Statt Stress
Mehr lachen: Die besten Tipps für gute Laune

Physiologisch gesehen wohnt die gute Laune direkt hinter der Stirn. Manchmal lässt sie sich aber wochenlang nicht blicken. Das lässt sich ändern.

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Foto: Jo.Sephine / photocase.com

Sie ist das Prosecco-Prickeln unserer Gefühlsbandbreite, so leicht, so fröhlich. Sie ist ein flüchtiger Besucher unserer Psyche, und trotzdem schafft sie es, zumindest für einen Bruchteil eines Tages den ganzen Blick aufs Leben zu erhellen. Aber sie birgt lauter Geheimnisse. Was zum Beispiel verursacht gute Laune? Wer empfindet sie? Wann kommt sie daher, und warum macht sie sich davon? Wenn wir das beantworten könnten, sähen wir vermutlich häufiger rosarot.

Doch die Forschung weiß viel mehr über Depressionen als über Glück. Was Menschen die Stimmung versalzt, lässt sich wissenschaftlich eindeutiger erklären, als was sie versüßt. Wenn im Job etwas schief geht, sorgt das bei den meisten für üble Laune. Schlechtes Wetter, Terrornachrichten und Streit gelten auch nicht gerade als Stimmungsaufheller. Für Trauer, Ekel, Zorn gibt es klare, universelle Rahmenbedingungen. Aber für gute Laune? Die ist so individuell wie der Mensch, den sie befällt. Die genießen wir. Fertig. Oder etwa nicht?

Einem flüchtigen Gefühl auf der Spur: "Ich bin im Einklang mit mir selbst, ohne groß darüber nachzudenken. Ich bin fröhlich und gleichzeitig unternehmungslustig, finde mich selbst und meine Umwelt in Ordnung", definiert die Erlanger Professorin für Sozialpsychologie Andrea Abele-Brehm die gute Laune. Für Prof. Alexander Thomas, Arbeits- und Organisationspsychologe an der Universität Regensburg, hat sie "mit Gelassenheit zu tun, mit Flexibilität, mit der Tatsache, dass wir auch Dinge geschehen lassen können, die wir nicht beeinflussen können". Gute Laune ist für ihn nämlich vor allem Bewertungssache. Das Lieblingsbrötchen ausverkauft? Das kann man negativ beurteilen - oder positiv, zumindest neutral: Dann gibt's eben heute das Modell Fünfkorn. Wollte man eh mal probieren. Einen platten Reifen? Selbst ist die Frau! Nach der Reparatur radelt man zwar mit Verspätung, dafür mit Superwoman-Feeling ins Büro.

Pessimismus ist die Metaphysik der Hilflosen.

Gut gelaunte Zeitgenossen unterscheiden sich nämlich in einer wesentlichen psychischen Komponente von den mies gestimmten. Die Einsicht und das Bewusstsein, Dinge selbst beeinflussen zu können, zeichnet die Optimisten aus. Wer das Gefühl hat, ständig Opfer der Umstände zu sein, riskiert dagegen seinen Frohsinn. Pessimismus sei "die Metaphysik der Hilflosen", sagt der Berliner Medienwissenschaftler Norbert Bolz. "Die meisten Menschen aktivieren viel zu viel Regelsysteme, leben zu sehr nach Erwartungen und Normen. Wenn die nicht erfüllt werden, fällt die Laune in den Keller", klagt Forscher Thomas. Und appelliert deshalb "für mehr Easy Going".

In seinen Forschungsarbeiten beschäftigte sich Wissenschaftler Thomas unter anderem damit, warum die Deutschen im Ausland so häufig als Miesepeter gelten, und warum in südamerikanischen und südeuropäischen Ländern viel mehr Stimmungskanonen leben. Sein Fazit: "Da wird viel gemeinschaftlich auf der Straße gelacht, die zwischenmenschliche Kommunikation spielt eine wesentlich größere Rolle als bei uns." Hierzulande, so die Auffassung von Thomas, gehen die Menschen zum Lachen eben lieber in den Keller.

Gute Laune ist ansteckend - und stärkt den Körper.

Genau hier liegt auch ein Knackpunkt. Gute Laune, keine Frage, kann man auch allein empfinden. Noch schöner aber wird's zusammen mit anderen. Das zeigte für den Regensburger Wissenschaftler das Beispiel der Fußballweltmeisterschaft. Dahinter steckt das psychologische Phänomen der "sozialen Ansteckung": Fällt ein Tor, jubelt nicht nur der Liebste in der Sofaecke. Wir freuen uns unwillkürlich gleich mit. Forscher Thomas hat beobachtet, dass sehr viel Freude auch in Sportgruppen entsteht. Die gemeinschaftliche Leistung hebt die Stimmung sofort. Körperhaltung und Mimik von Einzelnen spornen alle in der Gruppe an, gut drauf zu sein: "Beobachten Sie mal einen Spitzensportler, der gerade einen Sieg errungen hat: Der lacht nicht allein. Da fallen sich auch alle Umstehenden in die Arme!"

Dass gute Laune nicht nur ansteckend ist, sondern auch noch den Körper stärkt, zeigten die Studien von Prof. Willibald Ruch. Der Züricher Wissenschaftler ließ Forschungsteilnehmer 15 Minuten lang Sketche anschauen. Während eine Videokamera ihre Reaktionen filmte, mussten die Probanden ihre Hände in eiskaltes Wasser tauchen und den Kälteschmerz bewerten. Verblüffendes Resultat, so Gute-Laune-Forscher Ruch: "Menschen, die beherzt lachten, empfanden weit weniger Schmerz."

Lachen lockt umgekehrt gute Laune an. Deshalb raten Experten, den Anflug von miesen Gefühlen sofort mit einem beherzten Lächeln zu vertreiben. Allerdings: Es muss schon echt sein, die Augen müssen mitlächeln. Nur ein halbherziges Grinsen reicht leider nicht. Am besten, Sie üben gleich ein bisschen.

Tipps für gute Laune

Aber selbst unter günstigsten Rahmenbedingungen sind manche Menschen besser drauf als andere. Ist gute Laune also auch Charaktersache? Ja und nein. Denn Frohnaturen verfügen, so vermuten Forscher, von sich aus über ein ganzes Repertoire an Strategien, um das Leben rosarot zu sehen. Und sie haben vermutlich, wenn die Laune in den Keller rutscht, teils unbewusste Tricks parat, um sich wieder aus dem Sumpf zu ziehen. Andererseits lassen sich auch für chronisch mittelgut bis schlecht gelaunte Menschen ein paar Kniffe lernen, um miese in gute Stimmung umzumünzen. Hier sind neun Tipps, wie Sie aus dem Stimmungstief schnell und dauerhaft wieder auftauchen.

  • Ursachenforschung
    Woher kommt das schlechte Gefühl? "Dazu muss man sich erst einmal bewusst werden, welche Gründe es hat, dass man nicht gut drauf ist", so Forscherin Abele-Brehm. "Erst dann lässt sich dies auch bekämpfen. Die Ursachen können zum Beispiel in einem selbst liegen - aber durchaus auch von außen gesteuert sein. Danach richtet sich dann auch die Lösung.
  • Ziele setzen
    Die ideale Strategie, wenn man mit sich selbst nicht zufrieden ist. Denn etwas zu erreichen, pusht das Selbstbewusstsein sofort. "Allerdings muss das Ziel anspruchsvoll, aber realistisch sein", erklärt Abele-Brehm. Dazu gehört zum Beispiel: zwei Kilometer mehr als sonst joggen. Ein neues, schwieriges Rezept ausprobieren. Zehn Seiten Nietzsche lesen - und verstehen.
  • Glück in Worten
    Jeder Tag besteht aus guten und schlechten Momenten. Was uns im Gedächtnis bleibt, können wir selbst bestimmen. Deshalb empfiehlt US-Glücksforscher Martin Seligman ein Glückstagebuch. Schwarz auf weiß ist dann zu lesen, welche Momente schön und angenehm im Leben waren. Da hat das Gehirn keine Chance, sie später wegzudiskutieren. Dabei geht es nicht nur um die großen Augenblicke, sondern vor allem um die kleinen: den Duft eines Kuchens, den Geschmack der ersten Plätzchen vor Weihnachten ... Funktioniert nachweislich und lang anhaltend: Eine italienische Studie zeigte, dass depressive Patienten nach zehn Wochen deutlich weniger Angst hatten, ihre Niedergeschlagenheit hatte sich stark gebessert.
  • Selbst ist die Frau
    Wann waren Sie richtig glücklich und mit sich selbst zufrieden? "An schöne, positive Ereignisse denken, die man selbst erlebt hat, hilft ganz schnell, das Selbstbewusstsein zu stärken und damit die Stimmung zu heben", sagt Expertin Prof. Abele-Brehm.
  • Lächel-Attacke
    "Versuchen Sie, einem Menschen, den Sie sympathisch finden, freundlich und offen gegenüberzutreten, zum Beispiel ihn anzulächeln oder herzlich zu grüßen", rät Gute-Laune-Forscherin Abele-Brehm. Das Resultat: Meist gibt das Gegenüber die Freundlichkeit zurück - und das hebt auch die eigene Laune. Dass Lächeln glücklich macht, lässt sich sogar messen. Denn die Gehirnareale, die für unsere Stimmung zuständig sind, bekommen so ein positives Signal. Deshalb sollte man es sich zweimal überlegen, bevor man einen Kollegen anmeckert. Das mag sich zwar im ersten Moment befreiend anfühlen. Doch es wirkt auf die eigene Stimmung zurück.
  • "Hast du Zeit?"
    Vertraute Menschen tun einfach gut. Sie geben das Feedback, dass man liebenswert ist, auch wenn gerade der Missmut dominiert. Und sie helfen, sich Ärger von der Seele zu reden. Lässt sich übrigens auch beweisen: Der Linzer Psychologe Hermann Brandstätter hat Versuchspersonen über einen Monat hinweg nach ihrer Tätigkeit und Stimmung befragt. Ergebnis: Die Studienteilnehmer hatten bessere Laune, wenn sie mehr Zeit mit Freunden oder Verwandten verbrachten.
  • Tief durchatmen
    Ein paar Tropfen Orange und Lavendel in die Duftlampe - und die Stimmung wird besser. Das wiesen Matthias Laska und Julia Eidt vom Institut für Medizinische Psychologie der Universität München in einer Studie nach.
  • Richtig gehört
    Egal ob ein alter Gassenhauer, Black Eyed Peas oder Mozart: Musik, die persönlich als angenehm empfunden wird, macht augenblicklich glücklich. Das hat überraschenderweise evolutionäre Gründe: Musik sei schon immer ein soziales Erlebnis gewesen, sagt Neuropsychologe Stefan Koelsch vom Max-Planck-Institut in Leipzig. Ein Ereignis, das die Gemeinschaft fördert und Menschen verbindet. Daran erinnern wir uns unbewusst, wenn die Klänge in unser Ohr dringen. Und das macht einfach glücklich.
  • Was fürs Herz
    Ein neues Kleid, ein Lottogewinn, eine köstliche Currywurst: kann die gute Laune kurzfristig heben. Viel effektiver: etwas für einen Mitmenschen tun. Ein Dankesbrief an eine ehemalige Lehrerin, ein Besuch bei einem kranken Freund, kurz einkaufen gehen für die Nachbarin. Nach einer solchen Aktion fühlten sich Menschen noch einen Monat lang glücklicher und zufriedener, fand US-Psychologe Edward Diener in seinen Studien heraus.

Das verdirbt Ihnen die Laune

... aber nicht mehr lange - denn wer die Störenfriede der guten Stimmung kennt, kann sie geschickt austricksen. Einen Versuch ist es auf jeden Fall wert.

  • Eiweiß-Diäten
    Kein Wunder, dass Nudeln glücklich machen! In ihnen stecken nämlich jede Menge Kohlenhydrate. Und die kurbeln das Glückshormon Serotonin an, das für gute Stimmung sorgt. Besonders mies drauf sind deshalb Menschen, die auf Dauer mit einer proteinhaltigen Diät abspecken und auf Kohlenhydrate verzichten. Der Klassiker: die Atkins-Diät. Ein Kohlenhydratmangel scheint sich bei Frauen übrigens stärker auszuwirken als bei Männern. Der Grund: Vermutlich haben sie von Natur aus einen niedrigeren Serotoninspiegel.
  • Zu wenig Schlaf
    Eine durchwachte Nacht macht noch nichts aus. Aber, wenn der Schlaf auf Dauer zu kurz kommt, leidet auch die Seele. Der Grund: Die körpereigene Produktion des Stresshormons Kortisol wird gestört, das sorgt für Nervosität und schlechte Stimmung und steigert auch das Risiko für Bluthochdruck und Übergewicht. Deshalb ist es wichtig, ausreichend zu schlafen. Dabei gilt: Der Schlaf vor Mitternacht ist der Beste. Ein britischer Forscher wies nach, dass es erholsamer ist, früher ins Bett zu gehen, als länger zu schlafen.
  • Schilddrüsenprobleme
    Sie sieht aus wie ein kleiner Schmetterling - aber kann für bleischwere schlechte Laune sorgen, wenn sie nicht ausgewogen arbeitet. Denn die Schilddrüse produziert Hormone, die zahlreiche Stoffwechselvorgänge im Körper beeinflussen. Menschen, die an einer Überfunktion leiden, gehen leicht wegen jeder Kleinigkeit an die Decke, leiden an Schlaflosigkeit. Hinter mieser Stimmung kann aber auch eine Unterfunktion stecken. Betroffene sind oft müde, lethargisch und unkonzentriert. Bei Verdacht sollte man das Blut beim Arzt untersuchen lassen.
  • PMS
    Fast jede zweite Frau kennt das: Die Laune fällt kurz vor den Tagen in ein tiefes Loch. Schuld daran ist vermutlich die Veränderung des Östrogenspiegels nach der Zyklusmitte. Dagegen können pflanzliche Präparate mit Extrakten aus der Heilpflanze Mönchspfeffer helfen. Außerdem beeinflussen Lebensmittel mit viel Kalzium (Käse, Milch, Brokkoli) und Vitamin D (Fisch, Eier, Milch) den Östrogenspiegel positiv.
  • Nebenwirkungen
    Manchmal ist es die falsche Pille: Hormonpräparate können Antriebsschwäche, Angstzustände und Depressionen auslösen. Das Gleiche gilt für manche Mittel gegen Allergien oder hohen Blutdruck. Auch einige Schmerzmittel oder Antibiotika haben diesen Effekt. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte in jedem Fall mit dem Arzt darüber sprechen, wenn die Stimmung ständig auf dem Nullpunkt ist.
  • Text: Katharina Schicht
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