AIDS: Ist Mama schuld?
Das umstrittene Kampagnen-Motiv
Foto: Michael-Stich-Stiftung
Plötzlich hängt es überall, in den Bushäuschen von Hamburg, Köln, Saarbrücken oder München. Das Plakat zeigt eine hübsche junge Frau. Sie sitzt im Park und liest entspannt in einem Magazin. Mit einem Arm schaukelt sie dabei fürsorglich einen Kinderwagen. Nein, keinen Kinderwagen - es ist ein kleiner Sarg auf Rädern. "Ganz die Mama. HIV-positiv" steht daneben.
Zuerst kommt der Schock. Dann die Frage: Was soll das? Es gibt noch weitere Motive in dieser Plakat- und Anzeigenserie. Eins zeigt ein Baby mit süßen Kulleraugen: "Das Kinn von Opa. Die Augen von Papa. HIV von Mama", lautet der Slogan dazu. Ein anderes Motiv zeigt eine wohlgeformte weibliche Brust: "Die Muttermilch macht's dass Babys sterben", steht daneben.
Die Kampagne wurde initiiert von der Michael-Stich-Stiftung, entworfen von der Hamburger Agentur Jung von Matt, und sie derzeit wird verbreitet vom Stadtmöblierer JCDecaux. Alles angeblich für einen guten Zweck: Aufklärung. Deshalb auch der gute Rat auf jedem Plakat: "Machen Sie während Ihrer Schwangerschaft ein HIV-Test."
Zu den Fakten: Bei 444 Frauen in Deutschland wurde letztes Jahr eine HIV-Infektion festgestellt, und insgesamt nimmt der Anteil der Frauen unter den Infizierten ab. Die Hälfte von ihnen sind Migrantinnen aus Ländern, in denen bis zu 50 Prozent der Bevölkerung von AIDS betroffen ist. Auch die andere Hälfte der Infektionen trifft sehr oft Frauen aus gesellschaftlich deklassierten Gruppen: Drogenabhängige, Prostituierte, die sich Safer Sex nicht leisten können und Opfer sexueller Gewalt.












