Standpunkt

Ehegattensplitting: Wann ist Schluss mit solchen Privilegien?

Über das Ehegattensplitting und ähnliche Privilegien wurde schon oft diskutiert, aber nie wurde es wirklich angepackt. BRIGITTE-Expertin Helma Sick fordert die Abschaffung staatlicher Subventionen für Ehepaare mit klassischer Rollenverteilung.

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In diesem Artikel:
Finanzberaterin Helma Sick

Finanzberaterin Helma Sick

"Es geht Sie einen feuchten Kehricht an, wie meine Frau und ich unser Leben organisieren." Solche und ähnliche Zuschriften bekomme ich gelegentlich. Und zwar meistens dann, wenn ich mich wieder einmal gegen das Ehegattensplitting und andere staatliche Vergünstigungen wende, von denen Männer mit Zuverdiener-Ehefrauen profitieren. Es ist zweifellos richtig, dass in einem freien Land jeder sein Leben einrichten kann, wie er will. Dass mich das nichts angeht, gilt aber nur, solange all das nicht von der Allgemeinheit finanziert wird. Aber das ist nicht der Fall. Denn für jede Ehe, in der es einen Hauptverdiener (meistens der Mann) und eine Hausfrau gibt, werden wir als Steuer- und Rentenzahler und auch als gesetzliche Krankenversicherte ordentlich zur Kasse gebeten.

Ich zeige einmal am Beispiel eines typischen Lebenslaufs auf, wie wir das Subventionsmodell Ehe finanzieren*:

Inge B. studiert, arbeitet ein paar Jahre, lernt dann ihren Mann kennen. Die beiden heiraten. Sie gibt ihren Beruf auf und arbeitet nur noch auf Minijob-Basis für 400 Euro im Monat. Ihr Mann sitzt vollzeit im Büro. Was kostet das die Allgemeinheit? Ein durchschnittliches Studium schlägt mit ca. 30 000 Euro zu Buche. Der Staat finanziert die Ausbildung an Universitäten, weil das Geld - so zumindest die Idee - in einem anschließenden Arbeitsleben durch diverse Abgaben zurückkommen soll. Das Modell klappt in diesem Fall allerdings nicht, weil bei einem Minijob ja keine nennenswerten Steuern und Sozialbeiträge anfallen.

* Zins- und Zinseszinseffekte, Inflation und individuelle Rentenwerte sind der Einfachheit halber nicht berücksichtigt. Die Relationen hätten auch bei differenzierterer Berechnung die gleichen Größenordungen.

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  • Text:
    Helma Sick
    in Zusammenarbeit mit
    Heide Härtel-Herrmann, Frauenfinanzdienst Köln
    Ein Artikel aus der BRIGITTE, Heft 09/2011
Letzte Kommentare
  • sparks
    am 15.05.12 um 17:13
    solche diskussionen gibt es nur hir in De...bin jetzt auch Hausfrau..und meinen Mann wie ich wurden nach Deutschland berufliech versetz,..immer privat versichert.,..und zahlen durchnietlich 15 %mehr fürdie rentnerkasse aller arp..priewa,gesezlich..die kindern sind auch prievat versichert..unddank splitting..haben wir mindestens die 30 %versicherungskosten(die wir selbst zahlen) von der Stadt geschänkt..weswegen Beschwerden verstee ich nichts...wenn neue Steuermodel kommen würde..niemand wird sich beschweweren.Besonders Kinderlosen die später auch mehr zu lasten liegen als Hausfrauen Heutztugage.
    P.S
    entschuldiegung fürs Feller..bin nicht wirklich gut in Deutsche Sprache...
  • Wolfgang
    am 02.01.12 um 17:45
    Liebe Anna, Das Ehegattensplitting heisst Ehegattensplitting und nicht Kindergeld! Sehr häufig wird in unserer Gesellschaft ein vermeintlicher Vorteil geneidet, Nachteile werden jedoch als normal hingenommen. (auch tytisch deutsch: "Der Raucher soll mehr Krankenkasse bezahlen". Aber niemand sagt: "Der Raucher soll weniger Rentenversicherung zahlen".) Der Alleinverdienende Ehepartner soll also den "Nichtverdiener" ohne kleinste Steuererleichterung versorgen. Bei arbeitslosen Singles aber zahlt der Staat. Dafür darf der "Alleinverdiener" in der Ehe auch nach einer evtl. Scheidung Unterhalt zahlen, der Staat ist fein raus. Wenn jetzt nur für Ehepaare mit Kindern das Splitting greifen soll, was ist wenn die Kinder später nicht arbeiten sondern auf Sozialhilfe angewiesen sind? Wird dann der Splittingvorteil zurückgezahlt? Auch wenn die Zahlen immer wieder "schöngelogen" werden, wir haben immer noch über 4 Mio. Arbeitslose, also nicht genug Jobs. L.G.
  • Anna
    am 02.01.12 um 16:38
    Ich finde, das Ehegattensplitting sollte daran gekoppelt werden, ob das verheiratete Paar Kinder hat oder nicht und wie alt die Kinder sind. Als Mutter von drei kleinen Kindern (5 Jahre + Zwillinge 1 Jahr) schaffe ich es momentan einfach nicht mehr als für 200 Euro im Monat zu arbeiten. Mein Mann arbeitet Vollzeit. Das Splittingverfahren verschafft uns finanziell wenigstens etwas mehr Luft. Es muss einfach honoriert werden, wenn man Kinder groß zieht, die später die Rente (auch von) Kinderlosen bezahlen. Dass Ehepaare ohne Kinder genauso stark bevorteilt werden, finde ich auch nicht in Ordnung.
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