Work-Life-Balance
Was tun gegen Stress?

Mehr als jeder zweite Berufstätige gibt an, dass im Job mehr zu tun ist, als man schaffen kann. Was tun gegen Stress? Wir sagen Ihnen, wie Sie wieder zu sich selbst finden.

  • Ich bin schon wieder total gestresst. Soll das jetzt ewig so weitergehen?
    Gegenfrage: Wissen Sie, welcher Stresstyp Sie sind?
    Die US-Ärztin Roberta Lee hat vier Typen festgemacht, die auf ganz unterschiedliche Situationen gestresst reagieren: "Leistungstiere" blühen unter Termindruck auf, verlieren aber den Boden unter den Füßen, wenn sie Misserfolge erleben. "Kreative Chaoten" haben gern viel um die Ohren, drehen nur durch, wenn sie sich langweilen.

    "Gefühlsarbeiter" gehen in Team und Freundeskreis auf, sind aber gestresst, wenn sie kritisiert werden. Und "Kämpfer" sind immer angepikt, wenn sie Ungerechtigkeit wittern. Alle Typen sind also grundsätzlich belastbar. Trifft man aber ihren wunden Punkt, entweicht die Energie aus ihnen wie Luft aus einem Ballon.
  • Wie kann ich herausfinden, was mir Energie raubt?
    "Fahnden Sie nach den Momenten, in denen die Stimmung kippt", rät die Hamburger Trainerin Carola Kleinschmidt. Machen Sie den Auslöser ausfindig, z. B. den Anruf vom cholerischen Vermieter oder die neue Firmenstatistik mit roten Zahlen. So können Sie Ihren Stresstyp leicht ermitteln. Ein Tipp: Situationen, die bei Ihren Kollegen und Freunden nur ein Schulterzucken auslösen, Sie selbst aber tief treffen, sind verdächtig.
  • Wie komme ich nach solchen Situationen schneller wieder ins Lot?
    Als kleine Sofortmaßnahme hilft ein Trick aus der Achtsamkeitsmeditation: Versuchen Sie, die kniffelige Situation so zu nehmen, wie sie ist, und bewerten Sie nicht. Wenn z. B. die Chefin rumpoltert, ist es nicht ihr Schimpfen, das uns stresst. Uns macht das Kopfkino fertig, das dann angekurbelt wird, etwa die Angst, aus dem Job zu fliegen.

    Wer Situation und Bewertung entkoppelt, bekommt mehr Spielraum und merkt: Der Stress lässt nach. Und: So schlimm, wie wir es uns ausmalen, wird es sowieso nie.
  • Ich finde es nicht leicht, mich von negativen inneren Stimmen zu lösen. Woran liegt's?
    Um einen gelassenen Blick zu bekommen, braucht man Übung. Trotzdem: Wer dauernd im Befürchtungssumpf stecken bleibt, sollte tiefer gucken - beim eigenen Selbstwertgefühl.

    "Wer einen geringen Selbstwert hat, ist besonders anfällig für Stress-Symptome", sagt die Trierer Psychotherapeutin Stefanie Stahl. Denn wer sich selbst nicht schätzt, schaut nicht auf seine Stärken, sondern vor allem auf seine Schwächen und kann diese gleichzeitig nicht akzeptieren. Das zermürbt.
  • Warum hilft mehr Selbstbewusstsein gegen Stress?
    Weil wir dann unsere Position im Spiel des Lebens komplett ändern: Wer seinen Selbstwert stärkt, stellt nicht mehr andere Menschen oder den Druck im Job ins Zentrum seines Alltags, sondern sich selbst. So können wir stärker darauf achten, wie es uns gerade geht, wo unsere Grenzen sind. Das Urteil anderer ist dann nicht mehr so wichtig - wir trauen uns eher, uns durchzusetzen.

    Wer ernsthaft versucht, den Spot auf sich selbst zu richten, sollte vor allem eins tun: täglich einmal bei sich selbst vorbeikommen. Ruhepausen in den Alltag einbauen, vielleicht Tagebuch schreiben, Sport machen oder meditieren - wer sich nah ist, wird stärker. Nicht umsonst bezeichnen viele Mediziner das Selbstwertgefühl als "Immunsystem der Psyche".
  • Kann ich verhindern, in Stress-Situationen reinzurutschen?
    Gute Idee. Dazu sollten Sie aber wirklich wissen, wie Sie ticken. Für kritikanfällige Gefühlsarbeiter (siehe Frage 1) gilt: Haifischbecken meiden, dazu stehen, dass man es kuschelig mag. Kreative Chaoten sollten sich lieber selbstständig machen, als in einer stumpfen Tretmühle zu bleiben, und sich auch privat mit bunten Vögeln umgeben.

    Ein Sonderfall sind "Leistungstiere". Gerade weil sie so viel und so gern arbeiten, brauchen sie mehr als alle anderen Typen eine gute Balance im Leben, also enge Freunde und erfüllende Hobbys.
  • Was kann ich jeden Tag tun, um mein Nervenkostüm zu stärken?
    Hört sich vielleicht komisch an, aber: anders essen. Wer sich erschöpft fühlt, sollte besser auf Salat verzichten und mittags und abends warme Gemüsesuppen essen, die laut ayurvedischer Lehre beruhigen und kräftigen. Und zum Mittagessen ist Pasta mit Pesto besser als Bolognese, denn im Basilikum steckt Extra-Energie.

    Nervennahrung für zwischendurch sind Cashewnüsse. Und wer es schafft, den ständigen Kaffee durch Tees mit Ingwer und Zimt zu ersetzen, kommt nach ein paar Wochen meist von selbst ins Gleichgewicht, hat Gesundheitscoach Anke von Platen festgestellt.
  • Text: Anne Otto
    Ein Artikel aus BRIGITTE Balance
Sie interessieren sich für unsere Themen? Kostenlosen Newsletter bestellen