Astrologie
Sternzeichen Zwillinge: Die rasenden Reporter

"Ab und zu sollten Zwillinge auch mal Luft holen", rät Astrologin Roswitha Broszath - und verrät im Interview noch viel mehr über das Wesen des Sternzeichen Zwillinge.

Foto: Ralf Nietmann

Roswitha Broszath

Roswitha Broszath

BRIGITTE.de: Lassen sich in dem Sternbild Zwillinge tatsächlich zwei Figuren ausmachen?

Roswitha Broszath: Auf alten Sternkarten sind Zwillinge durch zwei Jünglinge, Castor und Pollux, Söhne des Zeus, dargestellt, die sich zugewandt sind und sich umarmen. In ihnen kommt die Doppelnatur des Zeichens Zwillinge zum Ausdruck. Pollux, der nicht den Gesetzen der Sterblichkeit unterworfen ist, ist selbstbewusst, kühl, analytisch, kritisch, abwägend und in sich selbst ruhend. Sein Bruder Castor ist den Gesetzen der Sterblichkeit unterworfen und mehr den weltlichen und materiellen Dingen zugewandt. Er wird meist oberflächlicher dargestellt. Zwillingen können diese beiden Seiten zu Eigen sein, was zu inneren Kämpfen und einer Zerrissenheit führen kann. Sie sind also keineswegs so einfach gestrickt, wie sie in der Trivialastrologie oft dargestellt werden, wie sie sich aber gern auch selbst manchmal darstellen. Sie signalisieren nach außen, dass alles ganz unkompliziert ist, weil sie niemandem Zugang gewähren wollen zum tiefsten Inneren ihrer Seele.

BRIGITTE.de: Was verraten uns Castor und Pollux noch über Zwillinge-Geborene?

Roswitha Broszath: Castor und Pollux waren einander sehr zugetan und sich treu ergeben. Dadurch symbolisieren sie etwas, das Zwillingen sehr wichtig ist, die Freundschaft. Es gibt keine besseren Freunde als Menschen, die die Sonne in Zwillinge haben. Oft pflegen sie lebenslange Freundschaften und haben eine fast heilige soziale Treue. Sie sind sehr tolerant und bringen anderen eine große Wertschätzung entgegen.

In der Mythologie haben sich Castor und Pollux mit Jason auf die Suche nach dem Goldenen Vlies gemacht. Aus dieser Geschichte lässt sich die Wissbegierde der Zwillinge ableiten, ihre Lust auf Informationen und das Wissen um das Weltgeschehen, ihre Neugier im allerbesten Sinne. All das bringt Zwillinge dahin, wo sie meistens zu finden sind, in journalistische Berufe. Zwillinge haben die Fähigkeit, besonders gut mit Sprache und Schrift umgehen zu können, sie sind kommunikativ, wissbegierig, beweglich, quecksilbrig und immer am Puls der Zeit. Durch dieses hohe Tempo, das sie durchs Leben treibt, mögen sie oberflächlich wirken, aber das sind sie nicht. Ich glaube aber, dass es Zwillingen manchmal ganz recht ist, wenn sie sich hinter diesem Eindruck verstecken können, damit man nicht an ihre wunden Punkte kommt, die sehr ausgeprägt sind. Zwillinge haben zum Beispiel keineswegs so eine federleichte, wunderbare Kindheit, wie sie sie gern darstellen.

BRIGITTE.de: Sondern ...?

Roswitha Broszath: Sie werden in ihrer Kindheit dazu gebracht, rationale Erklärungen zu finden für all die Dinge, die nicht in Ordnung sind. Häufig ist es so, dass Zwillinge nebenbei groß werden - als Kinder junger Eltern, die noch in der Ausbildung stecken. Und junge Eltern haben nicht die Tendenz, ihre Ängste auf die Kinder zu übertragen, weil sie selbst noch unbedarft durchs Leben gehen. Dadurch werden die Kinder auch früh selbstständig und übernehmen Verantwortung. Häufig sind sie Schlüsselkinder und versorgen sich selbst, womit sie auch problemlos klarkommen, so wie Zwillinge sich generell mit jeder Situation arrangieren können und in Alltagsdingen sehr geschickt sind.

Durch diese Elternsituation sind Zwillinge sehr auf den Kopf und den Intellekt ausgerichtet. Darin spiegelt sich der Herrscher des Zeichens Zwillinge, Merkur, und zwar Merkur in Gestalt des Morgensterns im Gegensatz zu Merkur in Gestalt des Abendsterns, wie wir ihn bei Jungfrau finden. Der Merkur der Zwillinge ist der flinke Götterbote, der immer unterwegs ist, der rasende Reporter, der die himmlisch-göttlichen Botschaften überbringt. Merkur ist auch der Gott der Kaufleute, der Händler, der Schreiber, der Wissenschaftler, der Handwerker, der Reisenden - und der Diebe. Dadurch heißt es schnell mal, Zwillinge seien unehrlich. Das stimmt nicht, aber listenreich sind sie schon. Niemand ist so geschickt im Erfinden von Ausreden. Ruckzuck haben Zwillinge eine Idee, wie sie etwas erklären können. Da hilft ihnen ihre Eloquenz natürlich auch.

BRIGITTE.de: Zwillinge sind in journalistischen Berufen zuhause, wie wir schon gehört haben. Wo noch?

Roswitha Broszath: Es gibt noch viele andere Berufsfelder für Zwillinge. Sie sind zum Beispiel oft als Hochschullehrer oder Forscher tätig. Außerdem sind sie gut, wenn es darum geht, auf kleinem Gebiet sehr präzise zu arbeiten. Handchirurg, Zahntechniker oder Zahnarzt sind deshalb typische Zwillinge-Berufe. Auch Mechaniker, Meteorologe oder Mathematiker.

Ihr Talent, Fremdsprachen zu erlernen, führt Zwillinge in Berufe wie Übersetzer oder Sprachwissenschafter. Ihre Eloquenz prädestiniert sie für den Anwaltsberuf, aber auch für die Werbung. Im dritten Haus, das den Zwillingen zugeordnet ist, finden wir zum einen die Printmedien, aber auch die Werbung. In künstlerischen Berufen sind Zwillinge ebenfalls richtig gut - ob als Plakatmaler, Illustratoren oder Cartoonisten.

Zwillinge sind auch gute Moderatoren. Vor allem als Nachrichtensprecher sind sie geeignet, weil sie es schaffen, Informationen zu vermitteln, ohne ihre Emotionen einfließen zu lassen.

BRIGITTE.de: Zieht es Zwillinge im Beruf ganz nach oben?

Roswitha Broszath: Einen pathologischen Ehrgeiz haben Zwillinge nicht. Unter Einsatz der Ellenbogen einsam an die Spitze streben, das würde ein Zwilling nie machen. Dann nimmt er lieber andere mit und geht mit ihnen gemeinsam nach oben. Zwillinge sind keine verbissenen Arbeiter, können aber fleißig sein, wenn sie etwas tun, was ihnen richtig Spaß macht. Sie sind geistig extrem rege und sehr neugierig und deshalb immer darauf bedacht, sich weiterzuentwickeln und in neue Felder vorzustoßen. Was sie machen, machen sie richtig gut und haben dabei manchmal geradezu etwas Geniales.

BRIGITTE.de: Und das teilen sie gern mit anderen?

Roswitha Broszath: Zwillinge sind sehr teamfähig, weil sie durch die Anpassungszwänge in der Kindheit oft dazu gebracht werden, sich schon im ersten Team, der Familie, einzufügen. In der Kindheit sind Zwillinge häufig der kleine Sonnenschein, der Entertainer, der dafür sorgt, dass die Familie guter Stimmung ist. Oft sind sie der Coach der Mutter und sorgen dafür, dass sich die Mutter bei ihnen entlasten kann. Eine Rolle, die das Zwillinge-Kind durchaus überfordern kann, was man ihm aber nie anmerken würde. Zwillinge würden nie zeigen, dass es ihnen nicht gut geht, sie würden es vielleicht nicht mal vor sich selbst zugeben, weil sie immer rationalisieren und sich sagen: "Meine Eltern sind wunderbar, und wenn sie mehr Zeit hätten, würden sie noch mehr für mich tun".

Die Kontaktfreudigkeit der Zwillinge ist meist auch schon im Elternhaus begründet. Sehr häufig haben die Eltern einen großen Freundeskreis, pflegen manchmal auch so etwas wie ein offenes Haus, wo jeder hinkommen kann, um sich auszutauschen. Zwillinge-Kinder brauchen unbedingt viel Kontakt mit anderen Kindern, weil sie sich über die Kommunikation selbst spüren lernen. Dass Zwillinge so kopfgesteuert sind, rührt auch daher, dass sie in der Kindheit oft durch mehrere Bezugspersonen versorgt werden, weil die Mutter schnell wieder in den Beruf zurückkehrt und dann die Großmutter oder andere Personen für das Kind sorgen. Dadurch fangen Zwillinge sehr früh an, sich mit ihrem Intellekt nach außen in der Welt vorzutasten und sich abzugrenzen. Das kann sie sehr vom Gefühl entfernen. Zwillinge müssen lernen, eine Brücke zwischen Herz und Verstand, Gefühl und Intellekt zu schlagen.

Seite:

  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5. 5
  • Interview: Katharina Wantoch
Sie interessieren sich für unsere Themen? Kostenlosen Newsletter bestellen