Krankenkasse: Reif für einen Wechsel

Sie überlegen, Ihre Krankenkasse zu wechseln? Hier lesen Sie, was nach der Reform möglich sein soll - und weshalb Verbraucherschützer raten, die gesetzliche Kasse nicht zu verlassen.

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Von der gesetzlichen Kasse in die private wechseln, von einer privaten Versicherung in die nächste und wieder zurück in die gesetzliche Kasse, als nicht Versicherter zurück in die private Kasse – bislang undenkbar, nach der Gesundheitsreform soll das aber unter bestimmten Voraussetzungen möglich sein. Was diese und andere Neuerungen für uns bedeuten, erklären wir hier.

Wechsel von der Gesetzlichen in die Private

Voraussetzungen - das bleibt
Wer das gesetzliche System verlassen und in die private Kasse wechseln will, muss mit seinem Einkommen über der Versicherungspflichtgrenze von 3937,50 Euro liegen - allerdings seit mindestens drei Jahren, dieses Detail ist neu. Wie gehabt können nur Studenten, Beamte, Freiberufler und Selbstständige unabhängig vom Einkommen ihre Gesundheit privat versichern.

Das wird sich ändern
"Wer sich nach der Gesundheitsreform privat versichern will, kann in den Basistarif wechseln", sagt Sabine Heche vom Verband der privaten Krankenversicherung (PKV). Das alte, individuell angepasste Tarifsystem der Privatkassen wird es weiterhin geben. Risikoprüfungen dürfen die privaten Kassen bei diesem Basistarif nicht mehr durchführen - bei einer solchen Prüfung wird die Krankengeschichte des Antragstellers überprüft. Höhere Prämien für chronisch Kranke sind damit ausgeschlossen, ebenso Risikozuschläge oder Leistungsausschlüsse: Niemand darf aufgrund seines Gesundheitszustands für den neuen Basistarif der privaten Kassen abgelehnt werden. Ausnahme: Eine private Versicherung kann einen Ex-Kunden ablehnen, wenn der wegen arglistiger Täuschung gefeuert wurde. Eine andere private Kasse muss ihn allerdings aufnehmen. Hintergrund: Der Basistarif wurde vor allem als Rückkehrmöglichkeit für ehemals privat Versicherte geschaffen, die ihren Versicherungsschutz verloren haben.

Beiträge - das bleibt
Ein junger, gesunder Mensch, der sich für eine private Versorgung entscheidet, muss mittelfristig mit hohen Belastungen rechnen. Wer mit einer niedrigen Prämie eingestiegen ist, hat zunächst Geld gespart. Aber: "Bei der PKV muss man jedes Jahr mit einer Beitragssteigerung rechnen - die kann mal ausbleiben, aber auch auf einen Schlag fünf, zehn oder sogar 15 Prozent betragen", warnt Birgit Lein von der Verbraucherzentrale Hamburg. Eine 35-jährige Selbstständige, die mit ihrem Einkommen über der Beitragsbemessungsgrenze liegt, zahlt bei der Gesetzlichen zurzeit etwa 500 Euro. Bei der privaten Versicherung würde sie - je nach Tarif - zwischen 100 und 200 Euro weniger zahlen als in der gesetzlichen, errechnet Birgit Lein. Wegen der zu erwartenden Beitragssteigerungen wäre dieser Vorteil allerdings nach wenigen Jahren dahingeschmolzen. Verdient die Frau unterhalb der Bemessungsgrenze, wäre ihr gesetzlicher Beitrag ohnehin niedriger, die Private würde sich noch weniger lohnen.

Das wird sich ändern
Erwünschte Mehrleistungen werden privat Versicherte künftig über Zusatzversicherungen abdecken müssen, zum Beispiel für hochwertigen Zahnersatz. Wegen des Basistarifs für alle werden kräftige Beitragssteigerungen bei den privaten Kassen wohl unvermeidlich sein. Vor allem für Jüngere, die zurzeit günstig wegkommen, werden die Prämien stark ansteigen - um bis zu 50 Prozent, schätzen Experten. Damit dürften sie teilweise über den Kassenbeiträgen der Gesetzlichen liegen, auch wenn die ebenfalls steigen werden.

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