Gesunde Abwehr - was Kinder stark macht

Die neuesten Erkenntnisse, die effektivsten Tipps. Und gute Argumente für Chaos und Keime.

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Ist Ihr Kind schon wieder erkältet? Prima! Darüber können Sie sich freuen. Denn in der kalten Jahreszeit gibt es nichts Normaleres als ein Kind mit Schnoddernase. Gerade bei Kindergartenkindern sind häufige Infekte Standard und kein Zeichen für eine Abwehrschwäche.

Im Gegenteil: Geschwollene Mandeln, dicke Lymphknoten oder Fieber zeigen, dass das Immunsystem funktioniert. Eine Erkältung ist für ein ansonsten gesundes Kind kein Drama - meist geht's ohne Arzt. Sorgen müssen sich die Eltern erst machen, wenn das Kind richtig krank und apathisch wirkt, hohes Fieber bekommt oder länger als vier bis fünf Tage auf der Nase liegt (siehe auch Checkliste Fieber).

Spaß macht stark

Wenn sich aber wirklich schwere Infekte häufen oder das Kind auf Dauer angeschlagen wirkt, braucht auch das Immunsystem Unterstützung. Zum Beispiel, indem man im Alltag mal eine Hektikstufe zurückschaltet. Von vier verplanten Nachmittagen pro Woche zwei Termine streicht. Und sich dafür einfach mal wieder Zeit nimmt, um in Ruhe zu kuscheln und das Kind reden zu lassen.

Auch Gespräche, bei denen das Kind scheinbar banale Probleme zur Sprache bringen kann, entlasten die Seele. Und das ist wichtig für die Abwehrkräfte. Denn Kinder, die keine rechte Freude am Leben haben, reagieren mit einer messbaren Beeinträchtigung ihres Immunsystems: Heidelberger Forscher konnten jetzt nachweisen, dass depressive Kinder 20 bis 25 Prozent weniger Abwehrzellen (Killerzellen) im Blut hatten als ihre lebensfrohen Altersgenossen.

Gut ist auch Bewegung. Schon eine Stunde am Tag macht Kinder gesünder. Das ergab kürzlich die Auswertung von 850 Studien zum Thema. Damit ist aber nicht der Fußweg zur Schule gemeint, sondern zum Beispiel Skaten, Ballspielen oder Radfahren.

Gesund ist alles, was dem Kind wirklich Spaß macht. Wenn es kein zusätzlicher Nachmittagstermin sein soll: Fragen Sie doch mal bei den Lehrern nach, wie dort eigentlich die Pausen verlaufen. Viele Schulen sind bereit, Spielgeräte anzuschaffen, wenn sich Eltern dafür einsetzen.

Bitte recht schmutzig!

Banale Infekte stärken das Immunsystem - langfristig. Mittlerweile gilt als sicher, dass Menschen, die in der Kindheit häufiger krank waren, später nicht so leicht allergisch reagieren. Auch die Auseinandersetzung mit allen möglichen Keimen im Haushalt beugt offensichtlich Allergien vor. Das belegen Studien vom University College in London, die einen lässigeren Umgang mit Chaos und Dreck nahe legen: denn das Allergierisiko ist deutlich geringer bei Kindern, die sich nicht so häufig waschen, die einen Hund haben und die in einem Haushalt leben, in dem der Staub Bakterien enthält.

Auch Fieber beugt allergischen Reaktionen vor, so eine aktuelle amerikanische Studie: Bei der Hälfte der Kinder, die im ersten Lebensjahr nie gefiebert hatten, lag bereits bei der Einschulung eine Allergie vor. Siebenjährige, die im ersten Lebensjahr zweimal Fieber bekommen hatten, waren dagegen nur zu einem Drittel von Heuschnupfen und Co. geplagt.

Andere Studien zeigen, dass es der Abwehr nicht gut tut, wenn Infekte allzu oft mit Antibiotika abgewürgt werden. Denn das schädigt nützliche Bakterien in der Darmflora. Nehmen wir's also gelassen, wenn die Wohnung nicht klinisch rein ist oder wenn Kinder schniefen und husten. Fällt alles unter "Training fürs Immunsystem"...

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  • Text: Dr. Sabine Thor-Wiedemann
    Foto: Heiko Dreher
    BRIGITTE Heft 22/2005
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