Leseprobe: "Citygirl" Barbara Stcherbatcheff

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City-Boni hingen angeblich von drei Hauptkriterien ab: wie viel Geld die Bank im letzten Jahr verdient hatte, welche Leistung das Team gebracht hatte, zu dem man gehörte, und welche Leistung man im Vergleich zu den Kollegen gebracht hatte. Aber diese Bestimmungen waren eindeutig Unsinn. In der Zeit des Booms gab es noch das, was man als "Garantiebonus" bezeichnet – ein Freifahrschein. Den konnte man bekommen, wenn man alle zwei oder drei Jahre die Bank wechselte, vorausgesetzt man brachte eine gute Performance und man brachte ein paar Kunden mit. Wenn man von einer Konkurrenzbank abgeworben wurde oder auch nur damit drohte, sich abwerben zu lassen, konnte einem das viel mehr Geld einbringen als irrelevante Dinge wie extrem lange Arbeitszeiten oder wie gut man am Markt tradete. Es gibt schon immer diese groteske Vorstellung, die Akteure der City müssten deshalb im Monat mehr verdienen als ein Lehrer im Jahr, weil sie so extrem talentiert sind und weil unser Beruf so wechselhaft ist. Realistisch betrachtet besteht unsere außerordentlichste Fähigkeit darin, dem System den größtmöglichen Geldbetrag abzuluchsen. Tatsächlich putscht vor allem die sprunghafte Natur der City-Karrieren unsere Gehälter so hoch. Wir haben diesen Beruf so wechselhaft gemacht, weil wir so oft wie möglich die Pferde wechseln. Das ist viel leichter, als seine Arbeit gut zu machen und auf eine Beförderung zu warten. Enden würde all das erst, wenn die Märkte implodierten und die Musik nicht mehr spielte. Aber Anfang 2007 schlugen wir die Warnungen in den Wind, dass das je passieren könnte.

Wie viel würden wir Gimps also bekommen? Das Geld, das wir wollten, hatte eindeutig nichts damit zu tun, wie viel Geld wir brauchten. Selbst wenn wir mit unseren Ende 20 oder Anfang 30 rechtfertigen konnten, dass wir zusätzliche 100.000 Pfund "brauchten", etwa für ein Flashpad, für ein Auto oder für unser Sozialleben, so war das doch nicht die Zahl, die wir anpeilten. Wenn die Kollegen einen Bonus von 100.000 Pfund bekamen, wollten wir 150.000 haben. Wenn sie 150.000 Pfund bekamen – oder sagten, sie bekämen sie –, wollten wir ein ganzes Stück mehr haben.

Diese Abrakadabra-Alchemie war schon in die Deals hineingesickert, die wir im Trading Floor machten. Im Büro waren unsere G+Vs zu Symbolen der Manneskraft geworden. Ich wollte aber nicht nur, dass die Märkte taten, was ich wollte, weil ich bis zur Mittagspause 10.000 Dollar verdienen wollte. Ich wollte, dass sie taten, was ich wollte, weil das bewies, dass ich mehr weiß als du, und zwar besser und schneller als du. Zu dieser Überzeugung mussten wir gebracht werden. So stellten die Banken sicher, dass wir die Messlatte immer höher legten und immer größere Trades machten.

Irgendjemand vertrat die Theorie, die besten Trader wären Menschen, die als Kinder von ihren Eltern im Stich gelassen wurden oder die in der Schule drangsaliert worden waren. Diese Menschen hatten jemanden, dem sie es zeigen wollten – sie hatten noch ein Hühnchen zu rupfen. Ich glaube nicht, dass ich zu dieser Kategorie gehörte. Mir hatte es in der Schule immer gefallen und ich hatte eine brillante Kindheit gehabt. Aber ich hatte Menschen, denen ich es zeigen wollte – alle Menschen, die gesagt hatten, ich würde es nicht zur Traderin bringen oder ich sollte einen "frauenfreundlicheren" Beruf ergreifen. Ich wollte beweisen, dass sie sich in mir getäuscht hatten und dass sich alle getäuscht hatten, die gesagt hatten, man könnte in der City nicht in der Hierarchie aufsteigen und wer im Back Office angefangen hat, würde im Back Office bleiben. Vielleicht würde ich keinen dieser Menschen je wiedersehen. Wahrscheinlich erfuhren sie nie, dass ich sie widerlegt hatte. Aber wenigstens ich wusste, dass ich es geschafft hatte. Ich war im Front Office und ich lernte täglich dazu.

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