Leseprobe: "Citygirl" Barbara Stcherbatcheff

Monatelang berichtete Bankerin Barbara Stcherbatcheff in ihrer Kolumne "Citygirl" in einer britischen Zeitung über den Alltag in den Büros, in denen in wenigen Stunden Millionen gewonnen oder vernichtet werden, über ein Leben mit dicken Boni und über den tiefen Fall einer ganzen Branche, als die Finanzkrise kam. Das Buch zu ihrer Kolumne erscheint nun auch auf Deutsch: BRIGITTE.de präsentiert eine Leseprobe aus "Die City. Das Girl. Die Geschichte", das unter ihrem Pseudonym Suzana S. veröffentlicht wurde.

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Die Jungs fuhren immer Richtung Westen, wenn sie ernstlich Geld loswerden wollten. Nächte im Wharf seien etwas für Amateure, sagte Roach. Das seien sozusagen die Kostümproben. Im West End, dort ging es wirklich ab und man konnte besser Mädels aufreißen – nicht dass mir das wichtig gewesen wäre. "Bist du sicher, dass das etwas für dich ist? Das wird garantiert eine abscheuliche Ausschweifung", hatte mich Gordon im Taxi von Canary Wharf aus gewarnt, als ich zum ersten Mal zu einer ihrer regelmäßigen Spielnächte eingeladen wurde. "Ich bin dabei", sagte ich.

Die erste Station des Abends war vor einem Klub in der Nähe der Regent Street. Die Sicherheitsleute an der Tür schienen uns zu erkennen oder zumindest erkannten sie unseren Typ. Wir wurden direkt durchgewunken. Bis wir unten ankamen, hatte eine sexy Australierin uns einen Tisch freigemacht. Eine genauso sexy Kellnerin war in Bereitschaft, uns die ersten Drinks zu bringen. Mir fiel sofort auf, wie gut wir hierherpassten. Ich hatte mir vorgestellt, dass eine große Gruppe übernächtigter Typen in Anzügen in einem großen Klub im West End fatal uncool sein würde. Aber die Typen wurden cool, sobald sie ihre Brieftasche aufmachten. Das ist wie bei dem Spruch, dass kleine reiche Männer sehr groß wirken, wenn sie auf ihren Brieftaschen stehen. Wenn für uns an jenem Abend das gleiche Prinzip gegolten hätte, wären wir mit den Köpfen gegen die Decke geknallt.

"Die kostet an diesem Tisch 700 Pfund", sagte mir Roach, als wir uns hinsetzten. Jemand hatte eine Flasche Grey Goose bestellt, der gleich noch eine Flasche Champagner für 1.000 Pfund folgte. Ich hatte keine Ahnung, was für ein Jahrgang oder was für eine Marke das war. Ich bezweifle auch, ob Roach oder sonst jemand das wusste. Aber das machte nichts. Der Champagner kostete 1.000 Pfund. Allein das machte ihn fabelhaft.

Kein Wunder, dass sich unsere schöne blonde Bedienung nie weit von unserem Tisch entfernte. Der Klub brummte, aber sie sah nie anderen Gästen in die Augen.

"Noch einen für den Weg, und dann wird es Zeit für ein bisschen echten Spaß", sagte Roach, als wir noch nicht einmal eine Stunde im Klub gewesen waren.

Wir verließen den Klub genauso schnell, wie wir hineingerauscht waren. "Bis bald, Gentlemen", säuselte das sexy australische Mädchen, als wir gingen. Roach winkte uns ein paar Taxis heran, die uns nach Mayfair brachten. Wir wurden in einer vergoldeten Straße direkt neben der schwer bewachten Botschaft von Saudi-Arabien abgesetzt und ich sah zu, wie die Jungs die Taxis bezahlten.

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