Zwei Frauen, ein Chefsessel

Zwei Frauen - ein Job. Und das ganz oben. Was die eine montags aufgreift, setzt die andere freitags um. Das Duo Sybille Hartmann und Elisabeth Stute ist nach außen wie eine Frau. Nur noch besser.

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Chefin Sybille Hartmann

Chefin Sybille Hartmann

Der Blick aus dem 20. Stock ist spektakulär. Sybille Hartmann und Elisabeth Stute sind oben angekommen, da besteht überhaupt kein Zweifel. Von ihren einheitsgrauen Schreibtischen aus blicken sie auf die Innenstadt Hamburgs hinunter, bei schönem Wetter sehen sie weiße Segelboote und Dampfer über die Alster gleiten.

Allerdings haben die Frauen wenig Zeit, um aus dem Fenster zu gucken. Sie müssen Akten sichten. Über "Investment-Strategien" beraten. Über "Kapitalanlage im Rahmen der Altersvorsorge", so heißt die Abteilung, die das Duo neuerdings beim Konsumgüterkonzern Unilever leitet. "Zwei Frauen, eine Funktion", sagt Sybille Hartmann und beendet den Satz mit einem raumgreifenden Lachen, das erst sie und dann das ganze Büro erbeben lässt. Sie trägt einen leuchtend roten Blazer, der einzige Farbtupfen in diesem Büro. Elisabeth Stute bevorzugt etwas gedämpftere Töne und lehnt in ihrem Stuhl wie eine Regisseurin, die gerade die Qualität einer Szene prüft.

Die beiden sind so verschieden, wie zwei Frauen nur sein können - und das scheint die perfekte Voraussetzung für Job- Sharing in der Chefetage zu sein. Schon seit 2004 teilt sich das Duo eine Führungsposition. Als Elisabeth Stute ihr zweites Kind erwartete, entwarfen die zwei ein Konzept, um ihre damalige Controlling-Abteilung gemeinsam zu leiten. Während Stutes Elternzeit feilten sie an den Details. "Sollten wir halbe Tage oder halbe Wochen arbeiten? Sollten wir Bereiche aufteilen oder beide alles machen?", fragt Stute und beugt sich auf ihrem Stuhl vor. Sybille Hartmann lehnt sich im selben Rhythmus zurück. Wie ein Tennis-Doppel wechseln sie auf ein unsichtbares Zeichen die Positionen an der Grundlinie und am Netz.

Als Chef-Controllerinnen haben die Frauen schnell gemerkt, was erfolgreiches Job-Sharing braucht. "Das Prinzip Gleichheit", sagt Sybille Hartmann, "das ist das Wichtigste überhaupt. Wenn eine insgeheim denkt: Aber eigentlich bin ich doch ein bisschen besser als die andere, und eigentlich mache ich es auch ein bisschen hübscher. Dann kann man es vergessen."

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  • Text: Christa Thelen
    Fotos: Christina Körte
    BRIGITTE Heft 24/2006
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