Frauengesundheit
Magersucht

"Sie ist halt dünn, na und?" - Magersucht wird oft verharmlost, dabei kann die Essstörung tödlich enden, wenn Betroffene keine Hilfe bekommen.

Magersucht - was ist das eigentlich?

Magersucht, auch Anorexia nervosa genannt, ist eine psychisch ausgelöste Ess-Störung. Bei Magersüchtigen dreht sich alles nur noch ums Abnehmen: Sie essen kaum noch, treiben übermäßig Sport, schlucken Abführmittel und Appetitzügler.

Magersucht beruht auf einer gestörten Körperwahrnehmung: Die Betroffen empfinden sich als zu dick, auch wenn sie objektiv betrachtet längst untergewichtig sind. Hungern wird für sie zum Beweis, dass sie die Macht über ihren Körper haben.

Wird Magersucht nicht behandelt, stirbt jede zehnte Betroffene an den Folgen der Unterernährung.

Wer bekommt Magersucht?

Man gehrt davon aus, dass 800.000 Deutsche magersüchtig sind, 95 Prozent davon Frauen. Die meisten Betroffenen sind zwischen 15 und 25 Jahre alt. Möglicherweise gibt es eine genetische Veranlagung zu Magersucht. Vielleicht steckt auch eine Störung der Hormone Leptin und Seroronin dahinter.

Magersucht beginnt oft in der Pubertät, wenn mit dem körperlichen Wandel psychische Probleme einhergehen. Die meisten Magersüchtigen sind konfliktscheu und zurückhaltend, dabei aber sehr ehrgeizig und perfektionistisch.

Welche Beschwerden sollten mich aufhorchen lassen?

Alarmierend ist, wenn jemand immer sehr langsam und kleine Portionen isst und versucht, beim Essen allein zu sein. Magersüchtige meiden außerdem kalorien- und fettreiches Essen, reden oft über ihr Gewicht und treiben sehr viel Sport.

Je stärker das Untergewicht, desto gravierender werden die Beschwerden: So bleibt irgendwann die Regel aus und die Lust auf Sex schwindet; weil dem Körper Mineralstoffe fehlen, fallen die Haare aus und die Haut schuppt sich. Durch den Mangel an Ballaststoffen leiden Magersüchtige oft an Verstopfung. Der Körper schaltet auf Sparflamme: Blutdruck, Puls und Körpertemperatur sinken bedenklich, Wasser lagert sich ab. Darüber hinaus entwickeln viele Magersüchtige durch die Fixierung aufs Essen und den Kontrollzwang Depressionen.

Wie stellt der Arzt fest, ob ich betroffen bin?

Mit Hilfe des Body-Mass-Index (BMI) kann der Arzt prüfen, ob eine Frau untergewichtig ist. Der BMI errechnet sich nach folgender Formel: Gewicht in Kilo/(Körpergröße in Metern)2. Ab einem BMI von 17,5 stellt der Arzt die Diagnose Magersucht, sofern er im Gespräch mit der Betroffenen feststellt, dass ihre Gedanken ständig ums Abnehmen kreisen und sie ihr Essverhalten extrem kontrolliert.

Daneben hilft eine Blutuntersuchung, Mangelerscheinungen festzustellen. Typisch für Magersucht sind Zink- und Eisenmangel.

Wie kann man Magersucht behandeln?

Die einzige Möglichkeit, eine Magersucht zu behandeln, ist eine ambulante Psychotherapie. Dort lernen die Patientinnen, ihren Körper wieder richtig wahrzunehmen. Eine solche Behandlung kann mehrere Jahre dauern und bezieht oft die ganze Familie mit ein.

In der begleitenden Ernährungstherapie lernen Betroffene, sich gesund zu ernähren und regelmäßig ausreichend zu essen. Psychopharmaka, Nahrungsergänzungsmittel und Vitaminpräparate unterstützen die Therapie.

Ist die Gesundheit einer Betroffenen akut gefährdet, ist eine stationäre Therapie sinnvoll. In extremen Fällen kann es nötig sein, eine Magersüchtige vorübergehend künstlich zu ernähren.

Gibt es auch sanfte Heilmethoden?

Feldenkrais und die Alexandertechnik können Frauen nach der schulmedizinischen Behandlung helfen, wieder ein besseres Gefühl für ihren eigenen Körper zu bekommen. Qi Gong und Yoga helfen auf sanfte Weise, die Muskeln zu stärken.

Wie kann ich mich schützen?

Eltern können ihre Kinder schützen, indem sie regelmäßig gemeinsam mit ihnen essen und ihre Kinder zu gesundem Selbstbewusstsein jenseits gesellschaftlicher Schönheitsideale erziehen.

Wo kann ich weiterlesen, wenn ich mehr Informationen haben möchte?

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung widmet dem Thema Ess-Störungen eine eigene Website. Dort finden sich unter anderem Links und Adressen von Beratungsstellen.

Auf der Seite www.hungrig-online.de finden Betroffene zueinander: Über ein Forum, eine Mailingliste und einen Chat können sie ihre Erfahrungen austauschen.

  • Text: Angelika Unger
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