Heuschnupfen? Hormone!
BRIGITTE-Autorin Irene Stratenwerth
Sie bedrohen nicht nur das Leben der werdenden Mütter, sondern können auch das Ungeborene schädigen: Eine neue kanadische Studie hat die Schwangerschaftsverläufe von 4344 Frauen mit Asthma untersucht. 9,2 Prozent ihrer Kinder hatten angeborene Fehlbildungen, etwa Herzfehler oder Lippen-Kiefer-Gaumenspalten. Bei denjenigen Müttern, die im ersten Schwangerschaftsdrittel einen akuten Anfall erlitten hatten, waren es sogar 12,8 Prozent - vermutlich in Folge von Durchblutungsstörungen in der Plazenta. Frauen mit Asthma brauchen also in der Schwangerschaft eine medizinische Betreuung, die solche Risiken kennt und vermeiden hilft.
In anderen Fällen aber steht die Forschung noch ganz am Anfang. In einer weiteren Studie aus dem Jahr 2007 unterzogen amerikanische Ärzte Frauen nach Fehlgeburten einem Hauttest. Das Ergebnis: 23 der 29 Patientinnen reagierten mit Allergiesymptomen auf Östrogene. Der brisante Verdacht: Wir können gegen unsere eigenen Geschlechtshormone allergisch werden. Bei einem Anstieg der Östrogene schaltet der Organismus dann auf "Alarm" und beendet eine Schwangerschaft.
Für Prof. Erika Jensen-Jarolim, Allergiespezialistin an der Medizinischen Universität Wien, ist dieses Phänomen eigentlich "nur auf dem Hintergrund erklärlich, dass viele Frauen zur Verhütung jahrelang synthetische Hormone einnehmen." Denn Präparate, die man dem Körper per Pille oder Pflaster zuführt, provozieren möglicherweise andere Immunantworten als die körpereigene Produktion.
Noch ist das Spekulation. Aber es offenbart auch, wie viel wir noch nicht wissen. Und wie viel Frauen davon profitieren könnten, wenn die medizinische Forschung geschlechtsspezifische Aspekte in den Mittelpunkt ihrer Aufmerksamkeit rücken würde. Nicht nur, wenn es um Herz oder Hirn geht.













