Biologisches Alter: Wie jung ist mein Körper?

Auf den Magnetresonanz-Bildern sehe ich aus wie eine Person aus dem Bio-Buch der Oberstufe. Professor Bamberger spricht zufrieden von einem "gleichmäßigen Faltenrelief" und zitiert einen spaßigen Kollegen: "Ihr Gehirn ist quasi unbenutzt!"

Und dann entlässt mich der Arzt meines Vertrauens zurück ins Leben. Und vor dem Einschlafen denke ich gerührt an meine hübschen Nieren und an mein tapferes Herz. An den "juvenilen Aspekt" meiner Halsgefäße, meine vollständig belüfteten Lungen, die zartwandige Gallenblase - und ich habe das beruhigende Gefühl, unter Freunden zu sein. Und die Gewissheit, dass ich gesund und belastbar genug bin, um jetzt auch mit zügigem Tempo meiner ewigen Jugend hinterherzurennen. Warum? Weil ich wissen will, was möglich ist, weil ich ausreichend oberflächlich bin, mich brennend für meine Oberfläche zu interessieren, und weil wabbelige Oberarme ein Zeichen für mangelnde Disziplin sind, genauso wie ein schlaffes Hirn. Muss man nicht mit leben, oder?

"Dein Körper liefert dir keine Ausreden, irgendwas nicht zu tun", sagt eine strenge Stimme in meinem schmerzenden Rücken. Ich könnte heulen. Diese elendigen Hanteln sind so ungeheuerlich schwer, meine Arme tun so ungeheuerlich weh, und ich halte es für absolut ausgeschlossen, dass ich die letzten drei von 15 Wiederholungen lebend überstehe.

"Du musst über deine Grenzen gehen!", sagt die Stimme. "Dafür bin ich aber nicht der Typ!", keuche ich grantig. "Dann wirst du eben der Typ. Noch drei Wiederholungen!" Die Stimme, die keine Gnade kennt, gehört meinem Fleisch gewordenen inneren Schweinehund. Der heißt Marco Santoro, ist Personal Trainer und ruiniert für einen Freundschaftspreis von 80 Euro die Stunde zuzüglich Mehrwertsteuer mein Leben.

Ich hatte mich bisher für einen sportlichen Menschen gehalten. Dreimal die Woche eine Stunde Ausdauertraining - kein Problem für eine Athletin wie mich. Dass ich bei meinen Runden um die Hamburger Alster häufig von fettleibigen Dackeln und walkenden Seniorinnen-Gruppen überholt wurde, hatte mich kaum gestört. Fettverbrennung funktioniert am wirksamsten im aeroben Bereich, ganz ohne Anstrengung, ohne Schweiß, hatte ich mich getröstet. Dieses Konzept des Niedrigleistungs-Sports kam meinem trägen Gemüt uind meinem auf Widerstandsvermeidung ausgelegten Charakter sehr entgegen.

  • Text: Ildikó Kürthy
    Foto: Mathias Bothor
    Ein Artikel aus der BRIGITTE 13/09
  • Artikel vom 28. Mai 2009
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