharmafirmen ausgehandelt, wer Grippe-Impfstoffe für welches Bundesland exklusiv liefern darf. Nur privat Versicherte und Selbstzahler können ihren Impfstoff nach wie vor selbst auswählen.
  • 4. Wann ist der beste Zeitpunkt, sich gegen Grippe impfen zu lassen?
    Da sich die Viren ständig verändern, muss der Impfstoff jedes Jahr neu gemischt werden. Die ideale Zeit für die Impfung ist von September bis November. Es dauert bis zu 14 Tage, bis der Körper Abwehrstoffe gebildet hat. Die erste Influenza-Welle kommt erfahrungsgemäß nicht vor Dezember - in der Regel dauert sie von Anfang Januar bis Ende März – deshalb ist eine Impfung im Spätherbst ausreichend. Die Immunität hält dann sechs bis zwölf Monate.
  • 5. Wann gibt es den Impfstoff?
    Eigentlich sollte der Impfstoff längst in den Arztpraxen liegen, doch in Hamburg, Schleswig-Holstein und Bayern müssen viele Ärzte die Patienten ohne Impfung nach Hause schicken. Wie kommt das? Das Pharmaunternehmen Novartis Vaccines aus Marburg sollte den Impfstoff "Begripal" exklusiv für die drei Bundesländer zur Verfügung stellen. Aufgrund von Lieferschwierigkeiten rechnen norddeutsche und bayerische Ärzte und Apotheker zum Teil jedoch erst im November oder gar im Dezember mit dem Impfstoff – und dann bleibt vor dem erfahrungsgemäßen Beginn der ersten Grippewelle im Januar nicht mehr viel Zeit. Statt des bewährten Impfstoffs "Begripal" soll unter anderem "Optaflu" desselben Herstellers als Alternative genutzt werden. Das birgt Zündstoff: Denn auch wenn "Optaflu" inzwischen offiziell zugelassen ist, kritisieren einige Pharmakologen, dass noch nicht eindeutig nachgewiesen sei, dass der Impfstoff nicht krebserregend ist.
  • 6. Welche Nebenwirkungen treten auf?
    Wie jetzt festgestellt wurde, flocken einige Grippe-Impfstoffe von Hersteller Novartis aus, deshalb wurde deren Verkauf zunächst in Italien, der Schweiz und Österreich gestoppt. Durch das Ausflocken sind unerwünschte Nebenwirkungen möglich. Aus Sicherheitsgründen hat das deutsche Paul-Ehrlich-Institut ebenfalls vier Chargen des Impfstoffs "Begripal" und eine Charge des Impfstoffs "Fluad" (beide Novartis) zurückgenommen.

    Generell können nach der Grippeimpfung leichte grippeartige Symptome wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Fieber auftreten. Außerdem kann es an der Einstichstelle zu Rötungen, Schwellungen oder Schmerzen kommen. Schwere Nebenwirkungen sind sehr selten.
  • 7. Wie zuverlässig schützt die Impfung vor Grippe?
    Zur Zuverlässigkeit der Impfung sind verschiedene Zahlen im Umlauf. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen geht davon aus, dass eine Impfung das Ansteckungsrisiko gesunder Erwachsener um durchschnittlich etwa 50 Prozent senkt. Stimmen die aktuellen Influenzaviren nicht gut mit den im Impfstoff enthaltenden Virusstämmen überein, hat zur Folge, dass die Schutzwirkung schlechter ist. Auch bei älteren Menschen ist die Grippeimpfung oft weniger wirksam als bei jüngeren. Das Robert-Koch-Institut weist allerdings darauf hin, dass die Erkrankung in der Regel milder und ohne Komplikationen verläuft, wenn jemand trotz Impfung erkrankt.
  • 8. Kann ich mich impfen lassen, wenn ich erkältet bin?
    Bei leichten Infekten mit Fieber bis zu 38,5°C spricht normalerweise nichts gegen eine Impfung. In der Praxis halten es viele Ärzte so wie die Allgemeinmedizinerin Dr. Cornelia Goesmann und impfen nur ganz gesunde Patienten. Der Grund: Der Körper muss dann nicht an zwei Fronten kämpfen.
  • 9. Gibt es Alternativen zur Spritze?
    In diesem Jahr gibt es erstmals einen Grippe-Impfstoff, der in die Nasenlöcher eingesprüht wird. Die bei vielen ungeliebte Spritze fällt weg. Der Impfstoff "Fluenz" ist für Kinder und Jugendliche zwischen 2 und 17 Jahren geeignet. In der Regel werden Kinder jedoch mit dem Standard-Impfstoff in geringerer Dosierung geimpft – es sei denn, ein anderer Impfstoff ist medizinisch begründet oder die Kosten werden selbst übernommen.
  • 10. Was passiert bei einer Impfung gegen Grippe?
    Wer sich mit einem Grippevirus ansteckt, entwickelt eine Unempfindlichkeit gegen dieses Virus, wird also dagegen immun. Bei einer Impfung wird eine geschwächte oder "inaktivierte" Virusform in den Körper eingebracht, um die Antikörper-Produktion anzuregen. Hat der Körper danach mit einem lebenden, aktiven Virus von genau der Sorte zu tun, kann er ihn erkennen und bekämpfen. Da sich Grippeviren ständig verändern, bietet die Grippeimpfung allerdings keine dauerhafte Schutzwirkung.
  • Artikel vom 26.10.2012
    Text: Monika Herbst
    Foto: McEntire/istockphoto
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