Astrologie
Sternzeichen Jungfrau: Analytisch und unabhängig

Die Jungfrau gilt als penibel und putzwütig. Was das Sternzeichen Jungfrau wirklich ausmacht, verrät BRIGITTE-Astrologin Roswitha Broszath im Interview.

Foto: Ralf Nietmann

Roswitha Broszath

Roswitha Broszath

BRIGITTE.de: Was verrät uns das Sternzeichen Jungfrau über Jungfrau-Geborene?

Roswitha Broszath: Jungfrau ist ein sehr großes Sternbild, was die Wichtigkeit des Zeichens unterstreicht. Auf alten Karten wird die Jungfrau mit Flügeln und zwei Kornähren dargestellt. Am meisten hat sie zu tun mit der Göttin Demeter, die die guten Gaben Brot und Wein bringt. Die Flügel sind allerdings ein bisschen verwirrend, denn Jungfrau ist ja kein Engel.

Jungfrau steht für eine freie, unabhängige Weiblichkeit. Kein Tierkreiszeichen hat diese Unabhängigkeit, die die Jungfrau hat. Sie will niemand untertan sein. Sie achtet darauf, ihren eigenen Weg gehen zu können, egal in welcher Lebenssituation. In elementaren Dingen wird sie keine Kompromisse machen.

BRIGITTE.de: Jungfrauen werden schnell mal als penibel, perfektionistisch und putzwütig dargestellt.

Roswitha Broszath: Das wird dem Zeichen nicht gerecht. Natürlich hat die Jungfrau den Anspruch, sehr genau zu sein, und sie hat auch durchaus etwas Perfektionistisches, aber wunderbarerweise nicht durchgängig. Jungfrauen können auch eine Ecke haben, wo sie wohltuend schlampig sind, als gesundes Regulativ eigentlich. Ganz sicher ist die Jungfrau nicht prädestiniert dafür, eine perfekte Hausfrau zu sein. Vielmehr hat sie einen besonderen kosmischen Auftrag: mit Mut und Demut etwas zur Heilung dieses Planeten beizutragen.

Die Begabung zur Analyse und Diagnose gehört zu Jungfrau dazu, ebenso der Reinheitsanspruch. Deswegen sind Jungfrauen auch gehäuft in therapeutischen Berufen zu finden und befassen sich bevorzugt mit den Unebenheiten des Lebens, die der Heilung und Ordnung bedürfen. Umweltschutz ist explizit Jungfrauqualität. Sie haben eine kritische Sichtweise und den Mut, Unangenehmes und Unbequemes beim Namen zu nennen und ins Lot zu bringen. Kein anderes Tierkreiszeichen hat so einen starken Bezug zum Zen-Buddhismus wie die Jungfrau. Hier gibt es besondere Regeln, die besagen, dass selbst unbedeutende tägliche Pflichten wie Staubwischen, Bügeln, selbst so niedere Arbeiten wie die Toilette zu putzen, eine göttliche Handlung sein können. Alles ist Meditation und wird von der Jungfrau mit dem rechten Bewusstsein erledigt. Zen-inspiriert sieht die Jungfrau die Schönheit in der Schlichtheit und Einfachheit.

"Große Weisheit kommt von großem Zweifel", dieses Konfuzius-Wort ist übrigens auch eine typische Jungfrau-Sichtweise.

BRIGITTE.de: Klingt, als hätten wir schon ein Jungfrau-Motto gefunden.

Roswitha Broszath: Ja, aber es gibt noch weitere. "Ordnung ist das halbe Leben" zum Beispiel, aber nicht, weil die Jungfrau so perfektionistisch ist, sondern weil sie Unordnung als Zeitverschwendung empfindet. Sie ist sehr ökonomisch. Dass Jungfrauen nicht gut delegieren können, zeigt sich in einem weiteren Motto: "Nur was ich selbst mache, ist gut erledigt".

BRIGITTE.de: Wo sind Jungfrauen beruflich gut aufgehoben?

Roswitha Broszath: Bedauerlicherweise sind sie häufig in der zweiten Reihe zu finden, was in der Kindheit begründet ist. Jungfrauen werden oft in einer Situation geboren, in der jemand hinterfragt, ob es klug ist, jetzt ein Kind zu bekommen. Weil die Eltern beispielsweise sehr angespannt sind, in einer existenziellen Neugründung oder auch Notlage stecken. Das noch ungeborene Kind verinnerlicht dieses Gefühl, ungelegen zu kommen. Aus dieser Situation heraus bleiben Jungfrau-Geborene später häufig in der zweiten Reihe und müssen ermuntert werden, für ihre wirklich glänzenden Leistungen auch das entsprechende Lob zu fordern, bevor jemand anders sich mit ihren Leistungen in den Vordergrund stellt.

BRIGITTE.de: Welche Berufe liegen Jungfrauen denn besonders?

Roswitha Broszath: Zur Jungfrau gehört: ordnen, klären, heilen. Eine Jungfrau arbeitet systematisch, methodisch, verlässlich, kontinuierlich, logisch. Das befähigt sie, perfekte Arbeit abzuliefern. Mit ihren Präferenzen sind Jungfrauen häufig in therapeutischen Berufen zu finden, sehr oft sind sie sozialpädagogisch tätig.

Psychologische Körpertherapie ist auch eine Stärke der Jungfrau, weil sie - wie kein anderes Tierkreiszeichen - das Wissen um die Einheit von Körper, Seele und Geist hat. Auch Ernährung ist ein Spezialgebiet von ihr, vielleicht auch, weil sie selbst sehr empfindlich ist, was Nahrungsmittel angeht. Die Jungfrau wird sich immer sachkundig machen statt zu klagen, dass sie bestimmte Nahrungsmittel nicht verträgt. Aus der Not eine Tugend zu machen, ist eine typische Jungfrau-Gabe.

Dank ihres grünen Daumens sind Jungfrauen auch gute Gärtner oder Landschaftsarchitekten. Auch für Berufe, in denen organisiert und geplant werden muss, sind sie bestens geeignet. Ihre Genauigkeit prädestiniert sie für Berufe wie Finanzbeamter oder Steuerberater, wichtig ist aber, dass die Materie nicht zu trocken ist. Auch wenn Jungfrauen eine rationale Sichtweise haben und selbst ungeliebte Arbeiten konzentriert erledigen, beschäftigen sie sich schon gern mit inspirierenden Aufgaben.

Häufig sind Jungfrauen auch im Verlagswesen zu finden - als Autorin, Redakteurin oder Lektorin. Sie sind auch gute Theater- oder Literaturkritiker, weil sie die Fähigkeit haben, schnell Schwachpunkte auszumachen und das Wesentliche zu erfassen.

Ihr Verantwortungsgefühl für die Umwelt führt Jungfrauen häufig in die ökologische Landwirtschaft, lässt sie als Umweltaktivisten arbeiten oder in einem Bioladen. Sie scheuen sich nicht, Umweltskandale publik zu machen.

Jungfrauen haben das große Bedürfnis, sich durch perfekte Leistung unangreifbar zu machen. In der Kindheit werden sie häufig nicht so gefördert und müssen sich alles hart erkämpfen: das Gymnasium, das Studium, das Geld für das Studium. Das prägt.

BRIGITTE.de: Wie sind Jungfrauen in Beziehungen?

Roswitha Broszath: Eine Jungfrau wird sich jemanden suchen, der ihre Besonderheit zu schätzen weiß, der sie nicht einschränkt, der auch ihre Kritik hinnehmen kann. In einer Beziehung wird sich die Jungfrau nicht zurücknehmen und schon gar nicht anpassen, weil das etwas ist, was in der Kindheit permanent von ihr gefordert wurde. Sie wird außerdem immer darauf achten, dass sie Herrin ihrer eigenen Entscheidungen ist.

Weil sie anderen nichts durchgehen lässt, ist die Jungfrau sicherlich keine einfache Partnerin. Sie ist bedacht auf eine Balance zwischen Geben und Nehmen. Sie ist sehr offen und klar, erwartet das vom anderen aber auch. Mit ihrer beherrschten Art kann sie ihren Partner bei Streitigkeiten ganz schön provozieren. Weil Jungfrauen nicht so schnell die Contenance verlieren, haben sie in Beziehungen häufig die Oberhand. Eine Jungfrau bleibt lieber allein, als mit jemandem zusammen zu sein, der sie unwürdig behandelt oder zu Kompromissen nötigt. Lieber aus gutem Grund alleine als aus schlechtem mit jemandem zusammen, ist Jungfrau-Motto.

Wenn jemand unerwachsen ist und in Beziehungen keine Verantwortung übernimmt, wird sie ihm das genauso sagen. Sie ist mitfühlend, aber nicht auf sentimentale Weise, sondern konkret zupackend. Was ihr Herz bewegt, wird sie nur dann öffentlich machen, wenn sie sich wirklich aufgehoben fühlt. Vertrauen muss man sich bei der Jungfrau erst verdienen.

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  • Interview: Katharina Wantoch
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