Monatelang Hormone schlucken, eine komplizierte Operation oder sogar die Entfernung der ganzen Gebärmutter: Solche Prozeduren hatten Myom-Patientinnen zu erwarten, vor allem wenn die gutartigen Muskelknoten schmerzhaft auf Blase oder Darm drückten oder starke Blutungen verursachten.
Das kann nun vielen Frauen erspart bleiben: Ein neues Verfahren, die Embolisation, hungert die Knoten einfach aus. Dabei schieben Ärzte über einen kleinen Schnitt in der Leiste einen dünnen Schlauch durch die Beckenarterie bis an die Stelle, wo sich das Blutgefäß in die Myome hinein verzweigt. Durch den Schlauch leiten sie nun winzige Kunststoffkügelchen ein, die in die nachfolgenden kleinen Blutgefäße geschwemmt werden, sich dort festsetzen und die Adern dauerhaft verschließen. Auf diese Weise werden die Myome von der Nähr- und Sauerstoffzufuhr abgeschnitten. 'Das ist, als ob man in einem Fluss einen Staudamm baut - alles, was dahinter liegt, wird nicht mehr bewässert', erklärt Prof. Dr. Dierk Vorwerk vom Klinikum Ingolstadt, einer der Pioniere des Verfahrens in Deutschland. Der Körper baut das nicht mehr durchblutete Gewebe nach und nach ab, so dass die Myome auf etwa die Hälfte ihrer Größe schrumpfen.
Das genügt fast immer, um die Beschwerden zu beheben. Und zwar dauerhaft, denn die Kügelchen bleiben ein Leben lang liegen. Der Eingriff erfolgt unter örtlicher Betäubung, dauert ein bis zwei Stunden und erfordert einen Krankenhausaufenthalt von zwei bis drei Tagen. Narben bleiben keine zurück, die Schnitte in der Leiste sind maximal einen Zentimeter lang. Nachteil der Methode: Sie muss unter Röntgenkontrolle mit Kontrastmittel stattfinden. Etwa fünf bis sechs Minuten lang wird das Becken durchleuchtet. "Nur so können wir sehen, wann die Arterie dicht ist", sagt Radiologe Vorwerk. Die Strahlenbelastung sei dabei "nicht wesentlich höher als bei anderen Röntgenuntersuchungen".
Durchmesser mehr als zehn Zentimeter, raten die Ärzte von einer Embolisation ab. Denn bei dieser Größe kann der Körper das Gewebe nicht schnell genug abbauen, so dass sich Reste leicht entzünden. Auch bestimmte, auf der Gebärmutter aufsitzende Myome sollten nicht embolisiert werden: Es besteht die Gefahr, dass sie sich ablösen und in der Bauchhöhle Komplikationen verursachen. In Frankreich, Großbritannien und den USA wenden Ärzte die Myom-Embolisation bereits seit gut zehn Jahren an. "Etwa 10 000 Frauen wurden bisher behandelt, die Erfolgsquote liegt bei über 90 Prozent", sagt Dr. Thomas Kröncke vom Institut für Radiologie der Charité in Berlin-Mitte, der zu den wenigen Spezialisten für das Verfahren gehört. Da die Methode von Röntgen-Fachärzten ausgeführt wird, kennt sie vielleicht noch nicht jeder Frauenarzt. Es empfiehlt sich deshalb, seinen Arzt direkt auf diese Möglichkeit anzusprechen oder sich auf den genannten Internet-Seiten bzw. bei den unten aufgeführten Kliniken zu informieren.
Adressen von Experten
Hier wird die Myom-Embolisation bereits praktiziert (zuständig ist nicht die gynäkologische, sondern die radiologische Abteilung; die Einweisung muss durch einen Gynäkologen erfolgen):
- Universitätsklinikum Charité (Campus Mitte) in Berlin, Dr. med. Thomas J. Kröncke, Tel. 030/450-52 70 82, Fax 450-52 79 11; Info-Telefon Myom-Embolisation: 030/450-52 73 28.
- Universitätsklinik Frankfurt, Dr. Stephan Zangos, Tel. 069/63 01-72 77, Fax 63 01-72 58.
- Universitätsklinik Heidelberg, Prof. Dr. Götz Richter, Tel. 062 21/56 64 31, Fax 56 41 94.
- Klinikum Ingolstadt, Prof. Dr. Dierk Vorwerk, Tel. 08 41/880 28 00, Fax 880 28 08.
- Diakonissen-Krankenhaus Karlsruhe, Prof. Dr. Ernst-Peter Strecker, Tel. 07 21/889-22 46, Fax 889-39 10.
Weitere Infos auch unter:
- Website der Charité Berlin www.myomembolisation.de
- US-Website www.uterinefibroids.com













