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Partnerschaft
Kein Spaß beim Sex?

Wenn Sex keinen Spaß macht, steckt oft ein medizinisches Problem dahinter. Doch meist suchen wir nur nach psychischen Ursachen. Was hilft wirklich?

Sex bringt Ihnen mehr Schmerzen und Selbstzweifel als Freude und Lust? Wahrscheinlich haben Sie Angst vor Nähe ... In den letzten Jahren hat sich die Versuchung breit gemacht, bei allen möglichen Problemen zuerst nach den psychischen Ursachen zu forschen.

Dabei hat sich die Wissenschaft längst von der Idee verabschiedet, dass die Psyche die unangefochtene Hauptrolle spielt: Es ist heute nachweisbar, dass Seele und Körper einander beeinflussen - wechselseitig. Geprägt und verändert werden beide unter anderem von genetischen, biologischen, hormonellen, sozialen und Umweltfaktoren.

Darüber, dass man "zwischen den Ohren" sehr wohl möchte, aber "zwischen den Beinen" womöglich nicht kann, darüber schweigen wir. Oder tun so, als ginge es nur andere an. Nun gut. Gehen eben die anderen zum Arzt und lassen sich beraten. Es soll ja Probleme geben, deren Ursachen nicht psychisch sind. Klingt langweilig. Ist aber entlastend, oder?

Fünf Probleme, fünf Lösungen

  • "Ich habe Schmerzen beim Sex, tief in mir drinnen."
    Manchmal passen Penis und Scheide in der Größe einfach nicht gut zusammen. Häufig ist aber auch eine Senkung der Gebärmutter schuld, wenn der Penis hinten schmerzhaft anstößt. Hier hilft oft ein simpler Wechsel der Stellung: wenn der Po der Frau angehoben wird (entweder von Partner oder mit einem untergelegten Kissen), rutscht die Gebärmutter nach oben, und die Schmerzen sind weg. Ungünstig ist es dagegen, wenn die Frau beim Sex auf dem Mann sitzt. Ein Besuch bei Frauenarzt oder Frauenärztin kann klären, ob die Senkung behandelt werden muss, zum Beispiel mit gezielter beckenbodengymnastik.
  • "Ich werde einfach nicht feucht."
    Wenn eine Frau richtig Lust auf Sex hat, und die Scheide bleibt trotzdem trocken, gibt es zwei mögliche Gründe: Hormonmangel oder Probleme mit der Durchblutung im Unterleib. Bei Frauen, die stillen, und während bzw. direkt nach der Regel wird die Scheide nicht so leicht feucht. Auch Frauen nach den Wechseljahren bleiben oft trocken, obwohl sie erregt sind. Das liegt am Östrogenmangel. Beim Sex hilft dann ein Gleitmittel aus der Apotheke. Gute Präparate fühlen sich nicht kalt an und brennen nicht. Auch im Sexshop gibt es Gleitmittel, die sind aber oft penetrant parfümiert. Den Hormonmangel durch die Wechseljahre können (rezeptpflichtige) Östrogencremes für die Scheide ausgleichen. Viele Frauen sind auch mit Sojapräparaten oder anderen pflanzlichen Tabletten gegen Wechseljahrsbeschwerden sehr zufrieden.

    Ziemlich neu ist die Theorie, dass die Scheide trocken bleibt, weil Vagina und Klitoris schlecht durchblutet sind. Obwohl sie noch nicht endgültig bewiesen ist, gibt es (vor allem über das Internet) bereits viele Präparate, die besseren Sex durch bessere Durchblutung versprechen: gefäßerweiternde Prostaglandin-Cremes zum Beispiel, mit denen Klitoris, Scheideneingang und Schamlippen eingecremt werden, oder verschiedene pflanzliche Mittel. Ziemlich skurril ist eine kleine Vakuumpumpe, die kürzlich in den USA als Medizinprodukt zugelassen wurde und für rund 360 Dollar vertrieben wird. Damit sollen Frauen mehrmals in der Woche ihre Klitoris bearbeiten, um sie zu vergrößern und besser stimulierbar zu machen.

    Anders als bei Viagra für Frauen, das ebenfalls auf die Durchblutung abzielt, gibt es zu diesen Mitteln aber kaum Untersuchungen. Deshalb ist nicht klar, was sie wirklich bringen und ob sie womöglich schaden können. Unter Experten sind all diese Methoden darum heftig umstritten, viele sehen darin reine Geschäftemacherei. Akzeptabel sind sie am ehesten für Frauen, die wirklich gravierende Durchblutungsprobleme haben, zum Beispiel nach einer Bestrahlung oder Operation des Unterleibs. Übrigens: Wer etwas für die Durchblutung der Geschlechtsorgane tun will, sollte vor allem nicht rauchen.
  • "Da ist so ein Druck im Becken."
    Das kann einen ganz schön irritieren: ein komisches Gefühl beim Sex, tief im Becken. Dann wird auf jeden Fall ein Arztbesuch fällig. Denn hinter solchen Empfindungen verbirgt sich manchmal eine Gewebswucherung - meist gut-, manchmal aber auch bösartig. In Frage kommen zum Beispiel Myome (gutartige Tumore der Gebärmuttermuskulatur), Eierstockzysten, Endometriose (Wucherungen von Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter), Verwachsungen oder Darmtumore. Eine Tastuntersuchung, ergänzt durch Ultraschall und eventuell eine Bauchspiegelung, bringt hier Klarheit.
  • "Seit kurzem habe ich das Gefühl, viel zu eng zu sein."
    Dass eine gesunde erwachsene Frau zu eng gebaut ist, das gibt es praktisch nicht. Trotzdem kann Sex rein körperlich unmöglich sein. Häufig steckt dahinter ein Vaginismus, das ist eine unwillkürliche Verkrampfung der Muskeln am Scheideneingang. Die Ursachen dafür sind sehr verschieden, oft hat der Sex irgendwann einmal weh getan, und daraus hat sich Angst und Abwehr entwickelt. Bei manchen Frauen ist die Verkrampfung so extrem, dass sie auch keine Tampons benutzen können.

    Hier kann es helfen, wenn sich Betroffene in aller Ruhe mit ihrem Körper beschäftigen und entweder mit dem Finger oder mit dazu gedachten abgerundeten Stäben (von der Frauenärztin) ein Gefühl für die Weite der Scheide entwickeln. Das ist keine Dehnungsbehandlung, denn die Scheide ist ja nicht zu eng, sondern eher eine Methode, den eigenen Körper kennen zu lernen. Ebenfalls gut: ein Beckenbodentraining mit Anspannen und Loslassen der Muskulatur im Wechsel (so genannte Kegelübungen) und Entspannungsübungen wie autogenes Training. Begleitend kann eine Psychotherapie sinnvoll sein.
  • "Es brennt so!"
    Ziemlich wahrscheinlich, dass dahinter schlichtweg eine Infektion der Scheide und/oder der äußeren Geschlechtsorgane steckt. Besonders Pilzinfektionen sind häufig (meistens juckt es dann auch in der Scheide), aber auch Herpes, Trichomonaden oder Chlamydien kommen in Frage. Manchmal geht die Infektion auch gar nicht von der Scheide aus, sondern von der Harnröhre oder Blase.

    Auf jeden Fall sollte man zu Frauenarzt oder Frauenärztin gehen, wenn es in der Scheide brennt und reibt. Sobald klar ist, welcher Erreger der Auslöser ist, können Tabletten, Scheidenzäpfchen oder Cremes gezielt helfen. Oft muss der Partner mitbehandelt werden, damit sich Frau und Mann nicht immer wieder aneinander anstecken. Zur Vorbeugung sollte man Kondome benutzen, insbesondere mit wechselnden Partnern.

    Wichtig ist auch ein intaktes Scheidenmilieu, damit Krankheitserreger nicht so leicht Fuß fassen. Wer zu Infekten neigt, kann deshalb die Scheidenflora (das sind nützliche Bakterien) zwischendurch gezielt mit rezeptfreien Vaginaltabletten aufbauen, die so genannte Döderlein-Bakterien enthalten. Auf üppige Schaumbäder sollte man bei Scheidenreizungen verzichten, lieber täglich ein Kamillensitzbad nehmen (Kamillen-Fertigextrakt gibt es in der Apotheke). Manchmal steckt hinter Scheidenreizungen aber auch keine Infektion, sondern eine Allergie, zum Beispiel auf Inhaltsstoffe von Kondomen, Verhütungszäpfchen oder Intimsprays. Bei Verdacht am besten erst mal auf eine andere Marke umsteigen.

Viagra für Frauen?

Wenn auf geistige Erregung keine körperliche folgt, liegt das möglicherweise an einer mangelnden Durchblutung von Klitoris und Scheide. So jedenfalls die Überlegung, die hinter einem möglichen Einsatz von Viagra und seinen Nachfolgepräparaten bei Frauen steckt. Denn auch im weiblichen Körper erweitern solche Mittel die Blutgefäße des Unterleibs und lassen die Klitoris anschwellen.

Allerdings: In fast allen bisher durchgeführten Studien fanden besonders jüngere Frauen den Sex mit Viagra nicht wirklich prickelnder. Das bestätigt die gesunde Skepsis, die die meisten an den Tag legen. Denn einer Forsa-Umfrage zufolge findet zwar jede Vierte Viagra für Frauen im Prinzip gut, selbst ausprobieren würden es aber nur vier Prozent der Befragten.

  • Text: Regina Kramer, Dr. Sabine Thor-Wiedemann
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