Entspannung
Meditationstechniken: Tun Sie einfach nichts!

Es gibt Meditationstechniken für guten Schlaf, für mehr Konzentration oder gegen Schmerzen. Finden Sie die Methode, die zu Ihrem Typ und Ihrem Ziel passt.

  •  
  •  

Foto: fer77/Fotolia.com

Nichts denken, machen, müssen - wunderbar, aber auch ganz schön schwierig. Die gesundheitlichen und mentalen Effekte der Meditation sind dagegen leicht zu erkennen, vielfältig und inzwischen auch bewiesen. Meditieren wirkt schnell - oft sofort, spätestens jedoch nach wenigen Wochen. Sie ist "vielseitig wie ein Breitbandantibiotikum", sagt Dr. Ulrich Ott, Neurowissenschaftler an der Universität Gießen und Meditationsforscher. Das Problem jedoch: "Es gibt so viele Meditationsformen, dass es manchmal schwierig ist, wirklich valide Studienergebnisse zu erzielen oder gar die Methoden miteinander zu vergleichen." Ein gutes Beispiel und auch intensiv erforscht ist die Meditationsform "Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion" (Mindful-Based Stress Reduction oder MBSR). Einer Studie der Universität Minnesota zufolge hilft ein achtwöchiges MBSR-Training genauso gut gegen Schlaflosigkeit wie die Einnahme von Schlaftabletten. Der Grund: Der Blutdruck sinkt messbar, die Muskulatur lockert sich, Herz und Atem gehen ruhiger. Außerdem fährt der Körper die Produktion von Stresshormonen wie Cortisol oder Adrenalin herunter.

In manchen Fällen erspart es sogar Medikamente

Das ruhige Sitzen auf dem Meditationskissen oder dem Stuhl verhindert zudem Schnupfen und Husten. Es stimuliert das Immunsystem, reduziert krank machende Stresshormone und mindert deshalb vermutlich das Entzündungsgeschehen im Körper. "In manchen Fällen erspart es sogar Medikamente", sagt der Psychologe und Meditationsforscher Prof. Stefan Schmidt vom Universitätsklinikum Freiburg. Außerdem - und das ist vielleicht der wichtigste Effekt: Meditieren macht ruhiger, gelassener, lässt uns mit Stress besser umgehen. Warum das funktioniert? Weil wir im Wesentlichen unseren Geist überlisten. "Im Buddhismus spricht man von Schmerz ohne Leiden", erklärt der Experte. Das heißt: Wer meditiert, lernt, Dinge nicht mehr zu bewerten, sondern ohne Wertung anzunehmen. Und das scheint der Gesundheit und den Nerven äußerst zuträglich zu sein, zeigte eine Studie der Universität Freiburg mit Migräne- und Rückenschmerzpatienten.

Nach einem Kurs in MBSR waren deren Beschwerden zwar nicht verschwunden und auch kaum schwächer. Aber die Männer und Frauen fühlten sich dennoch viel zufriedener und weniger depressiv - und sie benötigten deutlich weniger Schmerzmittel als eine Vergleichsgruppe, die nicht meditierte. Das scheint nicht nur mit der neuen Bewertung der Situation zusammenzuhängen, sondern auch damit, dass bestimmte körpereigene Stoffe ausgeschüttet werden, die beispielsweise das Belohnungssystem anregen. Natürlich geht das nicht von heute auf morgen. Aber durch regelmäßiges, am besten tägliches Üben wächst einem mehr und mehr Geistesruhe zu, so wie man durch regelmäßiges Joggen die physische Ausdauer steigert. Es erfordert Disziplin, keine Frage. Deshalb ist es wichtig, die Meditationsform zu finden, die gut passt: zu mir selbst und zu dem, was ich will. Geht es darum, schnell das Karussell negativer Gedanken zu stoppen und Aufmerksamkeit zurückzubringen? Oder sollen Schlafprobleme, Verspannungen oder Schmerzen gelindert werden? Die verschiedenen Formen der Meditation tun gut, haben aber durchaus auch unterschiedliche Stärken.

Seite:

  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5. 5
  6. 6
  • Text: Anne-Bärbel Köhle
  •  
  •  
Sie interessieren sich für unsere Themen? Kostenlosen Newsletter bestellen