Welche Arten von Pilzerkrankung gibt es und wie werden sie behandelt?

Pilzerkrankung: Das hilft wirklich dagegen!

Pilzerkrankungen sind unangenehm. Darüber zu sprechen noch unangenehmer. Sie befallen die unterschiedlichsten Körperregionen, lassen sich aber behandeln, wenn man weiß, wie es geht. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Wie steckt man sich mit einem Pilz an und wie beugt man vor?

Grundsätzlich bedeutet sich anzustecken noch nicht automatisch auch zu erkranken. Den Hefepilz Candida albicans tragen zum Beispiel etwa 70 Prozent der Bevölkerung bereits in sich, vor allem im Darm - und meist ohne etwas davon zu merken. Gelangt er von dort oder durch eine Ansteckung beim Partner in den Vaginal­bereich und infiziert diesen, spüren Frauen den Scheidenpilz mit Jucken, Brennen und Ausfluss allerdings sehr deutlich.

Wichtig zur Prophylaxe ist die richtige Intimhygiene: Auf der Toilette nicht von hinten nach vorn wischen und die Scheidenregion am besten nur mit Wasser reinigen. "Dass sich durch die Anwendung von Säureprodukten oder die Einnahme von Milchsäurebakterien einer Pilzinfektion vorbeugen lässt, ist ein Irr­tum. Das kann sogar kontraproduktiv sein, denn die Pilze lieben Säure", sagt Professor Hans-­Jürgen Tietz vom Institut für Pilzerkrankungen und Innere Medizin in Berlin.

Welche Pilze gibt es noch?

Sehr "beliebt" sind auch die Erreger von Fuß­ und Nagelpilz - dabei handelt es sich nämlich um denselben. Den holt man sich vor allem in öffentlichen Duschen, Schwimmbädern oder Hotelzimmern mit Teppichboden, aber auch in der Familie. Häufig beginnt es mit einer der Haut, die dann auf den Nagel übergeht - deswegen sollte Fußpilz immer frühzeitig therapiert werden.

Eine Möglichkeit, das Risiko zu senken:

  • Zehenzwischenräume nach dem Baden gründlich abtrocknen und nicht barfuß laufen.
  • Da die Sporen auch in der Familie weitergegeben werden können, sollten infizierte Personen auf Hygiene achten, Hand­tuch oder Nagelschere nicht mit anderen teilen.
  • Socken bei mindes­tens 60 Grad waschen.
  • Und vor allem: sich behandeln.

Für diese Pilze ist der Mensch der Hauptwirt. Wir können uns aber auch bei Tieren anstecken. In Deutsch­land sind etwa 20 Prozent der Katzen mit Microsporum canis infiziert, in südlichen Ländern 90 Prozent der streunenden Tiere. "Das sieht man den Tieren nicht an. Die beste Pro­phylaxe heißt deswegen: Streuner nicht anfassen", so Tietz.

Warum hat es gerade mich erwischt?

Ganz schön ungerecht: Viele Men­schen haben nie mit Pilzerkrankungen Probleme. "Das hat auch genetische Ursachen", erklärt Dr. Tietz. "Denn Voraussetzung ist das Anheften der Erreger an Haut oder Schleimhaut. Und die dafür erforderlichen Rezep­toren hat man oder auch nicht."

Dazu kommen weitere Faktoren: Menschen, die viel Sport treiben und Füße und Nägel stark belasten, haben ein höheres Nagelpilz-Risiko, weil die Erreger nur in verletztes Gewebe eindringen.

Und auch Trends spielen eine Rolle: "Sport und Plastikschuhe, in denen sich Feuchtigkeit staut, sind auch der Grund, warum immer mehr Kinder Nagelpilz haben", sagt Experte Tietz. "Die Umstände sind pilzfreundlicher denn je."

Scheidenpilz kann durch Stress ausgelöst werden

Vaginalpilzinfektionen werden laut Professor Tietz ebenfalls häufiger. Ein Grund dafür sei Stress: "Er verstärkt die Möglichkeit des Erregers, sich anzuheften." Auch wenn Antibiotika die natürliche Scheidenflora zerstören, können Candida-Erreger überhandnehmen. Unter Verdacht stehen außerdem die Pille und das Rauchen. Klar ist auch: Vor allem Östrogen beeinflusst die Rezeptoren, die das Anheften der Erreger ermöglichen und deren Wachstum fördern. In der Schwangerschaft und in den Tagen vor der Regelblutung sind Erkrankungen deswegen häufiger. Manche Frauen leiden sogar in jedem Zyklus daran.

"An den Rezeptoren, an die sich die Pilze heften, docken aber auch gesunde Keime an", erklärt Mediziner Tietz. "Frauen mit chronischem Vaginalpilz besitzen deshalb meist viele gesunde Milchsäurebakterien. Sie haben so gut wie nie Harnwegsinfekte, sind nur selten krank und entwickeln auch eine ziemlich starke Abwehr gegen Krebs. Sie haben also kein schlechtes Immunsystem."

Besteht die Chance, dass die Infektion von allein wieder geht?

Nein, auf eine Spontanheilung sollte man nicht hoffen. Im Gegenteil: Wichtig ist es, früh aktiv zu werden. Denn Hautpilze können sich auf den gesamten Körper ausdehnen, Vaginalpilze verlaufen ohne umfassende Therapie meist chronisch.

Lediglich in einer Hinsicht können sich Frauen darauf verlassen, dass die Zeit für sie arbeitet: Da die Rezeptoren, an die die Candida andockt, vom Östrogen abhängig sind, verschwindet das lästige Leiden mit der Hormonumstellung in den Wechseljahren zuverlässig.

Kann ich mich selbst behandeln?

"80 Prozent der Patienten mit Fuß-, Nagel- oder Vaginalpilz gehen nicht zum Arzt, sondern in die Apotheke", sagt Tietz. "Und das ist auch in Ordnung, denn rezeptfreie Mittel wirken gut und sind fast immer erfolgreich." Vorausgesetzt natürlich, die Diagnose stimmt, das heißt: Es ist auch tatsächlich ein Pilz - und man hält die Behandlung durch. Beim Nagelpilz also so lange, bis der Nagel wieder vollkommen gesund nachgewachsen ist, was bis zu einem Jahr dauern kann.

Experte Tietz empfiehlt, immer erst das geschädigte Nagelmaterial mit 40-prozentiger Harnstoff-Salbe zu entfernen und dann konsequent und langfristig täglich mit einem wasserlöslichen Anti-Pilz-Lack oder einem pilzabtötenden Spray zu behandeln. "Wenn man nicht genau weiß, um welchen es sich handelt, sollte man stets Medikamente mit einem breiten Wirkspektrum nehmen", sagt Hans-Jürgen Tietz. "Favoriten sind Bifonazol und Ciclopirox."

Und wann muss ich zum Arzt?

Auf jeden Fall, falls die Selbstbehandlung nicht anschlägt, und generell bei schweren Infektionen. Wenn der Pilz bereits mehr als drei Nägel oder einen Nagel zu mehr als zwei Dritteln geschädigt hat, reicht eine lokale Behandlung nicht mehr aus. Dann braucht es zusätzlich Tabletten, die ein Mediziner verschreibt. Auch bei wiederkehrenden Vaginalinfektionen sollte man einen Arzt aufsuchen, um die Quelle der zu finden.

Die häufigste Ursache ist ein Pilzbefall im Darm der Frau, doch auch der Partner muss mituntersucht und -behandelt werden. "Häufig ist die Besiedelung im Mund des Partners die Ursache der Infektion", so Tietz. "Die sieht man zwar nicht - nur bei einer Immunschwäche - aber solange die Pilze im Mund nicht durch eine professionelle Zahnreinigung und Lutschtabletten beseitigt werden, nützt es nichts, etwas gegen die Erreger im Darm zu tun. Die kommen sonst immer wieder von oben nach. Der Mund beider Partner sollte möglichst pilzfrei sein."

Letztendlich könne durch Spurensuche und Behandlung aber jeder Frau geholfen werden, sagt Tietz: "Jede Pilzerkrankung ist heilbar, auch wenn sie noch so hartnäckig ist."

Kleine Pilzkunde

Es gibt zahlreiche Erreger, die uns befallen können. Besonders verbreitet sind folgende Pilzerkrankungen:

  • Fußpilz: Gehört zu den häufigsten Infektionskrankheiten, etwa 30 Prozent der Bevölkerung sind betroffen. Äußert sich durch Jucken und Schuppung der Haut vor allem zwischen den Zehen, kann aber auch Hände oder Leistengegend befallen.
  • Nagelpilz:  Wird durch den gleichen Erreger wie Fußpilz hervorgerufen. Etwa jeder Sechste ist betroffen, über 65 Jahren jeder Zweite. Befallene Nägel werden dick, brüchig und verfärben sich.
  • Vaginalpilz: Erreger ist der Hefepilz Candida albicans. Drei von vier Frauen erkranken mindestens einmal im Leben, etwa eine Million leidet an chronischen Infektionen - das heißt mindestens viermal im Jahr im Abstand von acht Wochen, oft sogar häufiger. Typische Beschwerden sind Jucken, Brennen und Ausfluss.
  • Hautpilze von Tieren: Viele bringen sich die Infektion von Urlaubsreisen mit, 90 Prozent der streunenden Katzen in südlichen Ländern sind verpilzt. Auch bei heimischen Haustieren wie einer Katze oder einem Meerschweinchen kann man sich anstecken. Typisch ist ein kreisrunder roter Ausschlag, der sich schnell ausbreitet.

BRIGITTE 20/2017

Wer hier schreibt:

Antje Kunstmann

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