Frauengesundheit
PMS-Beschwerden: Gibt's doch gar nicht?

Vielen Frauen machen PMS-Beschwerden das Leben schwer: Schlechte Laune und Schmerzen - so sehen bei ihnen die Tage vor den Tagen aus. Jetzt vermuten Wissenschafter: Das prämenstruelle Phänomen ist nur ein Mythos.

Foto: Yuri Arcurs/Fotolia.com

Kennen Sie das? Sie kritisieren in der Konferenz den Vorschlag Ihres Kollegen, und beim Rausgehen hören Sie, wie er beleidigt über Sie sagt: "Mann, ist die zickig, bestimmt bekommt sie ihre Tage". Der Kollege spielt auf das prämenstruelle Syndrom (PMS) an, die "Tage vor den Tagen", an denen jede vierte bis fünfte Frau durch die Hormonschwankungen deutliche körperliche und psychische Beschwerden spürt. Gerne werden inzwischen klischeehaft alle Stimmungsschwankungen auf die Hormone geschoben und im Bedarfsfall als verbale Waffe benutzt – mit echtem PMS hat das in der Regel wenig zu tun.

Oft sind die von PMS betroffenen Frauen niedergeschlagen und gereizt, manchmal spannt die Brust oder der Rücken schmerzt. Dass solche negativen körperlichen Symptome mit dem Zyklus und damit mit der Fruchtbarkeit der Frau in Zusammenhang gebracht werden, störte ein Forscherteam um die Neuseeländerin Sarah Romans. Die Wissenschaftler wollten herausfinden, ob der Zyklus wirklich etwas mit der Stimmung zu tun hat und durchstöberten dafür 47 englischsprachige Studien. Lediglich 7 der untersuchten Studien bestätigten, dass es diesen Zusammenhang gibt.

Daraus schlussfolgerte das Forscherteam, dass ein überzeugender Nachweis für die Existenz von PMS fehlt. Kann man so sehen. Und es hätte durchaus Vorteile: Zum Beispiel, dass dämliche Sprüche, wie die vom Kollegen, künftig tabu wären.

Der Haken: Die Tatsache, dass man ein Phänomen nicht eindeutig nachweisen kann, bedeutet nicht, dass es nicht existiert. Gynäkologen wissen aus der Praxis, dass es PMS gibt und die Frauen, die darunter leiden, auch – fehlender wissenschaftlicher Nachweis hin oder her.

Und was lernen wir daraus? Dass es uns egal sein kann, ob es gerade angesagt ist, alle Stimmungsschwankungen auf PMS zu schieben oder – im Gegenteil - zu behaupten, PMS existiere nicht. Der eigene Körper ist der beste Ratgeber, und wir sollten uns die Zeit nehmen, ihm zuzuhören und den Dingen auf den Grund zu gehen. Denn nicht an jeder Stimmungsschwankung ist PMS schuld - auch die längst überfällige Trennung vom Partner oder der zu eng getaktete Alltag ohne Freiräume können uns die Laune verderben.

  • Artikel vom 05.12.2012
    Text: Monika Herbst
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