Selbstheilung durch Meditation

Durch Meditation können Sie Schmerzen lindern, Depressionen und Krebs vorbeugen und Stress abbauen. Wir zeigen Ihnen, wie Sie den Weg in die eigene Mitte und so zur Selbstheilung finden und welche Meditationsart die richtige für Sie ist.

Alle wollen hinter ihr Geheimnis kommen. In den letzten Jahren wurden Millionen von Forschungsgeldern investiert - in unzählige Langzeitstudien, Laboruntersuchungen, EKGs und EEGs. Neugierige Wissenschaftler schoben altehrwürdige Buddhisten kurzerhand in den Computertomografen und zeichneten ihre Hirnströme auf, um die positive Wirkung für westliche Ungläubige festzuhalten. Mit beeindruckendem Ergebnis: Im Gegensatz zu bekannten Entspannungstechniken wie progressiver Muskelentspannung und autogenem Training ist Meditation nicht nur entspannend und beruhigend, sondern geht viel tiefer und wirkt nachhaltiger.

Mehr als nur entspannt
Die Messungen zeigten, dass sich die Hirnaktivität im Zustand der Meditation deutlich verändert. Wer sich in sein Innerstes versenkt, gerät in eine Art Zwischenwelt - in den Zustand zwischen Wachen und Schlafen. Dazu muss man wissen, dass in unserem Gehirn je nach Bewusstseinszustand unterschiedliche elektrische Frequenzen messbar sind. Tagsüber, wenn wir arbeiten, Probleme lösen, einfach wach sind, herrscht der Beta-Zustand. Durch Meditation gelingt es, diesen Wachzustand zu verschieben - obwohl man nicht schläft, gerät man in den entspannteren Alpha-Zustand, in dem sich die Schwingungen der Hirnströme verlangsamen. Der Effekt: eine Phase höchster Konzentration und ein Gefühl von starker Energie. In dieser Situation werden vom Gehirn beruhigende Botenstoffe produziert, die Stress entgegenwirken. Wer jahrelange Meditationserfahrung gesammelt hat, schafft vielleicht sogar die Königsklasse und erreicht den so genannten Theta-Zustand: eine noch geringere Schwingungsfrequenz, die auch im Traumschlaf und in Trance auftritt. Dabei sind Kreativität und bildhafte Vorstellungskraft stark aktiviert, auch psychedelische Drogen wie LSD rufen diesen Zustand hervor. Solche Erfahrungen bleiben jedoch nur den wahren Meditationsmeistern vorbehalten.

Erste Erfolge nach wenigen Wochen
Normalsterbliche müssen auf diesen Rauschzustand anfangs erst mal verzichten, können aber bereits nach wenigen Wochen Meditationstraining die ersten positiven Auswirkungen genießen: Der Blutdruck und die Pulsfrequenz sinken deutlich, die Atmung verlangsamt sich und wird tiefer, im gesamten Organismus verbessert sich die Sauerstoffzufuhr.

Auch Aggressionen verschwinden zusehends, sobald Jähzornige öfter mal "Omm..." summen. Bereits 300 Kliniken arbeiten in den Staaten mit dem Programm der so genannten "Mindfulness Based Stress Reduction" - also dem Stressabbau durch Achtsamkeit. Der Erfinder Jon Kabat-Zinn, Verhaltensmediziner und Meditationslehrer, ist überzeugt davon, dass das Suchen nach einem inneren Ruhepol die Selbstheilungskräfte aktiviert. Und die Statistik gibt ihm Recht: In den vergangenen zwei Jahrzehnten nahmen mehr als 12 000 Menschen erfolgreich an seinem Projekt teil. Eine Methode übrigens, die in St. Louis, USA, Straftätern auf Bewährung die Freiheit wiederschenkt: Die Gefangenen müssen dazu an einem Meditationskurs teilnehmen.

Seit 1999 werden auch in der Klinik Essen-Mitte, Abteilung "Naturheilkunde und integrative Medizin", im Rahmen eines Modellversuchs regelmäßig die Meditationsmatten ausgerollt. Patienten erkunden dort mit einem ähnlichen Verfahren namens "Body Scan" ihren Körper. Bei dieser Methode richtet man die Aufmerksamkeit auf verschiedene Körperregionen und spürt den Empfindungen nach, ohne sie zu bewerten.

Also, egal ob Stress oder Schmerzen, sag einfach "Omm..."? Dass es nicht ganz so einfach ist, ahnen Sie schon. Und auch wenn Sie beim ersten Meditationsversuch eher kribbeliger als entspannter wurden: Das ist normal. Vor allem sollte Sie nicht hindern, es gleich noch mal zu probieren. Diesmal mit der Technik, die wirklich zu Ihnen passt.

Das ist erwiesen

  • Meditierende entwickeln nur halb so oft wie Nicht-Meditierende eine Krebserkrankung.
  • Bereits nach vier Wochen Meditationspraxis schneiden Testpersonen bei Prüfungsfragen und Konzentrationsaufgaben um 40 Prozent besser ab als Meditationsmuffel.
  • Grippeschutzimpfungen wirken bei Meditierenden besser. Die Testpersonen entwickelten deutlich mehr Grippeantikörper.
  • Meditierende haben um 73 Prozent seltener mit Atemwegsproblemen zu tun.
  • Sie leiden um 87 Prozent weniger an psychischen Krankheitsbildern wie Angststörungen oder Depressionen.
  • Meditation hilft außerdem gegen: chronische Schmerzen, Asthma, Schuppenflechte, Allergien, Arteriosklerose.

Die Wurzeln

Seit Jahrtausenden suchen Menschen Ruhe in sich selbst
"Medias", lateinisch für "die Mitte", und "meditatio", für "in Gedanken sein" - die ursprüngliche Wortbedeutung verrät schon, worum es beim Meditieren geht: einen Bewusstseinszustand zu erreichen, der die innere Balance wieder herstellt. Von Buddhisten und Hindus wird die geistige Versenkung seit dem 3. Jahrtausend vor Christi als Zeichen religiöser Hingabe praktiziert. Das weltliche Leben und die westliche Welt eroberte die Meditation aber erst im 20. Jahrhundert. In den siebziger Jahren stürzten sich hauptsächlich Hippies und Aussteiger auf den Asia-Trend. Seit Anfang der achtziger Jahre wird die Methode verstärkt wissenschaftlich erforscht.

Reiseroute ins Ich

Hektik, Termine, Lärm - und sich zwischendurch ganz relaxt in die Tiefen des eigenen Bewusstseins versenken: Das geht nicht auf Knopfdruck. Vor allem nicht am Anfang. Deshalb vier Dinge, an die Sie denken sollten.

Der beste Ort
Sie sollten Störquellen von Anfang an ausschalten. Suchen Sie sich zum Meditieren einen Raum, den Sie abschließen, eventuell abdunkeln können. Ein Zimmer, in dem Sie gern sind und das eine angenehme Temperatur hat.

Die beste Haltung
Theoretisch kann man in jeder Körperhaltung meditieren - am bequemsten ist es aber im Sitzen, sei es auf einem weichen Kissen oder einem bequemen Stuhl. Im Liegen besteht die Gefahr einzuschlafen (auch entspannend - aber das ist nicht der Zustand, den Sie erreichen möchten). Halten Sie die Wirbelsäule gerade, dann kann Ihr Atem am besten gleichmäßig fließen.

Der beste Zeitpunkt
Wenn Sie's authentisch mögen, ist die so genannte Nektarstunde zwischen zwei und sechs Uhr am frühen Morgen zu empfehlen - die alten Meister der Meditation wählen diese Zeit, weil dann das Unterbewusstsein noch ganz geöffnet ist und wir schnellen Zugang zum Inneren finden. Langschläfer müssen sich jetzt aber keinen Stress machen: Sie können genauso gut zu jeder beliebigen Tageszeit ihre Übungen einlegen.

Die beste Einstellung
Nicht aufgeben, weil die Füße kribbeln und einschlafen, der Gedanke an die Steuererklärung Sie währenddessen nicht loslässt oder weil Sie anstatt ruhiger von Minute zu Minute nervöser werden. Das Prinzip der Meditation heißt: nicht zweifeln, nicht bewerten, sondern einfach immer weitermachen. Lassen Sie alle Gefühle und Gedanken zu, ohne sie zu kategorisieren - alles ist gleichwertig und gleich wichtig.
Lassen Sie sich danach Zeit, langsam ins Hier und Jetzt zurückzukehren. Beenden Sie eine Sitzung nie abrupt.

Fünf Wege ein Ziel - die wichtigsten Meditationsformen

1. Atemmeditation
Man vergegenwärtigt sich den Prozess des Ein- und Ausatmens, richtet die gesammelte Aufmerksamkeit auf diesen Vorgang. Diese Technik stammt aus der so genannten Transzendentalen Meditation.

2. Visualisierungen
Dabei gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder lässt man im Geist ein beruhigendes Bild entstehen (zum Beispiel die Wellenbewegung des Meeres, angenehme Farben) oder man betrachtet einen Gegenstand (eine Kerzenflamme, ein Rosenblatt) so intensiv, bis er nicht mehr als Ganzes wahrgenommen wird.

3. Konzentration auf Worte
Für Anfänger oft eine große Hilfe: die Wiederholung eines Mantras. Das bekannteste ist sicher "Omm...", jedes andere Wort, das Ihnen vom Klang her gefällt und das Ruhe ausstrahlt, funktioniert genauso gut. Übrigens: Das christliche "Hallelujah" ist einem Mantra in seiner Verwendung sehr ähnlich.

4. Achten auf Körperempfindungen
Spüren, wie der Atem durch den kleinen Zeh oder das Ohrläppchen ausströmt? Klingt auf Anhieb etwas abgehoben, aber es funktioniert. Die Methode "Body Scan" zeigte auch in klinischen Studien Wirkung.

5. Bewegungsmeditation
Man versucht, in Zeitlupe zu gehen, ganz bewusst den Fuß aufzusetzen und abzurollen, die Beschaffenheit des Bodens genau zu spüren - oder man wählt Yoga, Tai-Chi und Qigong-Übungen.

Farbmeditation

Ob Rot, Grün oder Gelb, jede Farbe löst eine bestimmte Empfindung in uns aus: Ob Blau- und Grüntöne beruhigen, Rot und Gelb regen eher an. Das ist inzwischen unbestritten. Viele Wirkungsinterpretationen sind aber eher philosophisch als wissenschaftlich. Wie zum Beispiel die "Vier-Farben-Menschen"-Typologie, entwickelt in den sechziger Jahren von Professor Max Lüscher. Bis heute wenden Psychologen seinen Farbtest an und schließen durch die vom Patienten gewählte Farbreihenfolge auf Charakter, Denkstrukturen und Lebenseinstellungen. Ob Goethe, Lüscher, die New-Age-Bewegung oder die asiatische Feng-Shui-Lehre: Je nachdem, von wem die Deutung der Farben kommt, fällt die Interpretation ganz anders aus.

  • Text: Anna Ost
    Foto: anouchka/iStockphoto.com

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