Spätaufsteher leiden an chronischem Jetlag

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Früher wurden Spätaufsteher als Faulpelze belächelt. Heute bekommen sie verstärkt Rückendeckung aus der Wissenschaft - von den Chronobiologen. Die Chronobiologen wollen herausfinden, warum unser Schlafrhythmus unterschiedlich ist. Und sie wollen darüber aufklären, welche Folgen es hat, die innere Uhr auf Dauer zu ignorieren.

In einer aktuellen Studie hat ein Forscherteam um Professor Till Roenneberg vom Zentrum für Chronobiologie der Ludwig-Maximilian-Universität (LMU) München, herausgefunden, dass ein Verhalten gegen die innere Uhr zu einer chronischen Form des Jetlags führt.

Welche Bedeutung hat die innere Uhr?

Ob jemand Früh- oder Spätaufsteher ist, hängt von bestimmten Genen ab, deren Funktion vom Licht beeinflusst wird. Das Licht stellt unsere innere Uhr auf den Tag- und Nachtrhythmus ein. Da wir immer weniger Zeit im Freien verbringen, hat unsere innere Uhr zunehmend Probleme, sich richtig einzustellen.

Selbst an bedeckten Tagen bekommen wir im Freien 16 Mal mehr Licht ab als im Büro oder in der Wohnung. An Sonnentagen sind es sogar 200 Mal mehr. Je schwächer das Licht, desto später ist bei den meisten Menschen auch die innere Uhr. Es ist, als würden wir ständig im Dunkeln leben.

Welcher Schlaftyp bin ich?

Würde sich der Mensch ausschließlich nach seiner inneren Uhr richten, läge die durchschnittliche Schlafzeit zwischen 0.15 Uhr und 8.15 Uhr - das haben Umfragen des Zentrums für Chronobiologie der ergeben. Das ist also der Normaltyp. Zwei von drei Menschen sind Normal- oder Spättypen, sagt Thomas Kantermann aus dem Forscherteam des Zentrums für Chronobiologie.

Das heißt, der größere Teil der Bevölkerung würde am liebsten erst um 8.15 Uhr aufstehen, oder später. Da unsere Arbeits- und Schulzeiten eher an die Minderheit der Frühaufsteher ("Lerchen") angepasst sind, können die Normal- und Spättypen ("Eulen") ihrer inneren Uhr jedoch oft nicht gerecht werden.

Welche Folgen hat das Leben gegen die innere Uhr?

Je später der Chronotyp, desto schwerer fällt es, die sozialen Zeitpläne einzuhalten. "Eulen zeigen die größte Differenz zwischen ihren Schlafzeiten an Arbeits- und an freien Tagen", erklärt Chronobiologe Till Roenneberg. Er spricht von einem "sozialen Jetlag".

"Der soziale Jetlag kann weit reichende Folgen für die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit der Betroffenen haben. Er ist dem Jetlag vergleichbar, den wir nach Flügen über Zeitzonen erfahren, nur begleitet er die Betroffenen meist ein Leben lang", sagt Roenneberg. Die biologische Uhr und die gesellschaftliche Uhr stehen in einem Dauerkonflikt. Viele Eulen berichten von geringer Schlafqualität und Müdigkeit am Tag.

Und das hat Folgen: Roenneberg hat 500 Versuchspersonen nach ihrem Schlafverhalten und nach dem Konsum von Nikotin und Alkohol befragt. Das Ergebnis: "Je stärker der soziale Jetlag, desto eher greifen Individuen nach Stimulanzien", sagt Roenneberg.

Übrigens leiden nicht nur Eulen unter sozialem Jetlag. Auch Lerchen können betroffen sein, wenn sie zum Beispiel am Wochenende zu lange mit den Eulen feiern und am nächsten Tag trotzdem aufgrund ihrer inneren Uhr früh aufwachen und damit zu wenig Schlaf bekommen.

Wie kann ich meinen Schlaf beeinflussen?

Chronobiologen wie Roenneberg fordern, die Schul- und Arbeitszeiten mehr der inneren Uhr anzupassen.

Die Alternative: Man kann versuchen, die innere Uhr zu beeinflussen. Wer abends nicht müde wird, sollte - wenn möglich - vermehrt morgens und mittags nach draußen gehen und sich dem Licht aussetzen. Nachmittags und abends sollten die Eulen helles Licht dagegen meiden.

Thomas Kantermann rät, nach Möglichkeit unter der Woche und auch am Wochenende früher ins Bett zu gehen und den Wecker auf Sonnenaufgangszeit zu stellen, um zu versuchen, die innere Uhr langfristig umzuprogrammieren. Der Wecker würde dann aber auch am Sonntagmorgen schon um 6 Uhr oder früher klingeln - keine schöne Vorstellung für Eulen.

Die Schlaf-Experten:

Professor Till Roenneberg

Professor Till Roenneberg

Thomas Kantermann

Thomas Kantermann

Weitere Informationen rund um das Thema Schlaf finden Sie in unserer Schlaf-Serie weiter.

Monika Herbst

Wer hier schreibt:

Monika Herbst
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