Die Patientenverfügung

Was Sie darüber wissen müssen: Interview mit der Ärztin Prof. Rita Kielstein, die sich für ein Recht auf selbstbestimmtes Leben einsetzt.

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Professor Rita Kielstein ist Internistin an der Universitätsklinik Magdeburg

Professor Rita Kielstein ist Internistin an der Universitätsklinik Magdeburg

Brigitte: Frau Professor Kielstein, Sie engagieren sich seit langem für die Idee der Patientenverfügungen. Welche Informationen sind wichtig für Sie, wenn Sie todkranke Menschen behandeln?

Rita Kielstein: Neben der Krankengeschichte und den aktuellen Krankendaten aus der Akte interessieren mich vor allem Fragen wie: Welche Wertvorstellungen und Wünsche, Ängste und Hoffnungen hat die Patientin oder der Patient? Wie ist die religiöse Orientierung? Wie sieht das soziale Umfeld aus?

Brigitte: Ist das wichtig für eine Entscheidung über lebenserhaltende Maßnahmen?

Rita Kielstein: Viele Patientinnen und Patienten sagen zum Beispiel: Wenn mein Partner noch lebt oder meine Kinder sich um mich kümmern, würde ich mich künstlich ernähren lassen oder eine weitere Chemotherapie akzeptieren. Sollte ich aber auf die Gnade und Pflege fremder Personen angewiesen sein, dann möchte ich das nicht mehr. Es gibt auch Haltungen, die wir als Ärzte nicht einmal erahnen können. Ich denke an eine Patientin mit unheilbarem Krebs, die mir erklärt hat: "Mein Enkel studiert und bekommt die Hälfte meiner Rente. Also ertrage ich alles, um so lange wie möglich zu leben."

Brigitte: Und das sollte alles in einer Patientenverfügung stehen? Kann man denn in gesunden Tagen schon vorhersehen, wie es einem später einmal ergehen wird?

Rita Kielstein: Niemand kann in die Zukunft sehen. Aber es ist schon sinnvoll, einmal mit sich ins Zwiegespräch zu gehen, wenn man zum Beispiel gerade einen Todesfall miterlebt hat. Und sich zu fragen: Wie würde ich es mir wünschen? Wie stehe ich zu unheilbarer Krankheit, zu Leiden, zu Behinderungen, zur Wahrhaftigkeit am Krankenbett? Oder: Würde ich eine Schmerzbehandlung wollen, die mein Bewusstsein trüben oder meine Lebenserwartung eventuell verkürzen kann? Die Gedanken, die jemand dazu aufschreibt, helfen mir als Ärztin mehr als Verfügungen, in denen nur steht: "Ich will keine künstliche Ernährung" oder "Ich will nicht wiederbelebt werden".

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  • Interview: Irene Stratenwerth
BRIGITTE BALANCE
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