Pilzinfektion
Scheidenpilze - ein intimes Problem

Eine Pilzinfektion ist zwar unangenehm, aber nicht gefährlich. Die Gynäkologin Stefanie Grözinger erklärt, wie Sie Scheidenpilze wieder loswerden.

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Eine Pilzinfektion in der Scheide (medizinisch: Vaginalmykose oder Vaginalkandidose) gehört in meinem Praxisalltag zu den häufigsten Diagnosen. Sie wird meist durch den Hefepilz Candida albicans ausgelöst. Viele Frauen leben mit Scheidenpilzen, ohne sie zu bemerken. Erst wenn sich die Pilze stark vermehren, werden sie lästig.

Wer bekommt eine Pilzinfektion?

Statistisch gesehen hat jede Frau einmal pro Jahr eine Pilzinfektion. Besonders häufig sind Frauen im gebärfähigen Alter und Schwangere betroffen. Vor der Pubertät und nach den Wechseljahren treten die Infektionen nur noch selten auf. Bei etwa fünf Prozent meiner Patientinnen besteht eine immer wiederkehrende Form der Pilzerkrankung (medizinisch: chronische Mykose), die mit einem hohen Leidensdruck und einem Verlust der Lebensqualität einhergehen kann.

Viele Frauen, die ich therapiere, wissen nicht, dass die natürliche Scheidenflora nicht keimfrei ist. Auch bei gesunden, beschwerdefreien Frauen finden sich im Scheidensekret geringe Mengen verschiedener Bakterien sowie vereinzelt auch Hefepilze.

Die "guten" Milchsäurebakterien sind normalerweise sogar in großer Menge vorhanden. Sie sorgen für ein saures Scheidenmilieu, das vor Infektionen schützt. Die Anzahl der Milchsäurebakterien steuert das weibliche Sexualhormon Östrogen: Produziert unser Körper viel Östrogen, etwa in der ersten Zyklushälfte oder zu Beginn einer Schwangerschaft, sind wir für Infektionen weniger anfällig als während der Periode, wenn wir mit der Pille verhüten oder nach den Wechseljahren.

Was begünstigt eine Pilzinfektion?

Oft sind Frauen, bei denen ich eine Pilzinfektion diagnostiziere, peinlich berührt und können nicht verstehen, wie es dazu kommen konnte, obwohl sie doch so auf die Hygiene im Intimbereich achten. Dabei ist gerade die übertriebene Hygiene ein Risiko für Infektionen, da sie die natürlichen Schutzmechanismen der Scheide zerstört. Ich rate deshalb meinen Patientinnen davon ab, Intimwaschlotinen oder -deosprays zu benutzen.

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Über die Autorin

Dr. med. Stefanie Grözinger arbeitet als Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe in Reutlingen. Seit mehreren Jahren engagiert sie sich zudem für die Ärztliche Gesellschaft zur Gesundheitsförderung e.V., die Informationsveranstaltungen in Schulen durchführt.

Vaginalmykosen können sexuell übertragen werden. Gelegentlich stecken Frauen sich auch im Whirlpool, in der Sauna oder im Hallenbad an. Begünstigt werden Scheidenpilze durch alles, was das Immunsystem schwächt: privater und beruflicher Stress, chronische Erkrankungen oder Rauchen. Hormone spielen ebenfalls eine Rolle. Leidet eine Frau, die die Pille nimmt, unter ständig wiederkehrendem Scheidenpilz, rate ich ihr, auf eine andere Pille oder eine andere Verhütungsmethode umzusteigen.

Sehr häufig kommt es im Anschluss an eine längere Antibiotika- oder Kortisontherapie zu Pilzinfektionen. Antibiotika töten nämlich nicht nur die krankheitserregenden Bakterien ab, sondern auch die schützenden Milchsäurebakterien der Scheidenflora. So können sich die in der Scheide angesiedelten Hefepilze vermehren.

Stoffwechselerkrankungen, insbesondere der Diabetes mellitus, sind ein Risikofaktor für chronische Mykosen. Die erhöhten Zuckerwerte beim Diabetes führen auch zu einem vermehrten Zuckerangebot in der Scheide - ein idealer Nährboden für Pilze.

Diese Beschwerden deuten auf eine Pilzinfektion hin:

Bei jüngeren Frauen beginnt die Infektion in der Regel in der Vagina und breitet sich dann aus. Ältere Frauen leiden vorwiegend unter einem Pilzbefall des äußeren Genitalbereichs. Fast jede Frau mit einer Pilzinfektion klagt über einen mehr oder weniger ausgeprägten Juckreiz im Intimbereich. Bei einer akuten Vaginalmykose beobachten sie oft ein Brennen, auch beim Wasserlassen, sowie einen vermehrten "komischen" Ausfluss (medizinisch: Fluor). Dieser Ausfluss ist zu Beginn der Infektion dünnflüssig-weißlich und säuerlich riechend, später flockig und von "käsiger" Konsistenz. Die Scheide ist gerötet und geschwollen. Häufig sind auch weiße Beläge im Scheidenbereich zu erkennen.

Bei einem chronisch-rezidivierenden Scheidenpilz (dieser liegt vor, wenn eine Frau mehr als vier Mal in einem Jahr im Abstand von acht Wochen daran erkrankt) fehlt der Ausfluss oft gänzlich. Das einzige Symptom ist meist der Juckreiz, der zyklisch vor der Periode oder nach dem Geschlechtsverkehr auftritt. Einige der betroffenen Frauen beklagen, dass es durch die Erkrankung zu Problemen in der Partnerschaft gekommen sei. Sie empfinden Sex als unangenehm und schmerzhaft. In manchen Fällen legt die Angst vor einer Ansteckung die sexuelle Lust lahm. Hinzu kommt oft das Gefühl, die Beschwerden würden nicht ernst genommen - sei es vom Partner, von Freundinnen oder leider auch von uns Ärzten.

So stelle ich fest, ob eine Pilzinfektion vorliegt:

Über 80 Prozent der Scheidenpilzinfektionen werden durch den Hefepilz "Candida albicans" verursacht. Die restlichen 20 Prozent verteilen sich auf andere Candida-Stämme und sehr seltene Pilzarten. Relativ häufig stelle ich auch eine Mischinfektion fest. Hier zeigen sich bei der mikroskopischen Untersuchung des Vaginalsekrets neben den typischen Pilzerregern noch vermehrt spezifische Bakterien wie etwa Gardnerella vaginalis.

Akute Pilzinfektionen kann ich anhand der geschilderten Symptome und einer kurzen Untersuchung schnell diagnostizieren. Dabei schaue ich zunächst den äußeren Genitalbereich sowie die Scheide an und achte auf Entzündungszeichen wie Rötung, Schwellung, Kratzspuren und vermehrten Ausfluss. Mit einem Wattestäbchen entnehme ich etwas Scheidensekret, um es mikroskopisch zu untersuchen. Zusätzlich überprüfe ich mithilfe eines speziellen Streifens den pH-Wert in der Scheide. Normalerweise liegt er im sauren Bereich zwischen 4,0 und 4,4. Eine Verschiebung des pH-Wertes kann auf einen Mangel an Milchsäurebakterien oder eine zusätzliche bakterielle Infektion hinweisen.

Besteht ein Verdacht auf eine chronische Pilzinfektion, schicke ich eine Probe des Scheidensekrets in ein Labor. Dort lasse ich zusätzlich zu einer Pilzkultur das Vaginalsekret auf Bakterien und Viren untersuchen. Das Ergebnis liegt nach knapp einer Woche vor und zeigt mir, ob bei meiner Patientin tatsächlich eine Pilzinfektion und nicht eine andere Infektion vorliegt. Durch die genaue Bestimmung des Erregers kann ich die wirksamste Therapie auswählen. Werden keine Pilze oder Keime nachgewiesen, muß ich andere Ursachen für den chronischen Juckreiz in Betracht ziehen. So können die Beschwerden beispielsweise auch durch einen Östrogenmangel wie nach den Wechseljahren oder psychisch bedingt sein.

Wie lässt sich eine Pilzinfektion therapieren?

Die akute Vaginalmykose können Frauen, auch in der Schwangerschaft, lokal mit Scheidenzäpfchen und einer Creme, die den Wirkstoff Clotrimazol enthält, behandeln. Clotrimazol hat ein breites Wirkspektrum gegen Candida-Pilze und auch eine antibakterielle Wirkung. Alle Darreichungsformen (Ein-, Drei- oder Sechs-Tage-Therapie) sind gleich gut wirksam.

Ich verordne gerne die Ein-Tages-Therapie. Sie hat den Vorteil, dass nur ein einziges Vaginalzäpfchen eingeführt werden muss, das über 72 Stunden wirkt. Durch die zusätzliche Kombination mit Milchsäure werden die Beschwerden sehr schnell gelindert. Trotzdem kann es auch bei der Ein-Tages-Therapie bis zu drei Tage dauern, bis die Symptome komplett abgeklungen sind. Da diese Präparate rezeptfrei in der Apotheke zu bekommen sind, können sich Frauen bei entsprechenden Beschwerden durchaus selbst behandeln - was sehr praktisch ist, da es viele Frauen gerade am Wochenende oder in den Ferien trifft.

Eine chronische Scheidenpilzinfektion wird in der Regel oral mit Tabletten behandelt, denn meist wird mittels der Pilzkultur ein anderer Hefepilz nachgewiesen, der nicht auf Clotrimazol anspricht. Hier setze ich gerne Tabletten mit dem Wirkstoff Fluconazol als Dauertherapie über mehrere Wochen bis Monate ein, um ein Wiederauftreten des Pilzes zu verhindern.

Eine andere Möglichkeit der sogenannten Rezidivprophylaxe ist eine Impfung mit Lactobacillus-Vakzine. Nach der Grundimmunisierung mit drei Dosen sollte alle 6 bis 12 Monate eine Auffrischimpfung erfolgen, um den Schutz aufrechtzuerhalten. Die Kosten für die Impfstoffe (Grundimmunisierung ca. 65 Euro, Auffrischung ca. 25 Euro) muss die Patientin selbst tragen. Die Wirkung einer solchen Impfung ist wissenschaftlich nicht bewiesen, aber meine Erfahrung zeigt, dass viele Frauen von einer Immunisierung profitieren.

Muss der Partner auch behandelt werden?

Tritt die Pilzinfektion einmalig auf, etwa nach der Einnahme von Antibiotika, muss der Partner eigentlich nicht therapiert werden. Trotzdem fühlen sich die Frauen oft sicherer, wenn ihr Partner prophylaktisch auch für drei Tage eine Creme benutzt. Dagegen ist nichts einzuwenden, zumal viele Männer keinerlei Symptome haben, wenn sie an einem Pilz erkranken. Kommt es aber bei einem neuen Partner immer wieder nach dem Geschlechtsverkehr zu Vaginalmykosen, sollte er sich unbedingt von einem Urologen untersuchen lassen. Zum Schutz vor Ansteckung empfehle ich, beim Geschlechtsverkehr ein Kondom zu benutzen.

Was sonst noch hilft:

Oft werde ich gefragt, ob eine zusätzliche Therapie mit Milchsäurezäpfchen oder Joghurt sinnvoll sei. Bei einem reinen Scheidenpilz ist dies meist nicht nötig, da die Vaginalflora bei diesen Patientinnen fast immer gesund ist. Anders verhält es sich bei den sogenannten Mischinfektionen: Hier macht nach der Therapie eine Ansäuerung des Scheidenmilieus durchaus Sinn. Für die gereizte Haut im äußeren Scheidenbereich empfehle ich zudem eine fetthaltige, parfümfreie Creme. Auch Sitzbäder mit Kamille lindern den Juckreiz. Da Geschlechtsverkehr die Haut im Genitalbereich zusätzlich reizt, macht es Sinn, für ein paar Tage drauf zu verzichten.

Pilze lieben warme, feuchte Milieus. Damit sie sich nicht weiter ausbreiten können, sollten Frauen luftdurchlässige Unterwäsche tragen und auf enge, synthetische Kleidung verzichten. Auch Binden und Slip-Einlagen sollten stets luftdurchlässig und ohne Zusätze wie Aloe Vera sein, denn sie können allergische Reaktionen und starken Juckreiz hervorrufen. Zur Intimhygiene ist jede normale Seife geeignet, allerdings nur für den äußeren Scheidenbereich! Eine intravaginale Anwendung würde das Scheidenmilieu schwächen. Unterwäsche und Handtücher sollten oft gewechselt und bei mindestens 70 Grad gewaschen werden, um die Pilze abzutöten.

Ist die Haut im äußeren Scheidenbereich durch eine Infektion extrem gereizt, empfehle ich, den Intimbereich nach dem Waschen und nach jedem Toilettengang trocken zu föhnen. Die Haut weist dann meist eine starke Rötung mit kleinen Rissen oder auch Bläschen auf. Das Abtrocknen mit einem Handtuch oder Abwischen mit Klopapier würde die Haut jedes Mal erneut reizen und so die Abheilung verzögern. Föhnen ist in diesen Fällen wesentlich angenehmer und schmerzfreier.

  • Text: Dr. med. Stefanie Grözinger
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