Manuelle Therapie: Hilfe zur Selbsthilfe
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Craniosacrale Therapie
Die Methode: Die Craniosacral-Therapie gilt inzwischen als anerkannte ganzheitliche Heilmethode bei einer Vielzahl von Beschwerden wie Rücken- und Kopfschmerzen, Migräne, Erschöpfungszuständen, Hormonstörungen und Atemleiden. Speziell ausgebildete Therapeuten beeinflussen dabei gezielt den Fluss der Hirn- und Rückenmarksflüssigkeit, des Liquor cerebrospinalis. Diese Flüssigkeit zirkuliert im Innenraum des Schädels und in der Wirbelsäule, zwischen den drei Schichten der Duralmembran, die Gehirn und Rückenmark umhüllt. Der Liquor schützt sie, versorgt sie mit Nährstoffen und entschlackt. Sechs- bis zwölfmal pro Minute pulsiert er durch das Zentrale Nervensystem, alle fünf bis sieben Stunden hat er sich vollständig erneuert. Kann der Liquor ungestört fließen, unterstützt er über das ZNS alle Körpersysteme und harmonisiert so den gesamten Organismus. Die Bewegungen des Liquor zwischen Schädel (Cranium) und Kreuzbein (Sacrum) (daher die Bezeichnung Craniosacral-System) ist als ganz feiner, leichter Puls spürbar. Er breitet sich in zarten Wellenbewegungen aus, langsamer als Herz- und Atemrhythmus und ist bei jedem Menschen anders - abhängig von der augenblicklichen Vitalität des Organismus. Ausgebildete Therapeuten können diesen Craniosacral-Rhythmus am Schädel, an der Wirbelsäule, am Kreuzbein sowie über Knochen, Muskeln und Bindegewebe am ganzen Körper ertasten. Unregelmäßigkeiten zeigen ihnen Störungen und Blockaden im Körper an. So entdecken Craniosacral-Therapeuten Verspannungen, blockierte Gelenke und Entzündungen. Durch sanfte Berührungen und ein "Mitgehen" im Craniosacral-Rhythmus versuchen sie, Spannungen und Blockaden zu lösen, damit der Liquor wieder ungehindert zirkulieren kann. Und das hat oft nicht nur körperliche sondern auch seelische Effekte.
Selbsthilfe: Ergänzend zur professionellen Therapie gibt es seit kurzem Übungen zur Selbstbehandlung, die Sie nach schriftlicher Anleitung erlernen können (siehe unten). Sie können zwar keine Fließblockaden beseitigen, den Craniosacral-Rhythmus aber durchaus günstig beeinflussen. Diese Übungen entspannen, bauen Stress ab, verbessern Körperbewusstsein, Atmung, Haltung und Immunabwehr. Wichtig ist: Nehmen Sie sich Zeit und Ruhe für die Übungen. Setzen Sie sich nicht unter Leistungsdruck. Wenn Sie nicht gleich am Anfang Ihren eigenen Craniosacral-Rhythmus spüren können, ist das kein Problem. Nicht die Technik zählt sondern die Achtsamkeit für den eigenen Körper. Je mehr Sie sich entspannen und loslassen können, desto mehr harmonisieren Sie Ihr Craniosacral-System.
Übung 1: Den eigenen Craniosacral-Rhythmus spüren
Setzen Sie sich aufrecht auf einen Stuhl ohne Armlehnen, die Füße gut mit der Erde verbunden. Schließen Sie Ihre Augen und entspannen Sie sich. Nun legen Sie Ihre entspannten Hände mit locker gespreizten Fingern vorsichtig und ohne Druck auf Ihre Oberschenkel. Daumen und Zeigefinger sollten dabei so weit wie möglich auseinander sein. Lenken Sie jetzt Ihre Aufmerksamkeit in Ihre Oberschenkel, auf ganz langsame Bewegungen in ihrem Gewebe. Sie sind wie ein ganz feines Hin- und Herströmen. Lauschen Sie mit Ihren Händen, ganz unverkrampft. Wenn Sie es tatsächlich schaffen, Ihren eigenen Craniosacral-Rhythmus aufzuspüren, beobachten Sie ihn einfach nur ganz entspannt. Lösen Sie die Haltung vorsichtig auf, wenn Ihnen danach ist.
Effekt: baut Stress ab, harmonisiert, entspannt, beruhigt bei oder nach Aufregung, gibt neue Energie
Übung 2: An den Ohren ziehen
Greifen Sie mit jeweils einem Zeigefinger in eine Ihrer Ohrmuscheln. Öffnen Sie nun den Mund leicht, um den Kiefer zu entspannen und geben Sie dann sanften Zug auf beide Ohren. Spüren Sie, wie dieser Zug sich im Kopf fortsetzt und versuchen Sie, Spannung loszulassen. Lösen Sie die Haltung auf, indem Sie den Zug langsam verringern.
Effekt: fördert die Durchblutung des Gehirns, beseitigt Druck im Kopf
Übung 3: Rippenbogen entspannen
Setzen Sie sich aufrecht hin und atmen Sie einige Mal tief ein und aus. Ertasten Sie nun mit den Fingerspitzen beider Hände Ihren unteren Rippenbogen von der Mitte nach außen. Bringen Sie danach Ihre Finger in der Mitte auf den Rippen zusammen und spüren Sie, wie Ihr Atem ein- und ausströmt. Mit einem Ausatmen streichen Sie dann mit beiden Händen gleichzeitig von der Mitte aus das Gewebe entlang des Rippenbogens nach links und rechts aus. Spüren Sie einige Atemzüge nach. Dann streichen Sie erneut aus – so oft Sie mögen.
Effekt: entspannt das Zwerchfell, verbessert Atmung, Verdauung und Beweglichkeit der Organe.
Diese Übungen stammen aus:
Irena M. Schikora-Kiefer, "Das Wunder der sanften Berührung. Selbsthilfe mit der Craniosacral-Therapie", Knaur Taschenbuch 2005, 8,90 €.
Daniel Agustoni, „Craniosacral Selbstbehandlung. Wohlbefinden und Entspannung durch sanfte Berührung“, Kösel Verlag 2004, 19,95 € Dort finden Sie weitere Anleitungen zur Selbstbehandlung.
Achtung: Bei akuten Krankheiten sowie schweren und länger andauernden Beschwerden sollten Sie sich unbedingt an einen ausgebildeten Craniosacral-Therapeuten werden. Das gilt auch, wenn bei der Selbstbehandlung ein Unwohlsein auftreten sollte oder starke Gefühle, mit denen Sie allein überfordert sind.
Therapeuten: Über eine Ausbildung zum Craniosacral-Therapeuten verfügen viele Physiotherapeuten, Masseure und Heilpraktiker. Schauen Sie in die gelben Seiten Ihres Telefonbuches.
Adressen vermitteln auch:
Deutscher Verband der Craniosacral-Therapeuten e.V., Bahnhofplatz 6, 85540 Haar, Tel. 089/46149175, www.cranioverband.org
Deutscher Craniosacral Verband e.V., Am Mühlenbach 5, 34508 Willingen, Tel. 05632/9220166, www.cranioverband.de
Upledger Institut Deutschland, Schwartauer Landstr. 114-118, 23554 Lübeck, Tel. 0451/479950, www.upledger.de
Kosten: Eine Behandlung dauert etwa eine Stunde und kostet ca. 60 bis 80 €. Je nach Beschwerden müssen Sie mit 3 bis 10 Sitzungen rechnen. Klären Sie vorab, ob Ihre Kasse sich zumindest anteilig an den Kosten beteiligt und wie eine Verordnung Ihres Hausarztes dafür aussehen muss.













