Die Kunst, richtig zu atmen

Wer die Kunst, richtig zu atmen beherrscht, wird automatisch ruhiger und bekommt jede Menge neue Energie und Kraft.

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Wir tun es alle, von Geburt an. Ständig und ohne es zu merken. Ganz von allein. Mit dem Atmen halten wir uns am Leben. Bei jedem Atemzug bekommen wir, was unseren Körper bis in die kleinste Zelle mit Energie versorgt: etwa einen Drittel Liter Luft mit rund 20 Prozent Sauerstoff, dem Grundelement des Lebens. In den Lungenbläschen holt sich dann das Blut den Powerstoff - und lädt gleichzeitig Ballast (Kohlendioxyd) ab. Der dann einfach rausgeatmet wird.

Wie viel Sauerstoff der Körper aufnehmen kann, ist konditionsabhängig: Sportliche Menschen können um die acht Prozent verwerten, Untrainierte nur drei Prozent, müssen also häufiger atmen, um auf die gleiche Menge zu kommen. Doch nicht nur die Gesamtkondition entscheidet, auch die Technik: Richtig atmen heißt, tief in den Bauch atmen und die Lungen wieder ganz entleeren.

Testen Sie mal: Legen Sie sich ein Buch auf den Bauch, so erkennen Sie ganz schnell, ob Sie in den Bauch atmen oder nicht. Denn die meisten Menschen atmen nur in den oberen Bereich ihrer Lunge, lassen also die Hälfte der Kapazität ungenutzt. Da fühlt man sich schnell schlapp und müde.

Auf den Atem achten

Der erste Schritt zum bewussten Atmen ist, es wahrzunehmen. Klingt so einfach und ist so schwierig: Denn sobald man auf den Atem achten soll, versucht man schon, ihn zu beeinflussen. Atmen Sie also möglichst normal weiter, und fragen Sie sich: Ist der Atem tief und ruhig? Oder atmen Sie zu flach? Heben Sie dabei die Schultern? Ziehen Sie den Bauch ein beim Einatmen?

Lernen Sie mehr über Ihren Atem mit einer Übung des vietnamesischen Zen-Meisters Thich Nhat Hanh: Beobachten Sie, wie er kommt und geht. Wie bei einer Meditation. So entsteht, was er "achtsames Loslassen" nennt. Versuchen Sie dann langsam herauszufinden, wie Ihre Atemlänge ist. Zählen Sie "Eins, zwei, drei" usw. Oft ist die Ausatmungs-Phase kürzer als die Einatmungs-Phase. Richten Sie deshalb die Aufmerksamkeit aufs Ausatmen und lassen die Phase länger werden, z. B. von drei auf fünf. Und weiter auf sieben - so werden sich die Lungen wirklich leeren. Und durch den folgenden natürlichen Atemimpuls wird die Atmung tiefer und gleichmäßiger.

Das klappt nicht immer sofort, geben Sie sich Zeit, und üben Sie täglich. Aber: 10 bis 20 Atemzüge sind genug. Sollten Sie bei der Übung müde werden, dann hören Sie lieber auf - es ist ein natürliches Signal dafür, dass es genug ist. Mit zunehmender Erfahrung können Sie die Übung auch variieren, z. B. indem Sie beim Ein- oder Ausatmen Mantras nutzen. Stellen Sie sich einen schönen persönlichen Satz mit sechs oder sieben Worten zusammen, den Sie dann beim Ausatmen vor sich hin denken. Zum Beispiel: "Der Sand ist schneeweiß, das Wasser türkisblau." Oder: "Meine Katze kuschelt sich auf meinen Schoß." Viele Frauen können damit noch besser entspannen.

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  • Text: Margit Hiebl
    Fotos: Ray Parker
    Produktion: Birgit Potzkai
    Fachliche Beratung: Johanna Leuschner, Atemtherapeutin aus Bad Tölz
    Haare und Make-up: Steven Inch
    BRIGITTE 17/04
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