Frauengesundheit
Myom: Kein Grund zur Panik!

Vielen Frauen macht die Diagnose Angst: Ein Myom. Dabei sind die Wucherungen in der Gebärmutter gutartig - und eine große Operation heute nur noch selten nötig.

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Myom - was ist das eigentlich?

Myome sind gutartige Muskelwucherungen in der Gebärmutter. Sie können an verschiedenen Stellen entstehen, etwa in der Gebärmutterwand, an ihrer Außenseite oder in den Bändern, die das Organ halten. In den meisten Fällen sind sie völlig harmlos. Viele betroffene Frauen merken nichts von den Myomen und wissen nicht einmal, dass sie welche haben.

Myome können aber auch die Regelblutung verstärken und Blutungen auslösen, die im Extremfall zu Blutarmut führen können. Schnelle medizinische Hilfe ist nötig, wenn Myome plötzlich stark wachsen. Sie können dann zum Beispiel den Harnleiter abdrücken. Eine weitere, wenn auch seltene Komplikation: Wenn Frauen nicht schwanger werden oder Fehlgeburten haben, könnten Myome dabei eine Rolle spielen. Ob Myome "entarten" und zu Krebsgeschwülsten werden können, ist noch nicht abschließend geklärt, gilt aber als unwahrscheinlich.

Wer bekommt ein Myom?

Bei Frauen im gebärfähigen Alter treten Myome häufig auf: Schätzungsweise jede vierte Frau über 30 hat Myome, bei den über 40-Jährigen sogar fast 40 Prozent. Wahrscheinlich spielen die körpereigenen Östrogene bei der Entstehung eine Rolle. Bei Mädchen vor der Pubertät und bei Frauen nach den Wechseljahren - also in den Lebensphasen, in denen der Organismus diese Hormone nicht oder nur in geringen Mengen produziert -, sind Myome extrem selten. Nach den Wechseljahren bilden sie sich oft ganz zurück.

Zumindest bei psychosomatisch orientierten Frauenärzten gilt auch das seelische Befinden einer Frau als wichtiger Faktor. Myome sind zum Beispiel überdurchschnittlich häufig bei Frauen, die durch Beruf und Familie doppelt belastet sind. Dasselbe beobachten Ärzte bei Frauen, für die das Thema "schwanger werden" mit Stress verbunden ist - etwa, weil sie sich mit ihrem Partner darüber nicht einig sind.

Welche Beschwerden sollten mich aufhorchen lassen?

Je nachdem, wie groß ein Myom ist und wo es sitzt, kann es verschiedene Beschwerden verursachen, etwa eine übermäßig starke Menstruationsblutung, Druck auf die Blase oder Schmerzen im Unterbauch. Kleine Myome sind gewöhnlich nicht zu spüren.

Wie stellt der Arzt fest, ob ich betroffen bin?

Oft werden Myome eher zufällig bei einer Tast- oder Ultraschalluntersuchung beim Frauenarzt entdeckt. Die genaue Größe und Lage der Myome stellt der Arzt dann mit Hilfe von Ultraschall oder Magnetresonanz-Tomografie fest.

Wie kann man ein Myom behandeln?

Welche Art der Behandlung Ärzte empfehlen, ist unter anderem abhängig von der Größe und vom Sitz der Myome; auch das Alter der betroffenen Frau spielt eine Rolle.

Früher wurde bei Myomen oft pauschal empfohlen, die Gebärmutter entfernen zu lassen - vor allem, wenn die betroffene Frau nicht mehr schwanger werden wollte oder konnte. Das ist ein massiver Eingriff, der starke körperliche und auch seelische Auswirkungen haben kann. Er kann aber nötig werden, wenn die Myome stark mit der Gebärmutter verwachsen sind. Frauen, denen diese Operation empfohlen wird, sollten sich deshalb für die Entscheidung Zeit nehmen und auf jeden Fall die Meinung eines weiteren Arztes einholen.

Das Herausschneiden oder -schälen der Myome ist zumindest bei großen Myomen oft eine aufwendige Operation; die Gebärmutter bleibt jedoch erhalten und eine Schwangerschaft ist auch danach noch möglich. Je nachdem, wie groß das Myom ist und wo es liegt, wird der Eingriff per Bauch- oder Gebärmutterspiegelung oder aber per Bauchschnitt durchgeführt. Bei manchen Frauen entstehen später neue Myome. Bei der Entfernung großer Myome können in seltenen Fällen starke Blutungen auftreten.

Möglich sind auch verschiedene Arten der Hormonbehandlung. Die Pille wirkt gegen überstarke Blutungen. Eine reine Gestagen-Pille unterbricht die Menstruation vorübergehend ganz. Gleichzeitig bilden sich die Myome zurück. Die radikalste Art der Hormontherapie ist eine Behandlung mit "Anti-Hormonen" (GnRH-Analoga). Diese Präparate versetzen auch junge Frauen vorübergehend in einen Zustand, der hormonell den Wechseljahren ähnelt; die Myome schrumpfen dann oder verschwinden ganz.

Die Nachteile aller Hormontherapien: Sie kommen nicht in Frage für Frauen, die demnächst schwanger werden wollen - und sobald die Medikamente abgesetzt werden, wachsen die Myome häufig wieder. Auch ähneln die Beschwerden denen in Wechseljahren: Es kann zu Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen und Knochenschwund kommen.

Eine noch relativ neue Methode, um Myome gefahrlos und schmerzarm zu entfernen, ist der fokussierte Ultraschall. Die Schallwellen durchdringen schmerzfrei das Gewebe und werden auf einen bestimmten Punkt fokussiert. Dort zerstören sie unerwünschte Zellen. Während des etwa zweistündigen Eingriffs liegt die Patientin in einem Magnet-Resonanz-Tomografen, der per Ultraschall kleine Löcher, jeweils vier bis fünf Millimeter groß, in das Myom schießt. Es wird so Punkt für Punkt durchlöchert und schrumpft schließlich einige Wochen später zusammen. Die Methode wird allerdings von den gesetzlichen Krankenkassen in der Regel nicht bezahlt.

Bei der so genannten Embolisation werden die Wucherungen ausgehungert. Dabei schieben Ärzte über einen kleinen Schnitt in der Leiste einen dünnen Schlauch durch die Beckenarterie bis an die Stelle, wo sich das Blutgefäß in das Myom hinein verzweigt. Durch den Schlauch leiten sie nun winzige Kunststoffkügelchen ein, die in die Blutgefäße geschwemmt werden, sich dort festsetzen und die Adern verschließen. Dies schneidet die Myome von der Nähr- und Sauerstoffzufuhr ab. Der Körper baut das nicht mehr durchblutete Gewebe nach und nach ab, so dass die Myome in den folgenden Monaten schrumpfen. Das genügt fast immer, um die Beschwerden zu beheben - und zwar dauerhaft: Die Kügelchen bleiben ein Leben lang liegen.

Der Eingriff erfolgt unter örtlicher Betäubung, dauert ein bis zwei Stunden und erfordert einen Krankenhausaufenthalt von zwei bis drei Tagen. Narben bleiben keine zurück, die Schnitte in der Leiste sind maximal einen Zentimeter lang. Als Nebenwirkungen sind Fieber und Infektionen möglich, selten kann bei dem Eingriff die Gebärmutter verletzt werden. Bei Myomen mit einem Durchmesser von mehr als zehn Zentimetern raten die Ärzte von einer Embolisation ab. Auch bestimmte, auf der Gebärmutter aufsitzende Myome sollten nicht embolisiert werden.

Gibt es auch sanfte Heilmethoden?

Bei kleineren Myomen kommen als Alternative auch "sanfte" medizinische Verfahren in Frage: In der Homöopathie gelten Myome als ein Symptom für gestaute körperliche und seelische Energien. Solche Blockaden werden mit einer individuell zusammengestellten Abfolge von Präparaten behandelt. Häufig verordnete Mittel bei Myomen sind zum Beispiel Sepia (Tintenfisch) und Hamamelis. Die Besserung der Symptome setzt oft sehr schnell ein; insgesamt kann die Behandlung aber über ein Jahr dauern.

Aus der Sicht der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) sind Myome meist ein Anzeichen für eine Überforderung des Leber-Funktionskreises, der das freie Fließen der Energien im Organismus regelt. Akupunktur und chinesische Arzneitees können den Energiefluss regulieren und harmonisieren, so dass die Myome sich zurückbilden. Spezielle Übungen aus dem Qigong (Bewegungstherapie) und eine Ernährungsumstellung nach individuellen Empfehlungen verstärken die Wirkung der Therapie.

Was kann ich selbst tun?

Zwar lässt sich nicht verhindern, dass Myome sich bilden. Durch Ihren Lebenswandel können Sie aber Einfluss darauf nehmen, wie schnell sie wachsen.

  • Hormone weglassen
    Wenn Sie Hormonpräparate, etwa die Pille, nehmen, besprechen Sie mit Ihrer Frauenärztin, welche anderen Verfahren oder Medikamente für Sie in Frage kommen.
  • Wenig Fleisch essen
    Versuchen Sie, Ihren Fleischkonsum zu reduzieren - optimal wäre etwa einmal pro Woche. Fleisch und Wurst können Rückstände von Hormonen und Umweltschadstoffen enthalten, die bei Frauen mit einer entsprechenden Veranlagung unter Umständen langfristig das Wachstum von Myomen fördern.
  • Eiweiß und Fett reduzieren
    Beides könnte nach Meinung einiger Experten das Myomwachstum bremsen. Da eine solche strenge Diät aber den gesamten Organismus beeinflusst, sollten Sie sich vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt beraten.
  • Bewegung für den Bauch
    Einige Fachleute gehen davon aus, dass die Entstehung von Myomen und Endometriose auch mit schlechter Durchblutung oder, nach der Sichtweise der chinesischen Medizin, einem gestörten Energiefluss im Becken zu tun haben könnte. Dagegen helfen zum Beispiel bestimmte Qigong- oder Yoga-Übungen sowie Beckenbodengymnastik.
  • Arzneitees
    Gegen die typischen Beschwerden durch Myome wie Menstruationsschmerzen und starke Regelblutungen helfen Arzneitees aus der Apotheke, zum Beispiel eine Mischung zu gleichen Teilen aus Schafgarbe, Frauenmantel, Gänsefingerkraut und Vogelknöterich. Einen gehäuften Teelöffel pro Tasse nehmen, zehn Minuten abgedeckt ziehen lassen, drei Tassen pro Tag trinken. Ein Sitzbad mit Schafgarbe wirkt entspannend bei krampfartigen Unterleibsschmerzen. Bitte nicht vergessen: Arzneitees können wie jedes Medikament auf Dauer auch schaden. Als Selbstbehandlung ohne ärztliche Empfehlung dürfen sie höchstens sechs bis acht Wochen lang angewendet werden.
  • Text: Angelika Unger
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