Experten-Tipps: Probleme im Job. Und jetzt?

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Aufstieg als Rollenspiel?

Ich bin von Haus aus kein Poker-Typ, befürchte aber, ganz ohne Taktik geht es nicht, wenn ich Karriere machen will. Oder ist doch eher Authentizität gefragt?

Gregor Nottebom*, praktizierender Philosoph in Bochum:

Wer Karriere machen will, muss ein Stück weit taktieren können, das heißt sich gut verkaufen, persönliche und fachliche Fähigkeiten offensiv vertreten, im richtigen Moment Präsenz zeigen. Auch mal als Spieler zu agieren ist gut – vorausgesetzt, man ist sich darüber im Klaren, dass man eine Rolle spielt. Dadurch bekommt man Distanz zu dem, was man macht, und hat weniger das Gefühl, seine Authentizität zu verlieren. Grundsätzlich ist es ja kein Problem, eine Rolle zu spielen, schließlich tun wir das alle ständig – zum Beispiel als Mutter oder Vater.

BRIGITTE: Ist Wie weit soll das Taktieren gehen? Bis zu Anbiederei und Opportunismus?

Gregor Nottebom: Bloß nicht. Man muss auch mal etwas riskieren, zum Beispiel hohe Gehaltsforderungen oder Personalanforderungen stellen, Selbstbewusstsein demonstrieren – selbst auf die Gefahr hin, dass man dann nicht alles eins zu eins bekommt.

BRIGITTE: Darf man auch emotional sein, Ecken und Kanten zeigen? Oder sollte man sich eher stromlinienförmig verhalten?

Gregor Nottebom: Führungskräfte haben normalerweise immer Ecken und Kanten, ein eigenes Profil. Darin liegt ihre Authentizität, dadurch stechen sie hervor. Was die Emotionen angeht, hängt das vom Bereich ab: Für eine Uni-Karriere ist es tödlich, Gefühle zu zeigen, in der Politik durchaus erwünscht, in kreativen Berufen unerlässlich.

* www.sinnsuchen.de

Drei Fragen - ein Thema: Mehr Geld – aber wie?

Wie oft und wann kann ich eine Gehaltserhöhung fordern - und wie muss ich meine Forderungen begründen, um überhaupt eine Chance zu haben?

Mein Kollege, der seine Stelle ebenso lange hat wie ich und das gleiche macht, verdient trotzdem einiges mehr. Ziemlich frustrierend, finde ich. Steht mir da nicht auch mehr Geld zu?

Wenn man bei Bewerbungen eine "Gehaltsvorstellung" nennen soll - wie finde ich heraus, was zu viel und was zu wenig wäre?

Christian Püttjer* und Uwe Schnierda*, Berater und Trainer, leiten in Kiel die "Karriereakademie":

Maßgeblich beim Thema Gehalt sind natürlich ganz verschiedene Faktoren wie zum Beispiel Position, Branche und Firmengröße, aber auch Region oder Geschäftserfolg. Es gibt jedoch ein paar grundsätzliche Tipps, die man beachten sollte:

Richtiges Timing. Das Gehalt ist meist alle anderthalb bis zwei Jahre wieder spruchreif. Aber nie das Thema zwischen Tür und Angel anschneiden oder wenn der Chef miese Laune hat. Auch ungünstig: Gespräche am Montag oder Freitag und am Jahresende, wenn alle mehr Geld wollen.

Trübe Geschäftsbilanzen? Jetzt besser nicht verhandeln – schon gar nicht, wenn betriebsbedingte Kündigungen drohen. Geht's wieder aufwärts: Auf keinen Fall Ersatz verlangen, weil Erhöhungen zwischendurch ausgefallen sind.

Forderungen begründen. Üblich sind Erhöhungen von zwei bis vier Prozent. Mehr gibt's nur für besonders gesuchte Fachkräfte. Oder bei herausragender Leistung.

Hilfreich: ein Erfolgstagebuch. Womit haben Sie Ihre Firma vorangebracht, wann neue Kunden gewonnen oder Arbeitsabläufe effizienter gestaltet? Die stärksten Argumente nach und nach im Gehaltsgespräch präsentieren.

Kollege verdient mehr. Der Neid- und Jammerfaktor ruft bei Chefs höchstens Abwehr hervor. Was zählt, ist allein Ihre Leistung und wie Sie sie im Gespräch mit dem Vorgesetzten "verkaufen". Gutes Selbstmarketing können Sie trainieren – mit Bekannten oder auch mit einem professionellen Coach.

"Gehaltsvorstellungen": Orientieren Sie sich am branchenüblichen Marktwert. Hinweise liefert z. B. das Internet (Beruf und "Gehalt" in eine Suchmaschine wie Google eingeben). Im Bewerbungsanschreiben eine Gehaltsspanne nennen oder einen Richtwert: "Meine Gehaltsvorstellung liegt bei ca. 35 000 Euro Brutto-Jahresgehalt." So wirken Sie verhandlungsbereit.

Neuer Job. Realistischer Gehaltssprung: fünf bis zehn Prozent. Wenn Sie nicht dringend wechseln müssen: Im Vorstellungsgespräch ruhig die Grenzen ausloten.

In der Probezeit. Erst am Ende verhandeln, aber von Anfang an die Weichen stellen – indem Sie durch Leistung glänzen.

*"Die erfolgreiche Gehaltsverhandlung" (Campus, 17,90 Euro)

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  • Texte: Silke Kienecker, Mark Kuntz, Ingrid Ostlender, Barbara Voigt, Harriet Wolff, Franziska Wolffheim. BRIGITTE Heft 06/2006
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