Jahrelang konnte man überall lesen, dass Depressionen - streng wissenschaftlich gesehen - vor allem Folge einer Stoffwechselstörung im Gehirn seien. Und dass deshalb nur Medikamente dagegen wirken. Jetzt sorgt ein neue Studie für Aufregung: Ob depressive Menschen Psychopharmaka oder Zuckerpillen nehmen, so behaupten britische Wissenschaftler, sei völlig egal - die Wirkung sei in beiden Fällen etwa gleich.
BRIGITTE-Autorin Irene Stratenwerth
Es geht nicht um Fragen, über die man im Elfenbeinturm trefflich streiten kann. Sondern um ein Leiden von - allein in Deutschland - Millionen Menschen, darunter besonders vielen Frauen. Jede Vierte macht im Laufe ihres Lebens eine Depression durch.
Fragt sich also, ob die Wissenschaftler etwas Hilfreiches herausgefunden haben, als sie 47 Studien, die von Pharmaherstellern bei der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA eingereicht wurden, kritisch unter die Lupe nahmen. Es ging dabei um einen bestimmten Typ von Antidepressiva, die so genannten Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI).
Solche Zulassungsstudien sind mit der Wirklichkeit im psychiatrischen Alltag nur bedingt zu vergleichen: Sie laufen nämlich nur über vier bis acht Wochen. Und alle Patientinnen und Patienten, die daran teilnehmen, erfahren während dieser Zeit ein erhöhtes Maß an Aufmerksamkeit und Zuwendung. Das ist vermutlich einer der Gründe dafür, dass sich auch diejenigen Männer und Frauen, die während dieser Studie nur ein Placebo bekamen, deutlich besser fühlten.













