Neue Therapien bei Krebs

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Brustkrebs: Sanftere Therapien

In den letzten Jahren wurden immer neue Medikamente gegen Brustkrebs entwickelt und immer neue Kombinationen ausprobiert. Und obwohl damit teilweise bessere Behandlungserfolge erzielt werden, schleichen sich jetzt bei vielen Krebsexperten Bedenken ein. "Übertherapien", also unnötige Therapien, die nur schädliche Nebenwirkungen verursachen, sind gerade beim Brustkrebs in letzter Zeit ein großes Thema. Das gilt auch für Operationen.

Bisher galt: Werden in einem der Lymphknoten der Achsel (dem so genannten Wächter- oder Sentinellymphknoten) Krebszellen nachgewiesen, werden in der Achselhöhle möglichst alle Lymphknoten entfernt: eine belastende OP, die zum Lymphstau führen kann und den Arm anschwellen lässt. Und mittlerweile wird zunehmend bezweifelt, ob sie die Heilungschancen überhaupt verbessert. Auf dem weltgrößten Brustkrebskongress im amerikanischen San Antonio wurde gerade eine große Studie dazu vorgestellt: Danach gab es bei Frauen mit einem Brusttumor unter fünf Zentimeter Durchmesser und mit wenigen und kleinen Lymphknoten-Metastasen nach fünf Jahren keine Unterschiede, ob die Achsellymphknoten nun entfernt wurden oder nicht. In beiden Behandlungsgruppen war der Tumor bei 88 Prozent der Patientinnen nicht wiedergekommen. Doch den nicht operierten Frauen ging es deutlich besser: Sie litten zum Beispiel deutlich seltener an einem Ödem (also einer Wasseransammlung) im Arm.

Es gibt also Situationen, in denen Patientinnen das Entfernen der Lymphknoten aus der Achsel erspart werden kann. Voraussetzung dafür: Man ist in einem spezialisierten Brustzentrum, wo diese Fragen mit dem nötigen fachlichen Hintergrund diskutiert werden und man eventuell auch an einer entsprechenden Studie teilnehmen kann. Und auch darüber diskutieren momentan Experten: die so genannte intraoperative Bestrahlung. Dabei wird direkt nach der Entfernung des Knotens das umgebende Brustgewebe einmalig bestrahlt - die OP dauert so ungefähr eine halbe Stunde länger -, und die übliche mehrwöchige Strahlentherapie "von außen", die nach brusterhaltender Operation notwendig ist, entfällt. Die Bestrahlung während der OP spart der Patientin aber nicht nur Zeit, sondern hat auch medizinische Vorteile: die Gesamt-Strahlendosis ist geringer, es gibt keine Hautreizungen.

Bisher gibt es keine Hinweise, dass die intraoperative Bestrahlung weniger wirksam ist. Allerdings ist es zu früh, die Methode endgültig zu beurteilen. Noch weiß man nicht, ob dauerhafte Heilungen genauso häufig sind wie bei herkömmlicher Strahlentherapie. Angeboten wird das Verfahren bisher nur in wenigen Kliniken, meist im Rahmen von Studien.

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  • Text: Sabine Thor-Wiedemann, Stefanie Hentschel (Bestseller, Filme, Fernsehserien)
    Foto: Chris Gramly/istockphoto.com
    BRIGITTE Heft 09/2012
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