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Die Kollegin sieht elend aus. Gläserne, müde Augen, rote Schnupfennase, die Stimme schafft kaum ein "Guten Morgen". Nach Hause schicken lässt sie sich nicht. "Geht schon", krächzt sie. Statt auf Ruhe, Inhalieren und viel Trinken setzt sie auf die Pharma-Industrie. Ihr Schreibtisch könnte locker als Apotheken-Tresen durchgehen, so voll gestellt wie er ist, mit diversen Medikamenten-Packungen und Fläschchen. Sie gehört eindeutig ins Bett.
Wer krank ist, hat im Büro nichts zu suchen. Basta. Man kann sich nicht konzentrieren und steckt nur die Kollegen an. Meine Meinung stand auf festen Beinen, bis selbige durch diverse Virenattacken ins Wanken gerieten. Kita-Kind-Mutter, Job im Großraumbüro und Pendeln in öffentlichen Verkehrsmitteln - mit dieser Kombi fing ich mir innerhalb weniger Wochen mehrere Virusinfektionen ein. Ich hangelte mich mit einer Mischung aus kurz Krankschreiben lassen und halb auskuriert zurück ins Büro kommen durch die Arbeitswochen. Warum? Weil mir vor dem Berg unerledigter Arbeit graute, der mich sonst nach meiner Rückkehr erwartet hätte. Weil ich nicht wollte, dass meine Kolleginnen meinen Job miterledigen müssen. Und weil es sich nicht toll anfühlt, sich ständig bei den Chefs krankzumelden.
Also versuchte ich, die bösen Blicke der umstehenden Mit-Pendler zu ignorieren, wenn ich kurz nach dem Losfahren des Zuges das dritte Taschentuch zückte. Genauso wie die mitleidigen Blicke der Kolleginnen, wenn ich mit minutenlangen Hustenanfällen die komplette Konferenzrunde zum Verstummen brachte. Wer krank ist, hat nichts im Büro zu suchen? Wie denn nun?
Die Frage ist, wann ist man zu krank, um zu arbeiten? Klar, wer Fieber oder Magen-Darm-Grippe hat, gehört ins Bett. Wegen eines leichten Schnupfens oder etwas Halskratzen bleibt dagegen sicher niemand zu Hause - sonst wären diesen Winter sicher sämtliche Büros verwaist. Aber was ist mit meinem Dauerhusten und mit der Kollegin, die -trotz geballter Unterstützung der Pharmaindustrie- kaum noch sprechen kann?












Und die Kinder werden auch krank zu mir geschickt: "In der Schule war ich nicht, weil ich krank bin" - ja, aber ich darf mich anstecken....
Sollte er aber, denn meist genügen ein Krankheitstag im Bett und eine durchgeschlafene Nacht mit Warmhaltung der Nierengegend, heißen Getränken und homöopathischen Mitteln, um die Erkältung erst gar nicht zum Ausbruch kommen zu lassen. Das Gegenteil von verwaisten Büros wäre die Folge, denn man schleppte nicht ständig die Viren in die öffentlichen Verkehrsmittel und an die Arbeitsplätze, wo sie sich ungestört epidemisch ausbreiten können.