Die32-jährige Sprachwissenschaftlerin hatte für ihre Doktorarbeit 70 Sprechstunden-Gespräche an der Ruhr-Universität Bochum ausgewertet.
Dr. Vera Zegers, 32, lehrt an der Universität Maastricht. Sie ist Leiterin der Englischabteilung des dortigen Sprachzentrums.
Brigitte.de: In Ihrer Arbeit haben untersucht, wie sich weibliche und männliche Studenten in Sprechstunden mit ihren Professoren austauschen. Was haben Sie dabei festgestellt?
Vera Zegers: Ich habe analysiert, wie die Studierenden mit ihren Kompetenzen und ihrem Wissen, aber auch mit ihren Wissenslücken umgehen. Außerdem habe ich untersucht, wie die Professoren darauf eingehen. Dabei sind mir vor allem im Umgang mit Wissen Unterschiede aufgefallen: Während ein Student Forderungen stellt und klar sagt, was er will, wuchern Frauen bei der Absprache ihrer Themen viel zu wenig mit ihren Pfunden.
Brigitte.de: Können Sie näher erläutern, was Sie damit meinen?
Vera Zegers: Die Studentinnen drücken sich zu sehr im Konjunktiv aus, sagen "ich würde vielleicht gerne" anstatt "ich habe vor". Außerdem machen sie ihre Vorkenntnisse unnötig klein, indem sie ihren Themenwunsch mit einem "ich habe erst zehn Bücher dazu gelesen" abschwächen. Oder - noch schlimmer - sie weisen auf Wissenslücken hin, obwohl gar nicht danach gefragt wurde.
Brigitte.de: Auch im beruflichen Alltag sind Frauen in Gesprächen häufig zu defensiv. Haben Sie eine Erklärung für dieses oft unvorteilhafte Verhalten?
Vera Zegers: Frauen sind auf einen kooperativen Gesprächsstil aus und möchten gemeinsame Kompromisse erzielen. Es geht aber in den meisten beruflichen Gesprächen darum, kompetent zu wirken und sich selbstbewusst darzustellen. Das machen sich viele Frauen nicht klar genug.
Brigitte.de: Was empfehlen Sie?
Vera Zegers: Man sollte mit festen Zielen in ein Gespräch gehen und entsprechend auftreten. Bereiten Sie sich auch darauf vor, dass Sie angegriffen werden, malen Sie sich aus, was im schlimmsten Fall passieren könnte. Machen Sie sich vorher wirklich klar, was Sie von dem Gespräch erwarten, was Ihre Ziele sind, und in welchen Punkten Sie bereit sind nachzugeben. Im Idealfall proben Sie Auseinandersetzungen in Rollenspielen, zum Beispiel mit einer Freundin. Das mache ich mit großem Erfolg auch mit meinen Studentinnen.













