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Infektionen
Magen-Darm-Virus - wie schütze ich mich?

Von Oktober an ist Hochsaison für das Magen-Darm-Virus. Hauptauslöser für Infektionen ist das so genannte Norovirus. Wie kann ich mich vor einer Ansteckung schützen?

Foto: Nadine Platzek / photocase.com

Warum verbreitet sich das Magen-Darm-Virus so schnell?

Schon eine geringe Virusmenge reicht zur Ansteckung aus. Und gerade am Anfang scheidet ein Erkrankter große Virusmengen aus. Die Viren sind zudem auch noch besonders umweltresistent, das heißt, sie überleben lange in der Umwelt, auf Gegenständen wie einer Türklinke oder Kinderspielzeug.

Wie wird das Virus übertragen?

Das Magen-Darm-Virus wird vor allem durch Schmier- und Tröpfcheninfektion übertragen. Die Erreger können schon beim Sprechen über feinste Speicheltröpfchen oder durch Händedruck weitergegeben werden. Aber auch eine Übertragung durch die Luft ist möglich.

Vorsicht ist zudem bei bestimmten Lebensmitteln geboten, wenn diese nicht erhitzt werden. Erkrankungen werden zum Beispiel häufig durch tiefgekühlte Himbeeren, Salate und rohes Gemüse verursacht. Die Finger weglassen sollte man zum Beispiel auch von rohen Muscheln. Generell gilt: Meeresfrüchte gut durchkochen.

Wie lange ist ein Patient ansteckend?

Länger, als viele glauben. In der Regel ist der Patient noch bis zu zwei Tage nach Abklingen der Symptome infektiös. Also lieber länger zu Hause bleiben, als die Kollegen anzustecken! Untersuchungen haben sogar gezeigt, dass das Virus noch 7 bis 14 Tage, zum Teil sogar über Wochen nach der Erkrankung über den Stuhl ausgeschieden werden kann. Ob es so lange ansteckend ist, weiß man nicht. Dennoch sollte in der Zeit besonderer Wert auf Hygiene gelegt werden.

Wie kann man eine Ansteckung vermeiden?

Man kann eine Ansteckung kaum vermeiden, aber das Ansteckungsrisiko durch folgende Maßnahmen zumindest minimieren:

  • Ist ein Familienmitglied erkrankt, sollte der oder die Betroffene, wenn möglich, eine eigene Toilette benutzen. Die Toilette regelmäßig reinigen. Wasser und normales Putzmittel reichen.
  • Wichtig sind getrennte Handtücher, die bei mindestens 60 Grad gewaschen werden sollen. Auch Bettwäsche unbedingt mit dieser Mindesttemperatur waschen.
  • Die Hände regelmäßig mit Seife waschen. Regelmäßig heißt, nicht nur nach dem Gang zur Toilette, sondern auch, wenn man von draußen ins Haus kommt und bevor man mit Lebensmitteln hantiert.
  • Den Kontakt zu Infizierten so weit wie möglich minimieren.
  • Häufig lüften. Die Fenster dabei nicht nur kippen, sondern vollständig öffnen.
  • Ist ein Kind infiziert, sollten die Eltern zum Wegwischen von Erbrochenem immer Einmal-Handschuhe und Papierhandtücher benutzen.
  • Gemeinschafts-Toiletten möglichst meiden. Die Erreger haften nicht nur auf der Toilette sondern auch an Türklinken oder Armaturen.

Helfen Desinfektionsmittel?

"Standard-Desinfektionsmittel können die Hülle des Norovirus nicht zerstören", erklärt Professor Jan Buer, Experte für Virus-Infektionen am Braunschweiger Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung. Sie waschen das Virus lediglich ab - ähnlich wie Seife. Spezielle viruzide Desinfektionsmittel könnten das Virus dagegen tatsächlich abtöten. Sie enthalten Aldehyde, also dehydrierten Alkohol, als Substanz und werden zum Beispiel in Krankenhäusern eingesetzt. Wie Jan Buer erklärt, sind sie bei Ärzten und Pflegepersonal unbeliebt, da sie aggressiv sind und die Haut reizen.

Soll man zu Hause Desinfektionsmittel anwenden? Da sind sich die Experten uneinig: "Nein", sagt das Robert-Koch-Institut, das im Auftrag der Bundesregierung Krankheiten verhindern soll. Die Begründung: "Es bringt nichts." Eine sachgerechte Desinfektion sei für den Laien schwierig, zudem sei man dennoch nicht sicher vor einer Infektion - man könne die Erreger auch einatmen, zum Beispiel über Erbrochenes.

"Jein", sagt die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA). "Meist erfolgt die Infektion über die Hände, zum Beispiel wenn Türklinken oder Telefonhörer berührt werden", erklärt Dr. Ursula Sellerberg, Apothekerin und stellvertretende Pressesprecherin der ABDA.

Wenn ein Familienmitglied erkrankt ist und man eine Ansteckung verhindern will, könne es durchaus sinnvoll sein, sich regelmäßig mit einem viruziden Desinfektionsmittel die Hände zu waschen und die Toilette zu desinfizieren sowie weitere Gegenstände, die von dem Erkrankten berührt werden - zum Beispiel Treppengeländer, Türklinken, Fernbedienung, Rechnertastaturen oder Telefonhörer.

Aber: "Einen 100-prozentigen Schutz erreichen Sie damit auch nicht. Ein Wohnzimmer ist keine Intensivstation", sagt Dr. Ursula Sellerberg. Und: Ansteckung von außen lässt sich dadurch auch nicht verhindern - zum Beispiel im Büro, im Kindergarten oder in der U-Bahn.

Warum infizieren sich manche Menschen nie mit dem Virus?

Professor Jan Buer vermutet, dass das persönliche Hygiene-Verhalten eine Rolle spielt, außerdem die Zahl der Kontakte zu anderen Menschen und die genetische Grundlage. Buer: "Es gibt auch Menschen, die können sich nicht mit dem HIV-Virus infizieren. Für die Noroviren wurde das allerdings noch nicht untersucht".

Warum verbreitet sich das Virus gehäuft in den Wintermonaten?

Die Hochzeit für das Norovirus ist von Oktober bis März. Warum das so ist, darüber sind sich die Wissenschafler noch nicht wirklich einig: Eine mögliche Begründung ist, dass das Immunsystem im Winter geschwächt ist und die Menschen deshalb anfälliger sind. Zudem wird vermutet, dass die klimatischen Bedingungen in den kalten Monaten für das Virus ideal sind, um zu überleben.

Warum tritt das Virus inzwischen so häufig auf?

Infektionskrankheiten wie das Magen-Darm-Virus gibt es schon lange, sagt Jan Buer. Und: "Je enger wir zusammen leben, desto größer ist die Gefahr einer Ansteckung". Vor allem für Gemeinschaftseinrichtungen wie Krankenhäuser, Seniorenheime oder Kindergärten ist es problematisch, dass das Virus so epidemiehaft auftritt. Da es viele Subtypen habe, könne man sich immer wieder anstecken.

Dennoch: An eine wirkliche Häufung der Fälle glaubt Jan Buer nicht. Seiner Ansicht nach dokumentieren Ärzte und Gesundheitsbehörden die Erkrankungsfälle lediglich gründlicher - und die Medien berichten häufiger darüber. Die bessere Dokumentation bestätigt auch Dr. Marina Höhne, Expertin für Noroviren am Robert-Koch-Institut.

Aber auch veränderte Lebens-Gewohnheiten könnten ihrer Ansicht nach Schuld an einem Anstieg der Fälle sein: "Wir essen häufiger unterwegs - ohne vorher die Hände zu waschen und nachdem wir vielleicht gerade den Haltegriff in der U-Bahn angefasst haben." Auch die globalen Handelsströme vereinfachten die Verbreitung, wie ein Fall in fünf neuen Bundesländern gezeigt hat: Ende September 2012 erkrankten 11.376 Kindern in Schulen und Kitas an Brechdurchfall. Als Auslöser gelten Tiefkühl-Erdbeeren aus China.

  • Text: Monika Herbst
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