Heilerde: Gesunder Matsch

Seit der Antike wird Heilerde als Schönheits- und Gesundheitselixier genutzt. Jetzt erlebt die Natur-Kur ein Revival. Sieht zwar nicht gut aus, hilft aber.

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Die Badewanne riecht wie ein Matschtümpel. Um gereizte Haut zu beruhigen, sollen acht Esslöffel Heilerde rein ins Vollbad - und schon verwandelt sich das klare Wasser in eine braune Brühe. Ob der zartblaue Badeschaum nicht doch die bessere Idee gewesen wäre? Aber liegt man mal drin im erdigen Sud, verfliegen die Zweifel schnell. Der Geruch ist zwar ungewohnt, aber nicht unangenehm. Und die Haut fühlt sich schon nach kurzer Zeit tatsächlich viel weicher an als vorher.

In Heilerde baden, verstauchte Stellen damit einreiben oder sogar einen entschlackenden Drink daraus anrühren - die bodenständige Schönheits- und Gesundheitskur erlebt gerade ein Comeback. Obwohl die Heilkraft von Lehm- und Tonanwendungen seit der Antike bekannt ist und schon die alten Ägypter sich zur Hautpflege im Nilschlamm suhlten, geriet die Naturarznei für eine Weile in Vergessenheit. In Zeiten, in denen ökologisch wertvoll leben als schick gilt, passt Heilerde allerdings wieder bestens ins Konzept.

Denn die Wunderwaffe aus zerriebenem Naturgestein wie Löss oder Ton enthält null Chemie, dafür aber umso mehr lebenswichtige Mineralien und Spurenelemente. Eisen, Kalzium, Kupfer, Natrium, Phosphor, Silizium, Zink und Selen. So vielfältig die Inhaltsstoffe sind, so breit gefächert ist auch die Wirkung. Heilerde hat, äußerlich angewendet, einen kühlenden Effekt, zieht die Gefäße zusammen und regt so die Durchblutung an.

Außerdem entwickelt die Substanz, die man feucht aufträgt, beim Trocknen eine so genannte kapillare Saugkraft - und zieht Schadstoffe und Bakterien aus der Haut. Deshalb haben Heilerdepackungen, aus Pulver und Wasser gemischt oder als fertige Paste gekauft, sich unter anderem bei Schwellungen und oberflächlichen Wunden, bei Akne, Insektenstichen oder auch bei Cellulite bewährt.

Ob man sich auf die äußerliche Anwendung beschränkt oder Heilerde auch einnehmen möchte, bleibt Geschmackssache. Das selbst gerührte Erde-Wasser-Gemisch, das eindeutig nach Pfütze schmeckt und ein sandiges Kratzen im Mund zurücklässt, ist gewöhnungsbedürftig. Doch da die Säuren, Fette und Giftstoffe bindende Wirkung bei Magen-Darm-Problemen, Durchfall und Sodbrennen die Beschwerden nachweislich lindern kann und auf lange Sicht der Cholesterinspiegel in Balance kommt, sollte man sich entweder an den Knirsch-Cocktail gewöhnen und mit viel Wasser nachspülen (beim Kauf auf Heilerde zum Einnehmen achten!) - oder auf Heilerde in Kapselform (z. B. von Bullrich oder Luvos) zurückgreifen.

Vorsicht, falls Sie Medikamente einnehmen: Die hohe Bindungsfähigkeit von Heilerde kann dazu führen, dass Wirkstoffe ihre Wirkung nicht optimal entfalten. Lassen Sie deshalb etwa zwei Stunden Abstand zwischen der Einnahme von Arzneien und Heilerde.

Wer vor allem von der Beauty-Wirkung profitieren möchte, hat auch die Möglichkeit, mineralhaltige Kosmetikprodukte auszuprobieren. Ein Peeling aus Schlamm vom Toten Meer, eine Gesichtsmaske mit Tonerde oder eine Haarkur mit Heilerde und Meerestang - verschiedene Hersteller wie Ligne St. Barth, Rausch oder Kanebo haben inzwischen solche Artikel mit erdnaher Rezeptur im Programm.

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  • Text: Tanja Pöpperl
    Foto: iStockphoto.com
    Ein Artikel aus der BRIGITTE BALANCE 02/09
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