Homöopathie: So ein Sommertheater!

Krankenkassen sollen nicht mehr für homöopathische Behandlungen zahlen, fordern Politiker. Das soll Kosten sparen. BRIGITTE-Autorin Irene Stratenwerth ist anderer Meinung.

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Na toll. Die Gesundheitsreform ist vorerst vor die Wand gefahren, die Krankenkassenbeiträge werden 2011 steigen, und zwar nicht zu knapp. Und jetzt soll auch noch die Homöopathie aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen gestrichen werden? Der SPIEGEL hat die Diskussion losgetreten, und die Parteien haben sie prompt auf den Spielplan für ihr Sommertheater gesetzt.

Irene Stratenwerth

Irene Stratenwerth

Ausgerechnet der SPIEGEL. Es ist gerade mal sieben Wochen her, dass er uns darüber aufgeklärt hat, wie die Pharmaindustrie Milliardenumsätze mit Krebsmedikamenten macht, deren Wirkung fragwürdig ist. Im Verhältnis dazu kosten homöopathische Globuli und Tropfen fast nichts - außer ein bisschen Zeit für den behandelnden Arzt oder Homöopathen.

Wahrscheinlich spart unser Gesundheitssystem dadurch sogar richtig Geld: an teurer Diagnostik, die viel zu häufig eingesetzt wird, wo auch einfache Fragen das Krankheitsbild klären könnten. Und an schulmedizinischen Therapien und Medikamenten, deren Erfolge oft kaum besser belegt, deren Nebenwirkungen aber deutlich schädlicher sind als bei der Homöopathie.

Glaubt man an die Wirkung der Kügelchen? Der Streit ist uralt. Neu ist, dass sich auch die wissenschaftliche Medizin ernsthaft für einen Effekt mit dem Namen Placebo interessiert. "Mir hilft, woran ich glaube" - dieses Wirkprinzip gilt nicht nur für Naturheilkunde und Co., sondern auch für Operationen, Schmerzmittel und Hightech-Arzneien. Kluge Schulmediziner machen sich diesen Effekt längst zunutze.

Die Abstimmung hat stattgefunden - mit den Füßen: Befragungen zeigen, dass mehr als die Hälfte der Frauen und Männer in Deutschland alternative Heilmethoden in Anspruch nehmen. Weil sie ihnen helfen, und weil sie sich von Ärztinnen und Ärzten, die solche Methoden anbieten, besser behandelt fühlen. Viele sind bereit, dafür extra zu zahlen - obwohl sie mit happigen Beiträgen die Krankenversicherungen finanzieren.

Wer jetzt die wenigen Kassenleistungen aus der Homöopathie streichen will, mag dabei alles Mögliche im Sinn haben. Aber Gesundheitskosten werden dadurch garantiert nicht gespart.

  • Artikel vom 12.07.2010
  • Text: Irene Stratenwerth
Letzte Kommentare
  • jule
    am 09.08.10 um 19:26
    Ich bin immer wieder erstaunt, dass Menschen, die sich noch nicht ernsthaft mit Homöopathie
    beschäftigt haben, sich zu diesem Thema so abfällig äußern mögen.
    Die Behandlung mit homöopathischen Mitteln hat mir geholfen, werde diese auch weiterhin privat zahlen.
  • Brigitte
    am 07.08.10 um 17:26
    Auch ich bin erst auf die Homöopathie aufmerksam geworden, als die Schulmediziner nicht weiterhelfen konnten. Viele Beschwerden habe ich mit homöopathischer Behandlung wegbekommen bzw. bessern können. Wenn es nur der Glaube ist, der die Besserung bewirkt, gibt es keine Erklärung warum ein Mittel manchmal nicht hilft. Ich verstehe auch nicht, warum manche Menschen so vehement dagegen sind, die Homöopathie ist doch recht preiswert und wird gezwungen sich behandeln zu lassen.
    Vorstellen kann ich mir, dass die Vertreter der Pharmaindustrie dankbar sind, dass das Augenmerk von den viel zu hohen Preisen der Pharmaprodukte in Deutschland weggelenkt wurde durch die momentane Diskussion.
  • am 06.08.10 um 08:18
    Es gibt wirksame Heilverfahren und weniger wirksame. Globuli sind im Extremfall unterlassene Hilfeleistung. Ein konservatives Medikament muss viele Runden durchlaufen, bevor es über die KK abgerechnet bzw. angewandt werden darf. Wieso sollten Zuckerkugeln das nicht auch?

    Akupunktur und dergleichen finde ich hingegen gut und nützlich.

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