Experten-Tipps: Probleme im Job. Und jetzt?
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Verdacht auf Mobbing?
Unser neuer Chef mischt sich in alles ein, kontrolliert ständig und hat überall etwas auszusetzen. Ich fühle mich total blockiert und mache in letzter Zeit tatsächlich häufiger Fehler. Wie soll das weitergehen? So halte ich es nicht mehr lange aus.
Ulrich Dehner*, Psychologe, Coach und Gründer der Konstanzer Seminare:
Bitten Sie Ihren Chef um ein Gespräch, aber vermeiden Sie dabei Anklagen oder Forderungen. Besser – weil wirkungsvoller – sind Ich-Botschaften: wie es Ihnen geht, wie Sie die Situation erleben, was Sie sich von ihm wünschen, damit die Zusammenarbeit besser klappt. Fragen Sie ihn, ob er Ihre Arbeit insgesamt so negativ sieht, wie Sie glauben, oder ob er vielleicht grundsätzlich nur Kritik rückmeldet. Ein schwäbisches Führungsprinzip lautet ja zum Beispiel: "Nicht g'schimpft ist g'lobt genug." Stellt sich die Kritik als berechtigt heraus, überlegen Sie gemeinsam, wie Sie sich verbessern können – durch Seminare oder Coaching. In 90 Prozent der Fälle klärt sich durch ein solches Gespräch schon ganz viel. Falls Ihr Chef darauf überhaupt nicht eingeht und alles von sich weist, könnte sich die Sache in Richtung Mobbing bewegen. Dann sollten Sie sich an den nächsthöheren Vorgesetzten wenden.
*"Steh dir nicht im Weg" (mit Renate Dehner, Campus, 19,90 Euro)
Wo sind meine Perspektiven?
Ich bin 40 und habe das Gefühl: Hier bleibe ich die nächsten 25 Jahre, weiter komme ich nicht mehr. Wie finde ich heraus, was vielleicht doch noch geht?
Ulrike Bergmann*, "Büro für ungewöhnliche Zielerreichung" in Fürstenfeldbruck bei München:
Um eine ehrliche Bestandsaufnahme werden Sie nicht herumkommen: Worauf beruht dieses Gefühl von Stagnation? Sind es eher innere oder äußere Barrieren? Hat man Ihnen am Arbeitsplatz signalisiert, dass Sie sich keine Hoffnungen mehr auf einen Aufstieg zu machen brauchen? Oder haben Sie sich bislang nur wenig darum bemüht? Denken Sie nicht, Sie könnten mit 40 keine Karriere mehr machen! Es gibt Firmen, die ihre Führungskräfte aus dieser Altersgruppe rekrutieren - schon weil ihnen schlicht Nachwuchs fehlt. Denken Sie aber auch über Alternativen nach: Welche Kompetenzen könnten Sie auch anderswo einsetzen oder weiterentwickeln? Haben Sie schon mal dran gedacht, sich in Ihrer Freizeit in einem Netzwerk oder Berufsverband zu engagieren und dort beispielsweise PR- und Marketing-Aufgaben zu übernehmen? Wer weiß, vielleicht ergeben sich ja auch daraus neue berufliche Möglichkeiten. Wenn nicht in Ihrem Unternehmen, dann aber in einem anderen, wo Sie möglicherweise von vornherein auf einer höheren Stufe einsteigen können.
* "Start frei zur Kooperation" (Financial Times Prentice Hall, 24,95 Euro)
Stellensuche ohne Annoncen
Wenn eine Stelle in der Zeitung ausgeschrieben ist, sind die Chancen meiner Erfahrung nach meistens gering. Gibt es gute Alternativ-Strategien?
Silke Händeler, 28, Verlagskauffrau aus Remscheid, hat sich nach ihrer Ausbildung auf über 200 Stellenannoncen beworben, ohne dadurch einen Job zu bekommen. Inzwischen hat sie festgestellt, dass ihre eigenen Methoden erfolgreicher waren:
Ich wollte gern ins Musikgeschäft. Als ich in der Zeitung las, dass ein winziger Musikverlag jemanden fürs Lager sucht, rief ich dort an. Ich hatte gleich den Chef am Apparat und sagte ihm, ich würde zwar nicht im Lager, sonst aber gern für ihn arbeiten. Er war ziemlich erstaunt, doch meine bisherige Berufserfahrung hat ihn offenbar überzeugt, denn er machte mich tatsächlich zu seiner Assistentin. Als ich später wieder einen Job suchte, erfuhr ich von einem Bekannten, der ein kleines Veranstaltungsmagazin herausgibt, dass dort niemand für die Anzeigen zuständig war. Mein Angebot, mich darum zu kümmern, nahm er sofort an. Nach drei Monaten hatte ich fast 50 neue Anzeigenkunden akquiriert! Es kann sich also lohnen, nicht nur ausgeschriebene Positionen anzupeilen. Zwei Jobs habe ich mir immerhin schon selbst geschaffen und damit bewiesen, was ich kann. Auch meine jetzige Stelle bekam ich übrigens nicht über eine Annonce, sondern über ein eigenes Gesuch im Internet.
Vorurteil oder echte Kritik?
Ich bin nach der Geburt meines Sohnes ziemlich bald wieder eingestiegen. Mein Job macht mir Spass, und ich finde, ich mache ihn gut. Trotzdem behauptet mein Chef, ich sei wohl wegen meines Kindes nicht mehr so bei der Sache und müsste wieder effizienter arbeiten. Wie soll ich damit umgehen?
Karen Heumann, Vorstandsmitglied der Hamburger Werbeagentur Jung von Matt*:
Ich würde ihn festnageln auf konkrete Aussagen: In welchen Situationen hat er Leistung und Effizienz tatsächlich vermisst? Dann sehen Sie, ob seine Vorwürfe nur auf einem Vorurteil beruhen oder ob womöglich etwas dran sein könnte. Wichtig erscheint mir, die veränderte Situation gemeinsam zu reflektieren. Denn die neue Rolle bringt Verunsicherung auf beiden Seiten. Für den Chef wäre es sicher wichtig zu hören, dass der Job für seine Mitarbeiterin nach wie vor hohe Priorität hat. Und als Mutter habe ich vielleicht Angst, im Team plötzlich anders angesehen und stärker beäugt zu werden. Hilfreich könnte sein, von einer wohlwollenden Kollegin ein Feedback einzuholen, wie sie mich jetzt sieht. Sollte der Chef jedoch auf seiner Meinung beharren, wird es vielleicht Zeit, sich nach etwas Neuem umzusehen, statt sich weiter an der falschen Front aufzureiben. Oder, wenn der Beruf es erlaubt, sich selbständig zu machen. Ich kenne einige Frauen, die es gewagt haben und damit gut gefahren sind.











