Knieschmerzen durch Sport?

Das Knie ist ein sensibles Ding und schlägt bei Fitnessfans oft Alarm. Wer seine Gelenke liebt, schützt sie vor falschen Bewegungen - aber auch vor zu vielen Eingriffen gegen Knieschmerzen.

Die Box-Weltmeisterin Julia Sahin kann ein Lied davon singen, ebenso wie die Tennishoffnung Andrea Petkovic oder die Fußballerin Steffi Jones. Eine Verletzung am Knie hat fast immer ziemlich üble Folgen: Schmerzen, Spritzen und OPs, oft eine Trainingspause von mehr als einem halben Jahr, wenn nicht gar das Ende einer Sportkarriere. Glaubt man den Orthopäden, so nehmen auch unter Freizeitsportlern die Knieverletzungen wie Knorpelschäden, Meniskus- und Kreuzbandrisse immer mehr zu. Besonders dort, wo Untrainierte ihre Gelenke überfordern, indem sie sich per Kaltstart in Sportarten wie Laufen, Fußball, Skaten oder Squash stürzen.

Wer seine Knie liebt, schont sie also lieber auf dem Sofa? Auch falsch. Denn bei Bewegungsmangel wird der Knorpel nicht ausreichend ernährt, das Arthrose-Risiko steigt. Wer beim Joggen auf die richtige Technik achtet und Sportarten, die viele Dreh- und Stopp-Bewegungen verlangen, wie etwa Fußball, Tennis, alpiner Wintersport, nur mit trainierten Muskeln betreibt, hat schon einiges gewonnen. Außerdem gut zu wissen: Bei so manchem Ziepen im Knie ist Abwarten immer noch die beste Therapie.

Vorsicht, Arzt!

Wenn jüngeren Menschen (unter 45) bei Belastungen die Knie schmerzen, steckt oft nichts Dramatisches dahinter, sondern z. B. eine Reizung der Kniescheibe oder der Sehnenansätze. Und für deren Behandlung braucht man normalerweise keinen Doktor, weiß Dr. Hans Pässler vom Zentrum für Knie- und Fußchirurgie der Heidelberger Atos Klinik. "Wenn jüngere Leute beim Bergabgehen oder Treppensteigen Knieprobleme haben, können sie ruhig erst mal warten. Das geht meistens nach einiger Zeit von selber wieder weg - mit ein bisschen Schonung, entzündungshemmenden Schmerzmitteln (auch als Gel oder Creme zum Einreiben), Quarkwickeln und etwas Geduld."

Wäre da eine Röntgenuntersuchung oder eine Gelenkspiegelung, eventuell auch eine OP nicht sicherer? "Bloß nicht gleich operieren", so Hans Pässler. "Oft wird nicht vernünftig untersucht. Stattdessen wird gleich ein Kernspin gemacht, und da findet man dann zufällig etwas, z. B. einen eingerissenen Meniskus. Der macht zwar nicht die Probleme, aber leider wird das Gelenk häufig trotzdem operiert und der Meniskus teilweise entfernt. Schlecht, denn ein Meniskus schützt das Gelenk, selbst wenn er einen Riss hat."

Eine Patientenbefragung des Instituts für Sozialmedizin in Hannover zeigte, dass weniger als die Hälfte der Patienten mit ihrer Meniskus-OP zufrieden waren. Und für eine amerikanische Studie hat man vor einigen Jahren an Menschen mit Knieproblemen eine Knorpelglättung vorgenommen - der Hälfte der Patienten eine solche Operation mit einem Hautschnitt allerdings nur vorgetäuscht. Das Ergebnis: Der echte Eingriff ins Knie hatte nicht mehr Wirkung als die Placebo-Operation.

Auch wer eine Gelenkspiegelung "nur zum Nachschauen" empfohlen bekommt, sollte wissen, dass der Arzt wesentlich besser verdient, wenn er dabei auch therapeutisch tätig wird, das heißt irgendetwas im Gelenk wegschneidet. Und das ist bestenfalls überflüssig, hinterlässt aber auf jeden Fall eine Narbe, die Probleme machen kann.

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  • Text: Dr. Sabine Thor-Wiedemann
    Fotos: Getty Images
    BRIGITTE Heft 12/08
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