Alternativmedizin: Nadelstiche an der Uni

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BRIGITTE.de: Gilt das auch für andere Heilmethoden? Akupunktur geht von Energiebahnen im Körper aus, die wissenschaftlich ebenfalls nicht nachweisbar sind.

Witt: Die chinesische Medizin basiert auf philosophischen Erklärungsmodellen aus der Zeit, in der diese Methoden entstanden sind. Man weiß letztlich noch nicht genau, wie Akupunktur wirkt. Aber es gibt erste Hinweise bei der Behandlung von Schmerzen: Dass sowohl lokal - also dort, wo die Nadel eingestochen wird - als auch zentral - im Gehirn - schmerzhemmende Mechanismen einsetzen. Andere Wirkungen der Akupunktur, etwa bei allergischem Schnupfen, sind noch nicht erklärbar.

BRIGITTE.de: Wie kommt es, dass bisher so wenig dazu geforscht wurde?

Witt: Das liegt zum einen daran, dass die Komplementärmedizin historisch gesehen schon viel länger auf dem Markt ist als die wissenschaftlichen Studienmodelle, die wir heute anwenden. Zum anderen liegt es ganz klar am Geld. Bis jetzt gab es in Deutschland keinen öffentlichen Förderschwerpunkt für Komplementärmedizin. In den USA ist das ganz anders: Da werden jedes Jahr über 100 Millionen Dollar vom Staat für diese Forschung zur Verfügung gestellt. Und ich finde zurecht: Wenn der Staat sieht, dass die Bevölkerung etwas so sehr in Anspruch nimmt, ist er auch in der Pflicht, die Wirkungen - und auch die Nebenwirkungen - genauer zu untersuchen. Und die Fragen der Bevölkerung zu beantworten.

BRIGITTE.de: Stattdessen wird ja vieles einfach als Placebowirkung abgetan...

Witt: Ich finde das Thema Placebo wird noch sehr unterschätzt. Wir wissen noch gar nicht so genau, was sich hinter dem Begriff verbirgt. Bei Studien fragen wir nur: Gibt es einen Effekt eines Heilmittels über den Placeboeffekt hinaus? Aber der Patient in der Praxis kann ja von dem Gesamteffekt profitieren: Von der spezifischen Wirkung des Medikamentes plus Placebo. Darüber müssen wir unbedingt mehr wissen: was Ärzte tun können, um die Wirkung von Heilmethoden zu verbessern.

BRIGITTE.de: Nehmen Sie selbst eigentlich alternative Heilmethoden in Anspruch?

Witt: Ich bin absolute Pragmatikerin und möchte in der Regel per schulmedizinischer Diagnostik erfahren, was ich habe. Bei der Behandlung kombiniere ich oft: Gegen Kopfschmerzen nehme ich meist eine Schmerztablette, gegen Husten zum Beispiel Thymian.

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  • Artikel vom 21.05.2008
  • Interview: Irene Stratenwerth
    Foto: Emely/zefa/Corbis
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