AIDS: Ist Mama schuld?

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Bei 16 Kindern, die in letzten zehn Jahren in Deutschland zur Welt gekommen sind, wurde 2007 eine HIV-Infektion diagnostiziert. In 13 Fällen war deren Müttern während der Schwangerschaft kein HIV-Test angeboten worden (was eine Ansteckung des Kindes während der Geburt hätte verhindern können). Neuerdings gehört dieses Angebot zur regulären Schwangerschaftsvorsorge; viele Ärzte haben es aber schon lange praktiziert. Wer wirklich etwas für die Frauen und Kinder tun will, die dieses Angebot nicht erreicht, muss sich umfassend um sie kümmern, medizinisch wie sozial. Plakatwände sind dafür ziemlich ungeeignet.

Kritisiert die Kampagne der Michael-Stich-Stiftung: BRIGITTE-Autorin Irene Stratenwerth

BRIGITTE-Autorin Irene Stratenwerth

In Bremen hagelte es Proteste, sobald die ersten Plakate in der Stadt zu sehen waren: Hier würden Mütter zu Täterinnen gemacht, empörten sich viele Anrufer in der Gleichstellungsstelle des Senates. Die Landesbeauftragte für Frauen, Ulrike Hauffe, sorgte umgehend dafür, dass die Plakate wieder entfernt wurden. In acht weiteren Städten hängen sie noch.

"Wir wollen niemanden anklagen, sondern deutlich machen, dass HIV-Tests in der Schwangerschaft Leben retten können", hielt Michael Stich dagegen. Vielleicht geht es einem ehemaligen Tennis-Star aber doch eher darum, sich auf billige Weise als Wohltäter zu profilieren? Vielleicht sieht eine Werbeagentur die Chance darin, mal eine richtig schick provokative Kampagne zu designen? Und vielleicht möchte ein Aufsteller von Bushäuschen und City-Light-Säulen mal auf etwas andere Weise auf sich aufmerksam machen?

Wäre ja alles nicht so schlimm. Wenn das nicht auf Kosten von Frauen geschehen würde, die in dieser Gesellschaft sowieso überhaupt nichts zu lachen haben.

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  • Artikel vom 10.06.2008
  • Text: Irene Stratenwerth
    Foto: Silke Goes
    Illustration: Tim Möller-Kaya
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