Special Schön und gesund in der Schwangerschaft

Pränataldiagnostik: Wollen wir wirklich alles wissen?

"Sie bekommen ein gesundes Kind." Diesen Satz möchte wohl jede Schwangere gern hören. Doch sind die Untersuchungen des Babys im Mutterleib wirklich sinnvoll - oder bringt Pränataldiagnostik nur neue Unsicherheit?

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In diesem Artikel:

Nadja E. (32) sitzt auf dem Boden, ihre Tochter Emilia (1) hangelt sich auf unsicheren Beinchen am Sofa entlang und lässt sich mit fröhlichem Quietschen auf den Schoß ihrer Mutter fallen. Wieder einen neuen Quadratmeter des Wohnzimmers erobert!

Eine alltägliche kleine Szene. Doch die erste Hälfte ihrer Schwangerschaft war für Nadja ein Horror. "In der 13. Schwangerschaftswoche ist meinem Arzt bei der Nackenfalten-Untersuchung etwas aufgefallen", erzählt sie. Die Dicke des Flüssigkeitspolsters im Nacken liege über dem Grenzwert, sagte der Arzt. "Damit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Kind behindert ist. Down-Syndrom."

Es folgte ein Untersuchungsmarathon, der mit einer Fruchtwasseruntersuchung endete. Das Ergebnis: Nadjas Ungeborenes leidet nicht an Trisomie 21, auch Down-Syndrom oder im Volksmund Mongolismus genannt. Aber Nadja war um viele schlaflose Nächte, Stunden voller Angst und eine Erkenntnis reicher: "Beim nächsten Kind mache ich mir vorher Gedanken, welche Untersuchungen überhaupt notwendig und sinnvoll sind. Denn auch ein Down-Kind hätte ich wohl nicht abtreiben lassen. Ich hatte doch schon sein pochendes Herz, seine kleinen Hände und Füße gesehen. Wozu also das alles?"

Nur wenige Frauenärzte stellen ihren schwangeren Patientinnen diese Frage. Was machbar und möglich ist in der pränatalen (=vorgeburtlichen) Diagnostik, wird angeboten. Und von vielen Frauen auch nachgefragt.

Klar, jede Schwangere hätte gern die Gewissheit, ein gesundes Kind zur Welt zu bringen. Die gibt es nur leider nicht. "Früher waren die Frauen guter Hoffnung. Heute erwarten Sie ein Kind", sagt die Hamburger Gynäkologin Wiebke van der Linde. Sie behandelt und berät täglich Schwangere in der Praxisklinik Winterhude. "Viele Frauen glauben, dass wir mit unseren diagnostischen Möglichkeiten eindeutig voraussagen können, ob ein Kind krank oder behindert ist. Das ist aber nur bei wenigen genetischen Defekten wie dem Down-Syndrom so. Und das auch erst nach einer Fruchtwasseruntersuchung. Auch die Schwere der Krankheit kann man oft nicht beurteilen."

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  • Text: Bettina Laude
    Foto: Corbis
Letzte Kommentare
  • schattenbunt
    am 03.01.11 um 09:38
    Pränataldiagnostik ist wichtig, richtig und sinnvoll, auch wenn ein Schwangerschaftsabbruch immer schmerzvoll ist und man sich der möglichen Konsequenzen auf jeden Fall vorab bewusst sein muss! Gerade in meiner zweiten Schwangerschaft war es für meinen Mann und mich eine Selbstverständlichkeit, die diagnostischen Möglichkeiten wahrzunehmen. Zwar hätten wir natürlich ein anderes Ergebnis erhofft als eine Trisomie 18, aber der Horror des Abbruchs war in der 16 Woche, also bevor das Kind sehr spürbar und der Bauch richtig da war, sicher leichter zu verkraften als später.
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