Prämenstruelles Syndrom
PMS - die Qual vor den "Tagen"

Viele Frauen fürchten die "Tage vor den Tagen", weil sie sich dann unwohl fühlen und leicht reizbar sind. Die Gynäkologin Stefanie Grözinger erklärt das PMS - und was dagegen hilft.

Foto: thinkstock

PMS - was ist das eigentlich?

Etwa jede vierte Frau im gebärfähigen Alter, die meine Praxis aufsucht, leidet wenige Tage vor der Monatsblutung unter einem prämenstruellen Syndrom (PMS). Die Patientinnen klagen über Symptome, die ihren Körper, die Stimmung, das Verhalten und die Psyche betreffen. Typischerweise tritt das PMS in der zweiten Zyklushälfte, also etwa ein bis zwei Wochen vor der Periode auf und verschwindet mit Beginn der Periodenblutung wieder.

Bei einigen Frauen ist der Verlauf des PMS so schwer, dass man medizinisch von einer prämenstruellen dysphorischen Störung ("premenstrual dysphoric disorder", PMDD) spricht. Dabei sind psychische Symptome wie etwa Depressionen, Reizbarkeit, Aggressivität und Antriebslosigkeit so ausgeprägt, dass ein immenser Leidensdruck besteht. In einigen Fällen kann dies zu zeitweiliger Arbeitsunfähigkeit führen.

Wer bekommt PMS?

Die genaue Ursache für PMS ist bis heute unbekannt. Man nimmt an, dass die Symptome durch die natürlichen Hormonschwankungen im Zyklus bedingt sind und dass Frauen unterschiedlich empfindlich darauf reagieren. Auch soll der Lebensstil - Ernährung, Stress, Bewegung - den Schweregrad des PMS beeinflussen. Das prämenstruelle Syndrom ist zwar für die Betroffenen äußerst unangenehm, aber nicht gefährlich.

Im Unterschied zu einem ausgeprägten PMS oder PMDD müssen leichtere prämenstruelle Beschwerden, die fast jede Frau kennt, nicht behandelt werden. In der Schwangerschaft und nach den Wechseljahren gibt es kein PMS. Allerdings berichten einige meiner Patientinnen kurz vor und zu Beginn der Wechseljahre von einer deutlichen Zunahme der Beschwerden. Dies hängt mit den noch größeren Hormonschwankungen durch die nachlassende Eierstockfunktion zusammen. Zudem überlagern sich die PMS-Symptome mit Wechseljahresbeschwerden.

Welche Beschwerden sind typisch für ein PMS?

Die Beschwerden, mit denen meine Patientinnen zu mir kommen, sind sehr vielfältig und von Frau zu Frau verschieden. Zu den häufigsten körperlichen Symptomen zählen empfindliche oder spannende Brüste, Rückenschmerzen, Heißhungerattacken, Verdauungsprobleme, ein Blähbauch sowie eine Gewichtszunahme durch Wassereinlagerungen in Beinen und Händen.

Bei anderen Patientinnen beeinträchtigt das PMS ihre Stimmung und Psyche: Antriebslosigkeit, Konzentrationsprobleme, depressive Verstimmungen und auch Schlafstörungen erleben viele Betroffene. So schilderte mir einmal eine 35-jährige Patientin sehr eindrucksvoll: "Etwa zehn Tage vor meiner Periode werde ich plötzlich extrem launisch. Ich raste dann bei jeder Kleinigkeit aus und fühle mich mit allem überfordert. Bei der Arbeit bin ich unkonzentriert, mache Fehler. Außerdem bin ich in der Zeit extrem empfindlich und spüre eine Traurigkeit in mir, für die es eigentlich keinen Grund gibt. Ich fühle mich machtlos und wie eine Fremde in meinem Körper."

Dieses Beispiel zeigt nicht nur den hohen Leidensdruck der betroffenen Frauen, sondern auch, dass das PMS zu Spannungen im sozialen Umfeld der Patientinnen führen kann.

So stelle ich fest, ob ein PMS vorliegt:

Meist reicht ein Gespräch, um die Diagnose PMS zu stellen. Sehr hilfreich ist es für mich, wenn die Patientin über zwei Monatszyklen Tagebuch über ihre Beschwerden führt. Je nach Art der Symptome ist auch eine Blutabnahme in der zweiten Zyklushälfte sinnvoll, um den Progesteronspiegel (Gelbkörperhormon, Gestagen) zu bestimmen.

Wie lassen sich die PMS-Beschwerden lindern?

Da sich das prämenstruelle Syndrom in so vielen verschiedenen Symptomen äußert, gibt es auch entsprechend viele Behandlungsmethoden. Ein individuelles Vorgehen ist hier sehr wichtig! Bei der Wahl der Therapie berücksichtige ich neben den Beschwerden auch das Alter der Patientin, eventuell bestehende andere Erkrankungen, die Einstellung zu einer Hormontherapie und den Lebensstil.

Foto: privat

Über die Autorin

Dr. med. Stefanie Grözinger arbeitet als Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe in Reutlingen. Seit mehreren Jahren engagiert sie sich zudem für die Ärztliche Gesellschaft zur Gesundheitsförderung e.V., die Informationsveranstaltungen in Schulen durchführt.

Patientinnen unter 35 Jahren empfehle ich gerne die Pille, sofern keine Kontraindikation für die Einnahme besteht. Dadurch werden die Eierstöcke "ruhiggestellt" und somit die natürlichen Hormonschwankungen unterdrückt. Um Beschwerden während der einwöchigen Pillenpause zu vermeiden, ist eine Einnahme im Langzyklus zu erwägen. Dabei wird die Pille immer für drei bis sechs Monate durchgenommen.

Bei Frauen über 35 Jahren versuche ich eine Behandlung mit einer östrogenfreien Pille, denn bei einer Neueinstellung mit einer Kombinationspille (synthetisches Östrogen und Gestagen) haben sie ein erhöhtes Risiko für einen Gefäßverschluss (Thromboembolie). Die östrogenfreie Pille wird durchgehend eingenommen.

Gegen Brustschmerzen hilft meist das Auftragen eines Progesteron-Gels und/oder die Einnahme von Mönchspfeffer (agnus castus) in Tabletten- oder Tropfenform. Es gibt auch verschiedene homöopathische Kombinationspräpate, die ich gerne denjenigen empfehle, die keine Hormone nehmen dürfen oder wollen. Wie bei allen homöopathischen Mitteln ist jedoch zu beachten, dass die Wirkung erst nach vier bis sechs Wochen Anwendung eintritt. Nachtkerzenöl und Johanniskraut sind eher unwirksam beim PMS.

Gestagene in der zweiten Zyklushälfte verordne ich nur bei einem im Blut nachgewiesenen Mangel am Gelbkörperhormon. Patientinnen mit einem Gestagenmangel leiden besonders unter Brustspannen und Wassereinlagerungen, aber kaum unter psychischen Symptomen.

Der Gabe von Antidepressiva bei schweren, PMS-bedingten Depressionen stehe ich kritisch gegenüber, denn die Nebenwirkungen sind nicht unerheblich: Blutbildveränderungen, Leberfunktionsstörungen, Mundtrockenheit, Libidoverlust und Gewichtszunahme sind nicht selten. Kommen Antidepressiva zum Einsatz, sollten sie maximal sechs Monate eingenommen werden. Mit dem Absetzen kehren leider auch die Symptome zurück. Eine Alternative zur Linderung depressiver Verstimmungen ist die Einnahme von Vitamin B6 (50 mg/Tag). Auch Vitamin D (0,025 mg/Tag) und Fisch-Öl-Kapseln (1-2 g der Omega-3-Fettsäuren DHA/EPA pro Tag) können eine Depression, Brust- und Bauchschmerzen sowie Gewichtszunahme positiv beeinflussen.

Der letzte, aber nicht unbedeutende Therapieansatz betrifft den Lebensstil der Patientin. So führten bei einigen meiner Patientinnen bestimmte Veränderungen im Alltag zu einer deutlichen Verbesserung ihrer Beschwerden. Dazu gehören das Erlernen von Entspannungstechniken (z.B. Autogenes Training, Tai-Chi, progressive Muskelentspannung) regelmäßiger Sport (mehrmals pro Woche), Gewichtsreduktion (Übergewicht fördert PMS) sowie ausreichend Schlaf. Bei der Ernährung kann ein Verzicht auf Kaffee, Cola, Nikotin, Zucker und Salz in der zweiten Zyklushälfte besonders gegen Wassereinlagerungen und Brustschmerzen helfen.

Den eigenen Lebensstil zu verändern, fällt vielen Frauen ohne fachliche Unterstützung schwer. Deswegen hat der Fachbereich Psychologie der Philipps-Universtät Marburg im Jahr 2013 ein vielversprechendes Selbsthilfetraining, das "prämensis"-Programm, entwickelt. Basierend auf einer kognitiven Verhaltenstherapie sollen Betroffene anhand verschiedener Module lernen, besser mit ihren prämenstruellen Beschwerden umzugehen und erkennen, was ihnen persönlich am besten hilft. Das kostenlose Programm richtet sich an Frauen zwischen 18 und 45 Jahren, dauert etwa acht Wochen und kann bequem von zu Hause aus durchgeführt werden.

  • Text: Dr. med. Stefanie Grözinger
    Redaktion: Nicole Wehr
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