Intim-OP: Wie schön ist meine Scham?

Intim-OP aus ästhetischen Gründen - ein Tabu-Thema wird Trend. Was steckt dahinter?

Foto: prokop/photocase.com

"Katja, warum hast du dir die Schamlippen machen lassen?" - "Ich will als Frau nackt die Beine auseinander nehmen können, ohne dass mein Gegenüber denkt: 'Igitt, was ist das denn?' "

Katja ist 34 Jahre alt und heißt eigentlich ganz anders, aber wer ihren Namen bei Google eingibt, soll nicht auf die Wörter "Schamlippenverkleinerung" oder "Labienkorrektur" stoßen, sagt sie. Schließlich finden es zwar viele Frauen heute ganz normal, wenn andere sich die Falten wegspritzen lassen oder die Brüste vergrößern. Aber die intimste Stelle des weiblichen Körpers dem Messer eines Chirurgen ausliefern? Zumal diese Stelle ohnehin fast nie jemand sieht? Dafür haben viele kein Verständnis.

"Der Wunsch nach einer Labienverkleinerung kann bei sehr großen Schamlippen nachvollziehbar sein. Die Lebensqualität leidet, etwa durch Scheuern an der Unterhose, Probleme beim Wasserlassen und beim Verkehr", sagt der Gynäkologe Peter Schmidt-Rhode, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für ästhetische, plastische und wiederherstellende Operationsverfahren in der Gynäkologie.

Häufiger als solche körperlichen Probleme sei aber Ästhetik der Grund für die OP. "Die Gesellschaft ist genitalbewusster geworden", sagt Schmidt-Rhode. "Vor allem junge Frauen, unter 35, haben heute höhere ästhetische Ansprüche als früher." 80 Prozent der Frauen dieser Altersgruppe, schätzt er, seien untenrum komplett rasiert. Da fallen Unregelmäßigkeiten beim Blick in den Spiegel mehr auf, etwa wenn die inneren Schamlippen dunkel und runzlig zwischen den äußeren herausragen. Die Frauen genieren sich nackt, auch vor dem Partner. Sex? Nur im Dunkeln. "Beim Sport oder in der Sauna, immer das Gefühl, dass jeder draufguckt. Da baut sich ein ziemlicher Leidensdruck auf", sagt auch Katja, die sich früher an ihren großen Schamlippen störte.

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  • Text: Angelika Unger
    Foto: Getty Images
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