Zungenkuss. Kupplung kommen lassen. Einschlafen. Es gibt Dinge im menschlichen Dasein, die sollte man machen, ohne darüber nachzudenken.
Auch im Umgang mit zornigen Lebensgefährten und Pin-Nummern ist ein natürlicher, quasi unbewusster Umgang empfehlenswert. Fängt man erst mal das Grübeln an, geht meistens was schief.
Bedauerlicherweise bin ich selbst dafür das durchschnittlichste und beste Beispiel: Brauche ich ganz dringend Geld, haste zum Automaten und wispere mantramäßig vier Zahlen vor mich hin, dann ist es garantiert gleich wieder so weit: "Die eingegebene Geheimzahl ist falsch. Ihre Karte wird eingezogen."
Oder: Je pädagogisch sinnvoller und angelesener ich auf meinen schwierigen Lebenspartner reagiere, desto größer ist die Chance, dass ich wenig später Sekt saufend bei einer Single-Freundin hocke und sie hingebungsvoll um ihre Lebensform beneide.
Oder: Kaum fange ich an, bewusst zu atmen, fühle ich mich dem Erstickungstod nahe. Kaum fange ich an, bewusst einzuparken, wird die Schlange hupender Besserwisser hinter mir immer länger. Und: Je dringender
ich einschlafen will, desto wacher liege ich.
Es ist doch so: Je wichtiger der Termin morgens um acht ist, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass man um eins noch kein Auge zugemacht hat – obschon man seit zehn meditierend im Bett liegt, mit Kuschelsocken aus Angorawolle an den Füßen, zwei Tässchen zimmerwarmem Bio-Schlaftee im Blut und einer 5000-Euro-Matratze aus intermolekular gepresstem Kaltschaum unterm Hintern. Eigentlich nicht verwunderlich, dass der Deutsche dann am besten schläft, wenn er es nicht muss: von Samstag auf Sonntag. Die unruhigste Nacht in Deutschland hingegen ist die von Sonntag auf Montag, denn da kommt’s ja wieder drauf an, am nächsten Morgen leistungsfähig und entspannt rüberzukommen.
Nur die Hälfte der Deutschen schlafen gut genug. Wenn Sie zu denen gehören, dann machen Sie bloß, dass Sie jetzt wegkommen. Jeder, der nicht weiß, was ein Concealer ist und dass er erfunden wurde, um Augenringe abzudecken, jeder, der noch nie die unsäglichen "Sexy Clips" im Fernseh-Nachtprogramm gesehen hat, jeder, der noch nie ein Nutellabrot um drei Uhr morgens gegessen, den schnarchenden Partner, den gnadenlosen Wecker, die rotierenden Gedanken verwünscht hat, sollte sofort aufhören zu lesen. Weiterblättern. Weiterschlafen. Gute Nacht.
Weil, wenn Ihnen bewusst wird, wie wichtig Schlaf ist, wie lebenswichtig, wie störanfällig er ist, was für ein immer rarer werdendes Geschenk er ist, dass 90 Prozent unserer Gesundheit von der Qualität unseres Schlafes abhängen, wenn Ihnen bewusst wird, was für ein Schweineglück Sie haben, weil Sie kein Problem haben – nun, dann hätten Sie womöglich bald eines. Und dann wäre es vorbei mit der gesegneten Nachtruhe. Und dann würden Sie mal sehen, in wie vielen anderen Wohnungen auch zur Unzeit das Licht an und die Kühlschranktür aufgeht.













