Burnout: Gegensteuern, bevor es zu spät ist

Berufstätige Mütter trifft es besonders oft: Irgendwann geht nichts mehr, die Nerven liegen blank - akute Burnout-Gefahr.

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Vor einem Jahr berichtete die BRIGITTE über ein Pilotprojekt, das zum Ziel hatte, gestresste Frauen vor diesem "Infarkt der Seele" zu bewahren.

Wegen der großen Nachfrage werden jetzt wieder Seminare zur Burnout-Prophylaxe angeboten - Näheres dazu lesen Sie hier.

Ein Tagungsraum im Hotel, eine Pinnwand mit vielen bunten Pappschildern, sieben Frauen zwischen Ende zwanzig und Mitte vierzig, mal ein schüchterner Blick, mal angeregte Unterhaltung. So weit, so normal. Wie vor jedem Seminarbeginn. Doch nach der Vorstellungsrunde ist klar: Normal läuft für diese Frauen nichts mehr. Ob Marketingleiterin oder Sprechstundenhilfe, Sekretärin, Lehrerin oder Architektin - sie alle sind aufgerieben zwischen Job und Familie, stehen kurz vor einem Burnout.

Dieses "Balancing"-Seminar ist eine Notbremse, um das Leben wieder in den Griff zu bekommen. Anders als bei einer akuten Burnout-Intervention geht es hier nicht darum, Wege aus der Krise zu zeigen. Mit ihrem Konzept will Kursleiterin Ilona Wilhelms erreichen, dass es gar nicht erst so weit kommt. Deshalb sollen berufstätige Mütter sensibler werden für die eigenen Bedürfnisse und Wünsche. Denn die Hamburger Psychologin kennt das Kernproblem: "Viele dieser Frauen machen alles für andere, aber fast nichts für sich selbst. Deshalb beginnen wir mit einer Bestandsaufnahme: Wie ist meine aktuelle Situation? Wo kneift es? Wann fühle ich mich besonders gestresst? Und als Gegenfrage: Was will ich eigentlich in meinem Leben?"

Um Wunsch und Wirklichkeit näher zusammenzubringen, müssen die berufstätigen Mütter die Stolpersteine im Alltag erkennen, sollen analysieren, wann und warum etwas schief läuft im Tagesablauf. Und wie sie aus dem Stress wieder herauskommen, zum Beispiel durch modernes Zeitmanagement und verschiedene Entspannungsverfahren wie Bodyscan und Bewegungsübungen, aber auch durch Stimm- und Ausdruckstraining. Denn davon istIlona Wilhelms überzeugt: "Die Frauen müssen zu Hause klar sagen, was sie anders haben wollen. Wir üben deshalb mit den Teilnehmerinnen eine geeignete Kommunikation in der Familie."

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Sich besser durchsetzen, klarer ausdrücken, mehr delegieren, Konflikte konstruktiv austragen - das alles wird trainiert bei dem "Balancing"-Seminar: "Nur wenn wir bereit sind, wirklich etwas zu verändern, können wir den Alltag wieder lustvoller und entspannter erleben." Und lässt sich da schon in fünf Kurstagen etwas ausrichten? "Ein solcher Prozess ist nach einer Seminarwoche natürlich nicht abgeschlossen. Ob die Teilnehmerinnen wirklich zu einschneidenden Veränderungen bereit sind, müssen sie selbst entscheiden. Aber wir ermutigen und zeigen: Viele haben es geschafft." Auch die Seminarleiterin, selbst berufstätige Mutter, hat einschlägige Erfahrungen gemacht: "Ein riesiger Klotz, der mein Leben neben der Doppelbelastung zusätzlich schwer machte, waren meine eigenen hohen Ansprüche. An mich, meine Arbeit, mein Aussehen, meine Qualitäten als Mutter und als Partnerin." Bis sie merkte, dass "die Welt nicht untergeht, wenn die Fensterscheiben mal schmutzig bleiben oder das Kind nur eine Pizza isst". Außerdem überzeugte sie ihren Mann davon, jedes Wochenende zu kochen und Teile der Hausarbeit zu übernehmen. Sie selbst treibt jetzt Sport und gönnt sich regelmäßig Pausen: "Damit geht es mir viel besser."

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  • Foto: dreamstime
    Text: Silke Baumgarten
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