Gelegentlich, wenn in der Firma wieder ein Teamleiter-Job frei wird, flackert der Monitor ihres Notebooks. Als ob er ihr zublinzeln würde: "Finger hoch, bewirb dich!" Vielleicht sollte ich wirklich, denkt sie dann. Aber ich habe noch nie Leute geführt - packe ich das? Und die ganze Verantwortung - will ich die überhaupt? "Du spinnst ja", funkelt das Notebook. "Nächtelang haben wir beide auf diese Chance hingeackert, und jetzt stellst du dich an wie Flipper vor einer Wüsten-Expedition! Los, ich will auf einen Chefschreibtisch. Auf deinen!" Aber so ein Job verschlingt Zeit, grübelt sie weiter, was ist mit meinen Freunden, meiner Familie, meinem Leben? Irgendwann schaltet sie ihr Notebook aus. Und befördert sich mal wieder selbst: ins Karriere-Abseits.
Gestatten, das ist Paula. Eine tolle Kollegin - sozial kompetent, klug, super qualifiziert. Eine, die viel denkt. Einigen von Ihnen dürfte sie irgendwie bekannt vorkommen. Weil etliche Frauen wie Paula reagieren, wenn sie einen Chefjob haben könnten: Sie grübeln und zweifeln und lassen das mit der großen Karriere dann doch lieber sein. Das Phänomen ist so verbreitet, dass es inzwischen auch einen Namen hat: das Paula-Prinzip. Karriereberaterin Monika Becht hat den Ausdruck aus Großbritannien übernommen und beschreibt ihn so: "Frauen enden im Job oft unterhalb einer Position, für die sie kompetent wären - weil sie die Führungsverantwortung scheuen."
Selbstkritisch bis zum Gehtnichtmehr
Natürlich machen auch äußere Umstände die Karriere für uns oft zum Hindernislauf: Wir stolpern über männliche Seilschaften, müssen eine Runde aussetzen, weil wir keine Ganztagsbetreuungsplätze für die Kinder finden; oder (huch, Totalsperre!) der Boss hat sich das Frauenbild des 19. Jahrhunderts bewahrt. Doch Zauder-Paula erschwert sich das alles noch zusätzlich - mit Eigenschaften, die sympathisch sind, aber nicht gerade hilfreich: Sie ist so selbstkritisch, dass sie sich ungefähr die Führungskompetenz eines Teletubbies attestiert. Sie will von allen Kollegen nicht nur respektiert, sondern ehrlich gemocht werden. Sie nahm schon als Kind erst am Schokolade-Wettessen teil, nachdem sie bis zur Perfektion geübt hatte; und Chefin sein, das kann sie ja leider nicht vorher üben. Außerdem
möchte Paula eben das ganze Leben, nicht nur einen tollen Job.
Wenn sie so weit gedacht hat, schaltet Paula mal wieder ihr Notebook aus. Und beobachtet halb neidvoll, halb verblüfft ihre männlichen Kollegen: Wie schnell die bei einer offenen Stelle zuschnappen, fast wie Zoo-Krokodile bei der Fütterung. Ob sie gut genug sind? Mein Gott, andere können's auch nicht besser, da wächst man doch rein! Ob sie einen Chef-Job überhaupt wirklich wollen? Öhhh - was denn sonst?! Und die Kinder? Denen geht's total super, hat ihre Frau erst neulich wieder erzählt!













